
Argentinien lockert Dollar-Kreditvergabe und plant Staatsbürgerschaft für Investoren
Die Regierung Milei hat die Kreditaufnahme in US-Dollar für Binnenunternehmen erleichtert und bereitet ein Programm für sogenannte goldene Pässe vor, um Devisen für den Schuldendienst zu mobilisieren.
Die argentinische Regierung hat mit Wirkung zum 12. Juni eine Vorschrift aus der Zeit der Staatskrise von 2001 aufgehoben, die den Zugang zu Dollarkrediten auf exportorientierte Unternehmen beschränkte. Künftig können auch Firmen ohne Fremdwährungseinnahmen Kredite in US-Dollar aufnehmen, sofern sie eine Bürgschaft eines Exporteurs als Sicherheit hinterlegen. Die Maßnahme zielt darauf ab, die auf Rekordniveau gestiegenen Dollareinlagen im Bankensystem – derzeit über 39 Milliarden US-Dollar – in die Kreditvergabe an die heimische Wirtschaft zu lenken. Die ausstehenden Dollarkredite belaufen sich bereits auf rund 23,5 Milliarden Dollar, ebenfalls ein Höchststand.
Gleichzeitig verdichten sich Hinweise auf ein weiteres Vorhaben zur Devisenbeschaffung: Laut einem Bericht der Financial Times plant Buenos Aires noch in diesem Jahr ein Programm für sogenannte goldene Pässe. Ausländische Staatsangehörige sollen demnach die argentinische Staatsbürgerschaft gegen eine nicht rückzahlbare Einlage von etwa 500.000 Dollar oder den Kauf von Nullkupon-Staatsanleihen im Wert von einer Million Dollar erwerben können. Das Wirtschaftsministerium unter Luis Caputo lehnte eine Stellungnahme ab. Mit dem Programm, das ohne Wohnsitzauflage auskommen könnte, will die Regierung Milliardensummen für die Bedienung der Auslandsschulden mobilisieren, nachdem das Land seit der Umschuldung von 2020 nur eingeschränkten Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten hat.
Aus Washingtoner Sicht warnt die Ratingagentur Moody’s, die neue Kreditregelung berge bei erhöhter Wechselkursvolatilität Risiken für die Rückzahlungsfähigkeit der Hauptschuldner ohne natürliche Absicherung. Die Kreditqualität hänge dann von der Finanzkraft des bürgenden Exporteurs ab. Der Ökonom Iván Cachanosky von der wirtschaftsliberalen Fundación Libertad y Progreso nannte die Öffnung einen Schritt in die richtige Richtung, betonte jedoch, dass die Wirksamkeit von der Disziplin der Banken bei der Sicherheitenbewertung abhänge. Eine Aufweichung der Kreditstandards könne die Risiken für das Finanzsystem erhöhen.
In europäischen Hauptstädten stößt das Passprogramm auf Skepsis. Die Europäische Union hat staatsbürgerschaftsbasierte Investorenprogramme 2022 gerichtlich untersagt, und Großbritannien stellte seine eigenen Investorenvisa aus Sorge vor Geldwäsche ein, erwägt nun aber eine Neuauflage mit strengeren Auflagen. Beraterfirmen wie Arton Capital und Latitude Group verweisen auf das Interesse vermögender Amerikaner und Europäer, die angesichts politischer Polarisierung nach strategischen Alternativen suchten. Kritiker in Argentinien sehen verfassungsrechtliche Fragen und Reputationsrisiken, sollte das Land zum Ziel von Finanzströmen unklarer Herkunft werden.
Die Lockerung der Dollarkreditregeln ist bereits in Kraft; ihre tatsächliche Kreditausweitung wird davon abhängen, ob Banken ausreichend belastbare Garantien einfordern. Für das Passprogramm steht eine offizielle Ankündigung noch aus. Beobachter in Buenos Aires rechnen mit einer Konkretisierung der Pläne in den kommenden Monaten, während die Regierung parallel an der Umsetzung weiterer marktliberaler Reformen arbeitet.
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Die argentinische Regierung beschreitet zwei Wege, um Dollar anzuziehen: Sie lockert die Regeln für Fremdwährungskredite an Unternehmen ohne Exporterlöse, was Erinnerungen an die Krise von 2001 wachruft, und bereitet ein Programm für „goldene Pässe“ vor, das Staatsbürgerschaft gegen Investitionen tauscht. Die Kreditlockerung weckt die Sorge vor einer Wiederholung alter Fehler, während das Passprogramm als verzweifelter Schritt zur Schuldentilgung dargestellt wird.
Das klamme Argentinien heckt ein Programm für „goldene Pässe“ aus, um wohlhabenden Ausländern die Staatsbürgerschaft zu verkaufen und so seine Schulden zu bedienen. Unter Präsident Milei würde das Land zu einem der größten der Welt mit einem solchen Angebot werden – ein pragmatischer, aber leicht anrüchiger Ausverkauf nationaler Identität.
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