
Irans Inflation springt auf 88,6 Prozent – Kriegsschäden und Blockade verschärfen die Wirtschaftskrise
Die Verbraucherpreise stiegen im Juni gegenüber dem Vorjahr um 88,6 Prozent, während die Zerstörungen des Krieges mit den USA und Israel auf 270 Milliarden Dollar geschätzt werden und die Regierung in Teheran um die Finanzierung von Lebensmittelhilfen ringt.
Die amtliche Inflationsrate Irans hat im persischen Monat Chordad (22. Mai bis 21. Juni) mit 88,6 Prozent im Vorjahresvergleich einen neuen Höchststand erreicht, wie das Statistische Zentrum des Landes mitteilte. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Preise um 5,9 Prozent. Besonders stark verteuerten sich Nahrungsmittel: Die Punkt-zu-Punkt-Teuerung für diesen Bereich lag bei 135 Prozent, wobei Brot und Getreide um 138,8 Prozent, Milchprodukte und Eier um 151,9 Prozent sowie rotes Fleisch und Geflügel um 178,2 Prozent anzogen. In ländlichen Regionen überschritt die Gesamtteuerung mit 108,1 Prozent die Dreistelligkeit, während sie in Städten bei 89 Prozent lag. Die unteren Einkommensdezile traf der Preisdruck überproportional: Für das zweite Dezil wurde eine Jahresinflation von 68,5 Prozent gemessen, für das erste und zweite Dezil stieg die Punkt-zu-Punkt-Rate in den dreistelligen Bereich.
Der sprunghafte Anstieg folgt auf drei Monate militärischer Auseinandersetzungen mit den USA und Israel. Nach Darstellung der in Hongkong erscheinenden South China Morning Post beliefen sich die Schäden durch Luftangriffe auf Energieinfrastruktur, Stahlwerke, petrochemische Anlagen und Häfen sowie eine anschließende zweimonatige Seeblockade auf geschätzte 270 Milliarden US-Dollar – nahezu drei Viertel des Bruttoinlandsprodukts von 371 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Die Blockade habe die verbliebenen Exportwege weitgehend abgeschnürt. Bereits vor Kriegsausbruch im Februar hatte die Jahresteuerung bei 68 Prozent gelegen; der Internationale Währungsfonds hatte Iran damals nach Venezuela und Sudan die dritthöchste Inflationsrate der Welt attestiert und für das Gesamtjahr einen Wert von nahe 70 Prozent prognostiziert.
Die wirtschaftliche Notlage wird durch eine unkontrollierte Geldmengenausweitung verschärft. Wie die persischsprachige Redaktion von Voice of America unter Berufung auf Zentralbankdaten berichtet, sprang die Liquidität im vergangenen Jahr um mehr als 53 Prozent auf rund 16 Billiarden Toman. Die Staatsverschuldung allein gegenüber dem Bankensystem stieg um 42 Prozent. Zur Deckung des Haushaltsdefizits, das ausbleibende Ölexporterlöse nicht ausgleichen können, sei die Zentralbank gezwungen, ungedecktes Geld zu drucken, was die Inflation weiter anheize. Die Zeitung Donya-e Eqtesad verweist auf Feldstudien, wonach eine vierköpfige Familie Ende Chordad ohne Berücksichtigung von Lebensmittelgutscheinen bereits 77 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aufwenden musste.
Die Regierung in Teheran versucht gegenzusteuern, steht jedoch vor Finanzierungsengpässen. Präsident Massud Peseschkian und Wirtschaftsminister Ali Madanizadeh haben öffentlich zugesagt, die elektronischen Lebensmittelgutscheine (Kala-Berg) zu erhöhen, falls die Preise der im Warenkorb enthaltenen Güter steigen. Die ursprünglich für 72 Millionen Bürger vorgesehene Leistung sollte aus der Freigabe des subventionierten Wechselkurses und einer Erhöhung der Mehrwertsteuer finanziert werden; letztere scheiterte jedoch im Parlament. Madanizadeh setzt nun auf eine Aufhebung der Ölsanktionen, um höhere Einnahmen zu erzielen und blockierte Guthaben freizubekommen. Gleichzeitig wurden zum 6. Tir (27. Juni) die Brotpreise offiziell angehoben, wobei die Behörden eine strikte Durchsetzung der neuen Tarife und verstärkte Kontrollen ankündigten.
Die nächste Wegmarke bilden die in der Schweiz laufenden Waffenstillstandsverhandlungen. Von ihrem Ausgang hängt ab, ob Teheran wieder ungehinderten Zugang zu den internationalen Ölmärkten erhält und damit die fiskalischen Voraussetzungen für eine Stabilisierung der Versorgungslage schaffen kann. Ohne eine Lockerung der Sanktionen und eine nachhaltige Finanzierung der Hilfsprogramme droht der Inflationsdruck auf die privaten Haushalte weiter zuzunehmen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
2 Mediengruppen · 2 Sprachen
Die Punkt-zu-Punkt-Lebensmittelinflation im Iran ist auf 135% gestiegen und hat die Gesamtinflation auf 88,6% getrieben. Trotz Wahlversprechen steigen die Preise weiter und treffen die ländlichen Gebiete besonders hart.
Die iranische Statistikbehörde meldet eine jährliche Inflation von 62% und eine Punkt-zu-Punkt-Inflation von 88,6%. Die Regierung erhöht die elektronischen Lebensmittelgutscheine für untere Einkommensschichten und passt offiziell die Brotpreise an, um die Lage zu kontrollieren.
Erweitere deinen Horizont
USA bombardieren Iran nach Drohnenangriff auf Frachter – Waffenruhe in der Krise
7 Sprachen · 33 Quellen
Aus TechnologyElektrifizierte Offensive in Schwellenmärkten: Vorverkäufe und Plattformstrategien
3 Sprachen · 5 Quellen
Aus Science & HealthCholera-Ausbruch in der Zentralafrikanischen Republik: 197 Fälle, 24 Tote
4 Sprachen · 7 Quellen