
Argentiniens WM-Auftakt: Messi und die Last des Titelverteidigers gegen Algerien
Am Dienstagabend beginnt für Argentinien die Mission Titelverteidigung mit einem Duell gegen Algerien in Kansas City – ein Spiel, das für Lionel Messi historische Dimensionen annimmt.
Mit dem Duell zwischen Argentinien und Algerien eröffnet der amtierende Weltmeister am Dienstagabend (Ortszeit 21:00 Uhr, 22:00 Uhr in Buenos Aires) im Arrowhead Stadium von Kansas City seine Kampagne bei der WM 2026. Es ist das erste Pflichtspiel beider Nationen gegeneinander bei einer Weltmeisterschaft und zugleich der Auftakt der Gruppe J, die Österreich und Jordanien komplettieren. Im Mittelpunkt steht Lionel Messi, der mit 39 Jahren seine sechste WM bestreitet und zugleich sein 200. Länderspiel absolviert – eine Marke, die seine Ausnahmestellung im globalen Fußball unterstreicht. Geleitet wird die Partie vom polnischen Schiedsrichter Szymon Marciniak, der bereits das Finale von Katar 2022 pfiff und damit eine personelle Brücke zum argentinischen Triumph vor dreieinhalb Jahren schlägt.
Aus südamerikanischer Perspektive lastet auf der Albiceleste ein doppelter Druck: Zum einen will sie die historische Hypothek der Titelverteidiger ablegen, die bei den vergangenen beiden WM-Turnieren (1982 und 1990) jeweils mit Niederlagen starteten. Zum anderen hat Argentinien seit 1994 keinen Auftaktsieg mehr mit mehr als einem Tor Differenz errungen – eine Statistik, die in den heimischen Medien breit thematisiert wird. Trainer Lionel Scaloni setzt auf eine Mischung aus erfahrenen Kräften wie Emiliano Martínez, Cristian Romero und Enzo Fernández sowie jungen Talenten wie Valentín Barco und Nico Paz. Die argentinische Presse betont, dass das Team trotz der Favoritenrolle gewarnt ist, erinnert doch die überraschende 1:2-Niederlage gegen Saudi-Arabien zum Auftakt von Katar 2022 an die Unwägbarkeiten eines ersten Gruppenspiels.
Für Algerien, das nach zwölf Jahren Abstinenz wieder auf der WM-Bühne steht, ist die Partie eine Chance, sich gegen einen der Turnierfavoriten zu profilieren. Die von Vladimir Petkovic trainierte Mannschaft setzt auf die Klasse von Riyad Mahrez, der als Führungsfigur und technischer Anker gilt, sowie auf weitere in europäischen Ligen erprobte Akteure wie Ramy Bensebaini und Amine Gouiri. Aus afrikanischer Sicht geht es darum, den dritten Rang im FIFA-Ranking des Kontinents mit einer reifen Leistung zu untermauern und die eigene Geschwindigkeit im Umschaltspiel zur Geltung zu bringen. Beobachter in Nordafrika verweisen auf die solide Vorbereitung mit Testspielsiegen, die das Selbstvertrauen gestärkt haben.
Für das deutschsprachige Publikum ist die Begegnung vor allem als Gradmesser für die globale Kräfteverteilung interessant, auch wenn die Übertragungsrechte hierzulande bei den üblichen FIFA-Partnern liegen. Das Arrowhead Stadium, Heimstätte der Kansas City Chiefs aus der NFL, bietet mit einer Kapazität von über 76.000 Plätzen eine imposante Kulisse, die den wachsenden Stellenwert der USA als WM-Gastgeber unterstreicht. Aus Washingtoner Sicht ist das Spiel zudem ein Testlauf für die Infrastruktur, die in zwei Jahren auch Spiele der K.o.-Runde beherbergen soll.
Der Ausgang dieses Abends wird die Dynamik der Gruppe J maßgeblich prägen. Ein argentinischer Sieg würde den Weg Richtung Achtelfinale ebnen und den Glauben an den ersten erfolgreichen Titelverteidiger seit Brasilien 1962 nähren. Ein algerischer Punktgewinn hingegen würde das Rennen um Platz zwei hinter den Südamerikanern sofort öffnen und Österreich wie Jordanien in Lauerstellung bringen. Unabhängig vom Resultat markiert der Abend für Messi den Beginn eines Abschieds auf Raten von der größten Bühne – und für Argentinien den ersten Schritt auf einem Weg, der im besten Fall in die Geschichtsbücher als erstes südamerikanisches Double seit sechs Jahrzehnten führen könnte.
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