
Zwischen Krieg und Fußball: Irans 2:2 gegen Neuseeland elektrisiert die Gruppe G
Vor politisch aufgeladener Kulisse in Los Angeles erkämpft sich der Iran zweimal einen Rückstand und wahrt mit dem Remis seine Chancen – während Neuseeland weiter auf den ersten WM-Sieg wartet.
Mit einem 2:2 gegen Neuseeland hat der Iran am Montagabend (Ortszeit) im SoFi-Stadion von Inglewood nicht nur einen sportlichen Achtungserfolg erzielt, sondern auch ein Zeichen der Beharrlichkeit gesetzt. Die Partie, die den ersten Spieltag der Gruppe G beschloss, fügte sich nahtlos in eine Serie von Unentschieden ein: Bereits zuvor hatten sich Spanien und Kap Verde torlos getrennt, Belgien und Ägypten 1:1 gespielt sowie Saudi-Arabien und Uruguay die Punkte geteilt. Damit stehen alle vier Teams der Gruppe G mit je einem Zähler gleichauf – eine Konstellation, die den weiteren Verlauf zum nervösen Abnutzungskampf machen dürfte.
Dabei war die Begegnung weit mehr als ein gewöhnliches WM-Spiel. Seit dem Ausbruch der militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und Israel gegen den Iran Ende Februar hatte die Teilnahme der iranischen Mannschaft auf Messers Schneide gestanden. Die FIFA lehnte den Antrag Teherans ab, die Gruppenspiele aus den Vereinigten Staaten zu verlegen. Das Team verlegte sein Quartier von Arizona ins mexikanische Tijuana und reiste erst am Vortag jeder Partie ein. Vor dem Stadion protestierten iranischstämmige Amerikaner mit der vorrevolutionären Löwen-und-Sonne-Flagge, während die Mehrheit der 70.108 Zuschauer das „Team Melli“ lautstark unterstützte. Dass weniger als 24 Stunden vor dem Anpfiff ein vorläufiges Friedensabkommen verkündet wurde, verlieh dem Abend eine zusätzliche, fast surreale Note.
Sportlich begann die Partie mit einem Paukenschlag: Elijah Just, Flügelspieler des schottischen Klubs Motherwell, brachte die als Außenseiter gehandelten Neuseeländer bereits in der siebten Minute in Führung. Kapitän Chris Wood hatte den Angriff mit einem präzisen langen Ball eingeleitet. Der Iran, angetrieben von Mehdi Taremi und Saman Ghoddos, antwortete mit zunehmendem Druck und kam durch Ramin Rezaeian zum Ausgleich (33.). Nach der Pause stellte Just mit seinem zweiten Treffer (55.) die Weichen erneut auf Sieg für die „All Whites“, die bei ihrer erst dritten WM-Teilnahme weiter dem ersten Erfolg hinterherlaufen. Doch Mohammad Mohebbi köpfte eine Flanke Rezaeians in der 64. Minute zum 2:2-Endstand ein – ein Tor, das die iranische Bank und die Ränge in Ekstase versetzte.
Aus asiatischer Perspektive verlängerte der Iran damit eine beachtliche Serie: Kein Vertreter des Kontinents hat bei diesem Turnier bislang verloren. Für Neuseeland, das in der FIFA-Weltrangliste am unteren Ende des Teilnehmerfeldes rangiert, bleibt der historische Makel bestehen, seit 1982 auf einen Sieg zu warten. Die beiden Tore von Just sind gleichwohl ein Meilenstein – nie zuvor hatte ein neuseeländischer Spieler in einem WM-Spiel doppelt getroffen.
Der Ausblick auf die kommenden Aufgaben verspricht Hochspannung. Der Iran trifft am kommenden Sonntag erneut in Inglewood auf Belgien, das sich gegen Ägypten schwergetan hatte und nun unter Zugzwang steht. Neuseeland reist derweil nach Vancouver, um gegen die Pharaonen zu bestehen. Die politische Großwetterlage wird die iranische Delegation weiter begleiten; die logistischen Belastungen durch das Pendeln zwischen Mexiko und den USA bleiben ein Unsicherheitsfaktor. Doch der Abend von Los Angeles hat gezeigt, dass diese Mannschaft über genügend Widerstandskraft verfügt, um auch unter widrigsten Umständen zu bestehen – und dass der Fußball selbst in Zeiten tiefster Verwerfungen seine verbindende Kraft entfalten kann.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Iran und Neuseeland trennten sich in ihrem WM-Auftaktspiel 2:2. Elijah Just traf doppelt für Neuseeland, Ramin Rezaeian und Mohammad Mohebi glichen für Iran aus. Alle vier Teams der Gruppe G haben nun je einen Punkt.
Nach monatelanger Ungewissheit über die Teilnahme Irans aufgrund des Krieges betrat die Mannschaft schließlich das Spielfeld und spielte 2:2 gegen Neuseeland. Die Partie verlief trotz vereinzelter Proteste friedlich, und die Spieler betonten, sie seien hier, um Fußball zu spielen und die Menschen zu vereinen.
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