
Menschenketten gegen die Abhängigkeit: Von Drogen, Medikamenten und der Suche nach eigener Stärke
Von bangladeschischen Protesten gegen Drogen bis zu ghanaischen Warnungen vor Medikamentenimporten: Weltweit suchen Gemeinschaften nach Wegen aus lähmenden Abhängigkeiten.
Am späten Nachmittag des 26. Juni standen sie vor dem Presseclub in Kurigram, eine Kette aus Händen und Pappschildern. „Macht Bewusstsein zur Waffe“, rief Safi Khan, der Präsident des Presseclubs, in die feuchte Hitze. Es war der Internationale Tag gegen Drogenmissbrauch, und die Menschenkette, organisiert vom Prothom Alo Trust, war eine von vielen in Bangladesch an diesem Tag. In Bagerhat sprach man von der „Zerstörung von Leben und Familien“, in Faridpur davon, dass sich am Drogenhandel nichts ändere, egal welche Regierung an der Macht sei. In Comilla schließlich, wo wenige Tage zuvor ein Sechstklässler bei einem drogenbezogenen Bandenkonflikt erschossen worden war, forderte eine Rednerin: „Der Staat muss den Krieg gegen die Drogen erklären.“
Während in Bangladesch die Rufe nach staatlichem Durchgreifen lauter wurden, legte in Ghana eine Studie der Universität von Professional Studies, Accra, in Zusammenarbeit mit der Narcotics Control Commission das Ausmaß der Substanznutzung unter Jugendlichen offen. Im Munizip La Nkwantanang-Madina, einem Vorort von Accra, gaben 45,1 Prozent der 1.039 Befragten zwischen 15 und 35 Jahren an, schon einmal Substanzen zu nicht-medizinischen Zwecken konsumiert zu haben. In Madina selbst, dem Brennpunkt, lag die Lebenszeitprävalenz bei 73,5 Prozent. Alkohol, Cannabis, Tramadol und codeinhaltige Mischungen – die Liste war lang, und die Studie empfahl gezielte Interventionen statt flächendeckender Programme. Dass 94,9 Prozent der Befragten schon von den Gefahren gehört hatten, hinderte die wenigsten am Konsum.
Die Abhängigkeit von importierten Medikamenten, warnte zeitgleich die Pharmaceutical Society of Ghana bei einer Veranstaltung im Manhyia-Palast in Kumasi, sei zu einer Frage der nationalen Sicherheit geworden. Derzeit produziere Ghana nur 30 Prozent seines Arzneimittelbedarfs selbst; 70 Prozent würden importiert. „Wenn wir uns weiter auf globale Lieferketten verlassen, gefährden wir unsere nationale Sicherheit“, sagte Präsident Paul Owusu Donkor. Die Gesellschaft forderte Investitionen, um die lokale Produktion auf 70 Prozent zu steigern, und verwies auf die Bedrohung durch antimikrobielle Resistenzen, die durch gefälschte Medikamente aus illegalen Quellen befeuert werde. Wo Apotheker fehlten, füllten Quacksalber die Lücke – mit potenziell tödlichen Folgen.
Diese Suche nach Selbstbestimmung zieht sich durch weitere Sektoren. In Ghana erklärte das Finanzministerium die Christian Health Association of Ghana (CHAG) angesichts sinkender Entwicklungshilfe zu einem unverzichtbaren Partner, um die Gesundheitsversorgung auf dem Land zu sichern. CHAG betreibt 375 Einrichtungen und versorgt jährlich bis zu zehn Millionen Patienten, oft in Gegenden, die der Staat kaum erreicht. Auf einem anderen Kontinent, in Südafrika, wirbt das Unternehmen Qrent für eine Kreislaufwirtschaft in der IT-Branche: wiederaufbereitete Hardware soll nicht nur Elektroschrott reduzieren, sondern auch die Abhängigkeit von teuren Neuanschaffungen und volatilen Lieferketten mindern. Und auf der Intersolar Europe in München präsentierte CHINT Technologien für eine resiliente Stromnetzinfrastruktur, die Europas wachsenden Energiehunger stillen soll, ohne sich in neue Abhängigkeiten zu begeben.
Die Menschenkette in Kurigram löste sich auf, als die Dämmerung hereinbrach. Die Plakate wurden eingerollt, die Rufe verhallten. Doch die Frage, wie Gesellschaften aus der Umklammerung von Drogen, Importen und externen Zwängen finden können, blieb im Raum stehen – so flüchtig und beharrlich wie der Geruch von Staub nach einem kurzen Regen.
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