
NATO-Gipfel in Ankara: Milliardenschwere Rüstungsverträge als Antwort auf Trumps Forderungen
Die europäischen Verbündeten kündigen in der türkischen Hauptstadt Waffengeschäfte im Wert von über 50 Milliarden Dollar an, um den US-Präsidenten von ihrer gestiegenen Verteidigungsbereitschaft zu überzeugen.
Zum Auftakt des NATO-Gipfels in Ankara haben die europäischen Mitgliedstaaten am Dienstag Rüstungsverträge und Investitionszusagen in zweistelliger Milliardenhöhe vorgestellt. Nach Angaben von Generalsekretär Mark Rutte unterzeichnen Unternehmen beiderseits des Atlantiks Kontrakte im Wert von buchstäblich mehreren Milliarden Dollar. Das Gesamtvolumen der Vereinbarungen übersteigt nach Diplomatenangaben 50 Milliarden Dollar. Zu den bekanntgegebenen Projekten zählen der Ersatz der alternden AWACS-Aufklärungsflotte durch das schwedische System GlobalEye, die Erweiterung der multinationalen Tankflugzeugflotte um einen zehnten Airbus A330 MRTT sowie eine auf fünf Jahre angelegte Investition von über 40 Milliarden Dollar in Drohnenabwehrfähigkeiten. Die Niederlande kündigten Partnerschaften mit Belgien zur Luftverteidigung und mit Großbritannien zum Bau von Marineschiffen im Umfang von mehr als drei Milliarden Euro an.
Die Ankündigungen sind aus europäischer Sicht eine direkte Reaktion auf die anhaltende Kritik von US-Präsident Donald Trump. Dieser wirft den Bündnispartnern vor, die Vereinigten Staaten im Krieg gegen Iran nicht ausreichend unterstützt und ihre Verteidigungshaushalte zu lange vernachlässigt zu haben. Trump hatte zuletzt erneut mit einem Austritt aus dem Bündnis oder der Missachtung der Beistandspflicht gedroht. Europäische Regierungsvertreter verweisen hingegen darauf, dass sie ihre Verpflichtungen zur Nutzung von Luftraum und Stützpunkten weitgehend erfüllt hätten, obwohl Washington sie vor Beginn des Iran-Krieges nicht konsultiert habe. Die Militäroperation hatte die europäischen Volkswirtschaften belastet und war auf dem Kontinent unpopulär. Aus Brüsseler und Berliner Sicht sollen die nun präsentierten Zahlen – ein Anstieg der Verteidigungsausgaben der europäischen NATO-Staaten und Kanadas um real 90 Milliarden Dollar auf über 570 Milliarden Dollar im Jahr 2025 – die Ernsthaftigkeit des europäischen Engagements belegen.
Die Zusammenkunft in der türkischen Hauptstadt ist zugleich Schauplatz einer möglichen Neuausrichtung der Beziehungen zwischen Washington und Ankara. Aus dem Umfeld des US-Präsidenten verlautete, Trump sei bereit, der Türkei die Rückkehr in das F-35-Kampfjetprogramm zu gestatten. Israel lehnt einen solchen Schritt ab; Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte, dies würde das Machtgleichgewicht im Nahen Osten gefährden. Die Türkei war 2019 nach dem Erwerb des russischen S-400-Luftabwehrsystems aus dem Programm ausgeschlossen und mit Sanktionen belegt worden. Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der Trump mit militärischen Ehren empfing, dürfte in den bilateralen Gesprächen auf eine Aufhebung der Handelsbeschränkungen drängen.
Der Gipfel findet vor dem Hintergrund einer von Washington angekündigten Überprüfung der Truppenpräsenz in Europa statt. Das Pentagon hat bereits die für NATO-Verteidigungspläne bereitgestellten Kräfte reduziert und eine sechsmonatige Revision eingeleitet. US-Botschafter Matthew Whittaker erklärte, die Vereinigten Staaten würden in Europa „weniger tun“, da die Europäer die konventionelle Verteidigung des Kontinents übernehmen sollten. Analysten in Washington sehen darin eine strategische Neuausrichtung, die Kräfte für den Indopazifik freisetzen soll. Rutte sprach von einer „NATO 3.0“ – einem stärker europäisch geführten Bündnis mit gleichmäßiger verteilten Lasten, aber fester Verankerung der USA. Die europäischen Verbündeten wollen auf dem Gipfel zudem ihre Unterstützung für die Ukraine bekräftigen; ein Hilfspaket von 70 Milliarden Euro für das laufende Jahr steht zur Abstimmung. In der Abschlusserklärung wird erwartet, dass die Alliierten Iran erneut auffordern, auf Nuklearwaffen zu verzichten und die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu gewährleisten.
| Subsaharisch-afrikanische Presse | −0.40 | critical |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.10 | neutral |
| Japanisch-koreanische Presse | −0.50 | critical |
| Indische & südasiatische Presse | −0.20 | neutral |
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