
Japan: Reallöhne steigen fünften Monat, Konsumausgaben sinken – Bangladeschs Kaufkraft erodiert
Während Japans inflationsbereinigte Löhne im Mai um 1,4 Prozent zulegten, fielen die Haushaltsausgaben das sechste Mal in Folge; in Bangladesch drückt eine anhaltend hohe Inflation die Reallöhne seit über vier Jahren.
In Japan sind die Reallöhne im Mai den fünften Monat in Folge gestiegen. Wie das Arbeitsministerium in Tokio mitteilte, legten die inflationsbereinigten Bezüge um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu – die längste Serie seit 2021. Die nominalen Bruttolöhne erhöhten sich um 3,2 Prozent auf durchschnittlich 311.165 Yen, die regulären Grundgehälter um 3,0 Prozent. Der für die Realberechnung herangezogene Verbraucherpreisindex ohne kalkulatorische Miete fiel mit plus 1,7 Prozent moderat aus, auch weil die befristete Benzinsteuer abgeschafft wurde und die Preise für Reisprodukte sanken. Allerdings schwächte sich das Reallohnplus gegenüber dem revidierten April-Wert von 2,0 Prozent ab, was das Ministerium mit weniger Arbeitstagen während der Golden Week erklärte.
Dennoch bleibt der private Konsum das Sorgenkind der japanischen Konjunktur. Die Ausgaben der Haushalte mit zwei oder mehr Personen sanken im Mai real um 0,4 Prozent – bereits der sechste Rückgang in Folge. Vor allem die Ausgaben für Strom und Gas gaben wegen milderer Temperaturen nach, und die Automobilkäufe brachen um 21,6 Prozent ein, nachdem sie im Vormonat aufgrund des Auslaufens einer Umweltsteuer stark gestiegen waren. Die Nahrungsmittelausgaben legten zwar um 2,4 Prozent zu, doch Reisen und Fahrzeuganschaffungen wurden zurückgefahren. Aus Tokioter Sicht dämpft diese Zurückhaltung die Hoffnung, dass die Lohnerhöhungen rasch in eine breitere Konsumbelebung münden. Für die Bank of Japan, die ihre Geldpolitik normalisieren will, sind sowohl robuste Lohnzuwächse als auch eine anziehende Binnennachfrage Voraussetzungen für weitere Zinsschritte. Notenbankgouverneur Kazuo Ueda bekräftigte im Juni, man werde die Leitzinsen weiter anheben, falls sich Konjunktur und Inflation im Einklang mit den Projektionen entwickelten.
Ein gänzlich anderes Bild bietet Bangladesch. Dort hinken die Lohnzuwächse seit Januar 2022 durchgehend der Inflation hinterher – seit 53 Monaten sinken die Reallöhne. Im Juni lag die Inflationsrate bei 9,16 Prozent, die nationale Lohnrate hingegen nur bei 8,18 Prozent. Da rund 86 Prozent der Wirtschaftsaktivität im informellen Sektor stattfinden, trifft die Kaufkrafterosion Millionen von Arbeitern und Angestellten besonders hart. Ein Forscher des Centre for Policy Dialogue (CPD) in Dhaka warnte, dass die hohe Inflation kurzfristig kaum nachlassen werde und die realen Einkommen weiter schrumpften; die Menschen schränkten Ausgaben für Unterhaltung und Tourismus ein, was wiederum Handel und Gewerbe belaste.
Zusätzliche Brisanz erhält die Lage durch die anstehende Einführung einer neuen Besoldungsstruktur für die rund 1,4 Millionen Staatsbediensteten. Die neunte Lohnkommission hatte eine Anhebung der Grundgehälter um 100 bis 140 Prozent empfohlen; der Mindestgrundlohn soll von 8.250 auf 20.000 Taka steigen. Das Kabinett wird voraussichtlich binnen zwei Wochen über den Vorschlag entscheiden. Bereits ab dem 1. Juli soll das erhöhte Grundgehalt ausgezahlt werden, die Zulagen folgen im kommenden Fiskaljahr. Aus Dhakaer Perspektive birgt dieser Schritt die Gefahr, über zusätzliche Nachfrage die Inflation weiter anzuheizen und damit die Kaufkraft jener zu schmälern, die nicht vom Staatsdienst profitieren. Die geldpolitischen Weichenstellungen in Tokio und die fiskalische Entscheidung in Dhaka markieren die nächsten Wegmarken: In Japan richtet sich der Blick auf die kommende Sitzung der Bank of Japan, in Bangladesch auf die Kabinettsbefassung über die Gehaltsreform.
| Japanisch-koreanische Presse | +0.60 | aligned |
|---|---|---|
| Indische & südasiatische Presse | −0.70 | critical |
| Südostasiatische Presse | 0.00 | neutral |
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