
Kanada und Saudi-Arabien besiegeln neue Wirtschaftspartnerschaft nach jahrelanger Eiszeit
Premierminister Carney vereinbart bei erstem Besuch seit 26 Jahren einen Koordinierungsrat und Abkommen in Rohstoffen, Energie und KI – ohne öffentliche Menschenrechtskritik.
Der kanadische Premierminister Mark Carney hat am Donnerstag in Dschidda mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman die Gründung eines gemeinsamen Koordinierungsrats beschlossen und eine Reihe von Handels- und Investitionsabkommen unterzeichnet. Laut einem gemeinsamen Kommuniqué soll das Gremium unter dem Vorsitz der Außenminister die Zusammenarbeit in Politik, Verteidigung, Wirtschaft und Kultur vertiefen. Begleitet wurde der Besuch von einem Investitionsforum, auf dem 13 kommerzielle Vereinbarungen zwischen Unternehmen beider Länder bekanntgegeben wurden – darunter in den Bereichen Bergbau, Ingenieurwesen, künstliche Intelligenz und Bildung. Der saudische Staatsfonds sagte zudem seine Teilnahme am Canada Investment Summit im September in Toronto zu, während Ottawa die Beteiligung an der Weltausstellung 2030 in Riad zusicherte.
Aus Sicht Ottawas steht die Reise im Zeichen einer handelspolitischen Diversifizierung, die angesichts der US-Zölle auf kanadische Exporte an Dringlichkeit gewonnen hat. Carney erklärte vor Journalisten, man habe das Potenzial der Beziehungen „kaum angekratzt“ und betonte, dass „Engagement keine Billigung“ bedeute. Er grenzte sich von der Praxis seiner Vorgängerregierung ab, Menschenrechtsverstöße öffentlich anzuprangern: „Aus der Ferne zu belehren ist befriedigend, aber wirkungslos.“ Außenministerin Anita Anand verwies zudem auf die Solidarität mit den Golfstaaten angesichts „ungerechtfertigter Angriffe des Iran“, nachdem in derselben Woche ein saudischer Rohöltanker in der Straße von Hormus attackiert worden war.
In Riad wird der Besuch als Eintritt in eine neue Phase der Wirtschaftspartnerschaft gewertet. Investitionsminister Fahad Al-Saif sprach von einer gemeinsamen Vision für Wachstum und Innovation und verwies auf die mehr als 600 kanadischen Unternehmen, die bereits im Königreich tätig sind. Das saudische Bruttoinlandsprodukt habe sich seit 2017 auf über 1,3 Billionen Dollar mehr als verdoppelt, wobei nicht-ölbasierte Aktivitäten inzwischen mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung ausmachten. Die kanadische Expertise in den Bereichen Bergbau, kritische Mineralien und Infrastruktur ergänze die saudischen Investitionsmöglichkeiten, insbesondere im Rahmen der „Vision 2030“ und der Vorbereitung auf Großereignisse wie die Expo 2030 und die Fußball-Weltmeisterschaft 2034.
Die Annäherung folgt auf eine schwere diplomatische Krise. 2018 hatte Ottawa die Freilassung inhaftierter Aktivisten gefordert, woraufhin Riad den Botschafter auswies und sämtliche Handels- und Investitionsbeziehungen einfror. Erst 2023 wurden die vollen diplomatischen Beziehungen wiederhergestellt. Das jetzt vereinbarte Verhandlungsmandat für ein Doppelbesteuerungsabkommen und ein Investitionsschutzabkommen – letzteres soll bis Anfang 2027 abgeschlossen werden – soll jene Rechtssicherheit schaffen, die in der Wirtschaft beider Länder als Voraussetzung für ein dauerhaftes Engagement gilt. Zudem wurde eine Ausweitung des Luftverkehrsabkommens auf 14 wöchentliche Passagierflüge je Seite sowie unbegrenzte Frachtdienste vereinbart.
Die nächsten Schritte sind institutionell bereits angelegt. Der saudisch-kanadische Koordinierungsrat wird die Umsetzung der gemeinsamen Arbeitsdokumente überwachen, die als Fahrplan für die strategische Kooperation dienen. Parallel dazu sollen die Verhandlungen über die steuer- und investitionsrechtlichen Abkommen aufgenommen werden. Für September ist der Auftritt des saudischen Staatsfonds in Toronto vorgesehen, während kanadische Unternehmen ihre Präsenz auf dem saudischen Markt ausbauen wollen. Beobachter in der Golfregion werten die Abkommen als Teil einer breiteren Neuausrichtung mittelgroßer Mächte, die ihre Handelsabhängigkeit von den Vereinigten Staaten verringern und zugleich sicherheitspolitische Kooperation im Nahen Osten vertiefen wollen.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.60 | aligned |
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| Arabische Levante-Maghreb-Presse | +0.20 | neutral |
| Arabische Golfpresse | +0.70 | aligned |
Kanada feiert durch seinen Premierminister das Ende des Frostes und startet die Partnerschaft neu, wobei es vergangene Kritik beiseite legt, um sich auf wirtschaftliche Interessen zu konzentrieren.
Durch die Nutzung der Symbolik der Nationalhymne und Carneys Aussagen über eine 'neue Phase' wird eine Erzählung der Versöhnung geschaffen, die vergangene Kontroversen minimiert.
Details der gemeinsamen saudisch-kanadischen Erklärung und die Äußerungen des saudischen Investitionsministers werden ausgelassen, die die kanadische Perspektive hätten ausgleichen können.
Saudi-Arabien und Kanada formalisieren eine strategische Partnerschaft durch eine gemeinsame Erklärung und einen neuen Koordinierungsrat, wobei die Kontinuität der Beziehungen betont wird.
Durch die Verwendung der formalen Sprache offizieller Kommuniqués und die Betonung historischer Beziehungen wird der Besuch normalisiert und der vorherige diplomatische Frost heruntergespielt.
Carneys persönliche Bemerkungen über 'böses Blut' und seine Absicht, keine Menschenrechtsvorträge zu halten, werden ausgelassen, was Kanadas Positionswechsel hätte hervorheben können.
Saudi-Arabien behauptet sich als expandierendes Wirtschaftszentrum und bietet Kanada einen Weg zur Handelsdiversifizierung durch Investitionen in Mineralien und Energie.
Durch das Zitieren saudischer makroökonomischer Daten (BIP-Wachstum) und der Aussagen des Investitionsministers wird eine Erzählung von Chancen und Wachstum aufgebaut, die die Vergangenheit zu einem überholten Detail macht.
Die Erzählung des diplomatischen Frostes und Carneys Bemerkungen über das Ende des 'bösen Blutes' werden ausgelassen, wobei der Fokus ausschließlich auf wirtschaftlichen Chancen liegt.
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