
Kanada debattiert Ausweitung der Sterbehilfe – Florida forciert Hinrichtungen
Während ein Parlamentsausschuss in Ottawa die Legalisierung der Suizidhilfe bei psychischen Leiden stoppen will, treibt Florida die Vollstreckung der Todesstrafe auf Rekordniveau – und in Kanada wächst die Zustimmung zur Kapitalstrafe.
Einem Bericht von Amnesty International zufolge wurden im Jahr 2025 weltweit 2.707 Menschen hingerichtet, ein Anstieg um 78 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit 1981. Parallel dazu jährt sich in Kanada die Freigabe der Sterbehilfe zum zehnten Mal, und die Debatte über ihre Grenzen hat neue Dringlichkeit erhalten. In Ottawa empfahl ein parlamentarischer Ausschuss im Juni, die für März 2027 geplante Ausweitung auf psychisch Kranke zu stoppen. Auslöser waren unter anderem Fälle wie jener der depressiven Kathrin Mentler, der in einer Klinik in Vancouver nahegelegt worden war, Suizidhilfe sei „komfortabler“ als eine Überdosis – ein Vorgang, den die Betroffene gegenüber der National Post als Versuch schilderte, dem Tod zu entgehen und stattdessen mit dem Tod konfrontiert zu werden.
Aus Sicht der kanadischen Bischofskonferenz und von Behindertenverbänden offenbart die Entwicklung eine schleichende Entwertung des Lebens. Sie verweisen darauf, dass nahezu die Hälfte der Antragsteller sich als Last für Angehörige empfinde und dass das Angebot der Sterbehilfe an Menschen mit Behinderungen diskriminierend wirke. Demgegenüber zeigt eine Erhebung des Instituts Research Co. vom Juni 2026, dass 60 Prozent der Kanadier die Wiedereinführung der Todesstrafe für Mord befürworten – sechs Punkte mehr als 2025. In den Vereinigten Staaten setzt derweil Florida unter Gouverneur Ron DeSantis einen gegenläufigen Akzent: Mit 19 Hinrichtungen im Jahr 2025 steuert der Bundesstaat auf einen historischen Rekord zu. Aus dem Büro des Gouverneurs heißt es, man wolle den Angehörigen der Opfer nach jahrzehntelangen Verfahren Gerechtigkeit verschaffen; DeSantis selbst erklärte, er sei bei jeder Unterzeichnung eines Todesurteils von dessen Richtigkeit überzeugt.
Die beschleunigte Vollstreckung trifft auf eine überalterte Todestraktpopulation. Nach Angaben des Death Penalty Information Center ist das Durchschnittsalter der Hingerichteten in den USA von 30 auf über 50 Jahre gestiegen. In Florida wurden kürzlich drei Häftlinge im Alter von 74 und 80 Jahren zur Exekution angesetzt; der 80-jährige Dominick Occhicone wäre der zweitälteste jemals in den USA hingerichtete Gefangene. Die katholischen Bischöfe Floridas riefen DeSantis vergeblich zur Besinnung auf, und der Gefängnisseelsorger Dustin Feddon bezeichnete die Hinrichtung gebrechlicher Häftlinge als „besonders grausam“. Zugleich ordnete Präsident Donald Trump per Executive Order an, die Bundesjustiz solle die Todesstrafe wieder häufiger beantragen und die Rechtsmittel der Verurteilten beschneiden. Das US-Justizministerium setzt diese Weisung derzeit um.
Die Gleichzeitigkeit der Debatten verweist auf grundlegende Verschiebungen im Verhältnis des Staates zum Lebensende. Während in Paris kürzlich der 9. Weltkongress gegen die Todesstrafe tagte und die Zahl abolitionistischer Staaten so hoch ist wie nie, verzeichnen Länder wie China, Iran, Saudi-Arabien und die USA steigende Exekutionszahlen. In Kanada, das die Todesstrafe 1976 mit knapper Mehrheit abschaffte, bleibt die Regierung eine Antwort auf die Empfehlung des Ausschusses schuldig; die Legalisierung der Sterbehilfe bei psychischer Erkrankung ist weiterhin für März 2027 vorgesehen. In Florida stehen noch im Juli zwei weitere Hinrichtungen an, während DeSantis’ Amtszeit sich dem Ende zuneigt und er eine erneute Präsidentschaftskandidatur nicht ausgeschlossen hat.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.70 | critical |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.80 | critical |
Wir verurteilen sowohl die Hinrichtung älterer Menschen in Florida als auch die Förderung der Sterbehilfe in Kanada als Versagen von Mitgefühl und Gerechtigkeit.
Indem der Block zwei scheinbar unterschiedliche Themen unter einen gemeinsamen moralischen Rahmen stellt, erzeugt er ein Gefühl universeller ethischer Krise, das eine Rückkehr zu grundlegenden menschlichen Werten fordert.
Floridas Eile, unter DeSantis mehr Gefangene hinzurichten, ist eine gefährliche Eskalation, die gestoppt werden muss.
Indem der Block sich auf Rekordzahlen bei Hinrichtungen und den politischen Druck Trumps konzentriert, stellt er Floridas Handeln als alarmierenden Ausreißer in der westlichen Welt dar, was auf einen Verlust moralischer Statur hindeutet.
Der Block lässt die kanadische Debatte über Sterbehilfe aus, konzentriert sich nur auf Floridas Todesstrafe und ignoriert damit die vergleichende Dimension der Schlagzeile.
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