
Britische Regierung verstaatlicht British Steel – Sicherung strategischer Stahlkapazitäten
Nach dem Scheitern einer Einigung mit dem chinesischen Eigentümer Jingye übernimmt der britische Staat die Kontrolle über den Stahlhersteller, um 2.700 Arbeitsplätze und die letzte inländische Primärstahlproduktion zu sichern.
Die britische Regierung hat den Stahlkonzern British Steel mit sofortiger Wirkung in öffentliches Eigentum überführt. Grundlage ist der Steel Industry (Nationalisation) Act 2026, der am Mittwoch die königliche Zustimmung erhielt. Das Gesetz erlaubt die Übertragung von Anteilen oder Vermögenswerten von Stahlunternehmen auf den Staat. Die Verstaatlichung betrifft das Werk in Scunthorpe, North Lincolnshire, das als letztes im Vereinigten Königreich Primärstahl aus Rohstoffen produziert. Die Anlage beschäftigt rund 2.700 Menschen und sichert nach Regierungsangaben tausende weitere Arbeitsplätze in Zulieferketten sowie die Versorgung der Verteidigungs- und Bauindustrie mit heimischem Stahl.
Der Schritt folgt auf monatelange Verhandlungen mit dem bisherigen chinesischen Eigentümer Jingye, die keine für den Steuerzahler tragbare Einigung erbrachten. Jingye hatte das Unternehmen 2020 erworben und nach eigenen Angaben 1,2 Milliarden Pfund investiert, sah sich jedoch mit anhaltender Produktionsinstabilität konfrontiert. Bereits im April 2025 war das Parlament zu einer Sondersitzung einberufen worden, um per Notgesetz die Stilllegung der Hochöfen zu verhindern. Ein unabhängiger Gutachter soll nun feststellen, ob und in welcher Höhe eine Entschädigung an Jingye zu zahlen ist. Aus Kreisen des chinesischen Unternehmens wird ein Anspruch von bis zu einer Milliarde Pfund kolportiert. Die Regierung hat ein neues Führungsteam eingesetzt, das den Betrieb stabilisieren und in ein kommerziell tragfähiges, kohlenstoffarmes Unternehmen überführen soll.
Die Verstaatlichung ist Teil einer breiter angelegten Industriestrategie. Im März legte London das Ziel fest, künftig bis zu 50 Prozent des im Land verwendeten Stahls selbst zu produzieren. Zudem wurden die zollfreien Einfuhrkontingente für Stahl um 51 Prozent gekürzt und dem indischen Tata-Konzern 500 Millionen Pfund für die ökologische Transformation des Werks in Port Talbot bewilligt. Britische Gewerkschaften begrüßten die Entscheidung als Beitrag zur Stabilisierung einer Branche, die unter globalen Überkapazitäten, unfairem Wettbewerb und hohen Energiekosten leidet. Die Opposition kritisierte die Verstaatlichung dagegen als „Blankoscheck“, der die strukturellen Kostenprobleme nicht löse.
Die wirtschaftlichen Rahmendaten unterstreichen den Handlungsdruck. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im Mai lediglich um 0,1 Prozent, getrieben vom Dienstleistungssektor, nach einem Rückgang im April infolge inflationsbedingter Belastungen durch den US-iranischen Krieg. Die OECD prognostiziert für das laufende Jahr ein Wachstum von 0,9 Prozent. Die Verstaatlichung fällt zudem in eine politische Übergangsphase: Premierminister Keir Starmer war im vergangenen Monat nach parteiinternem Druck zurückgetreten; sein Nachfolger Andy Burnham wird am Montag das Amt antreten. Die nächste konkrete Etappe ist die Bestellung des unabhängigen Bewerters und die Vorlage eines Restrukturierungsplans durch die neue Unternehmensführung.
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Die britische Regierung verstaatlicht British Steel, um die nationale Sicherheit und wirtschaftliche Souveränität zu schützen, Arbeitsplätze zu retten und eine lebenswichtige inländische Lieferkette gegen ausländische Bedrohungen zu sichern.
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