
Israels Regierung erkennt Völkermord an den Armeniern an – weiterer Schritt im Zerwürfnis mit Ankara
Das israelische Kabinett stimmte einstimmig für die Anerkennung der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord; die Entscheidung muss noch vom Parlament bestätigt werden und verschärft die Spannungen mit der Türkei.
Die israelische Regierung hat am Sonntag einstimmig eine Resolution verabschiedet, mit der die Massaker an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs im Osmanischen Reich offiziell als Völkermord anerkannt werden. Außenminister Gideon Saar, der die Initiative eingebracht hatte, sprach von einer „historischen Entscheidung“ und einer „moralischen und geschichtlichen Pflicht“ des jüdischen Staates. Er betonte, der Schritt sei keine Vergeltung für die offene Feindseligkeit der Türkei, sondern ein Akt der historischen Wahrhaftigkeit. Israel reiht sich damit in eine Gruppe von 32 Staaten ein, zu denen neben den USA und Russland auch Deutschland, Österreich und die Schweiz zählen.
Die Reaktion aus Ankara steht noch aus, doch Beobachter erwarten eine scharfe Verurteilung. Die Türkei bestreitet den Völkermord kategorisch und verweist auf eine geringere Opferzahl sowie auf Bürgerkriegswirren. Die bilateralen Beziehungen zwischen Israel und der Türkei haben sich seit dem Amtsantritt von Präsident Recep Tayyip Erdoğan stetig verschlechtert und mit dem Gaza-Krieg einen Tiefpunkt erreicht. Ankara wirft Israel vor, in Gaza einen Völkermord an den Palästinensern zu verüben – ein Vorwurf, den Israel als „antisemitische Lüge“ zurückweist. Saar erklärte in der Kabinettssitzung, die Verbreitung falscher Narrative durch die Türkei gewähre dieser keine Immunität vor der historischen Wahrheit.
Historiker schätzen, dass zwischen 1915 und 1916 rund 1,5 Millionen Armenier durch systematische Tötungen und Todesmärsche ums Leben kamen. Zahlreiche Staaten und das Europäische Parlament haben diese Ereignisse als Völkermord eingestuft. Israel hatte eine offizielle Anerkennung jahrzehntelang vermieden, um die strategischen Beziehungen zur Türkei und zu Aserbaidschan nicht zu gefährden. Der Bruch mit Ankara – verstärkt durch Erdoğans scharfe Rhetorik und die israelische Militäroffensive in Gaza – hat diese Zurückhaltung aufgehoben. Bereits im August 2025 hatte Premierminister Benjamin Netanjahu persönlich den Völkermord an Armeniern, Assyrern und Griechen anerkannt; der jetzige Kabinettsbeschluss verleiht dieser Position erstmals formellen Regierungscharakter.
Der Beschluss muss noch vom israelischen Parlament, der Knesset, ratifiziert werden. Ein konkreter Termin für die Abstimmung steht noch nicht fest, doch die einstimmige Annahme im Kabinett deutet auf eine breite politische Unterstützung hin. Mit einer endgültigen Anerkennung würde Israel einen weiteren Keil in die ohnehin zerrütteten Beziehungen zu Ankara treiben und zugleich die isolationistische Haltung der Türkei in dieser Frage international weiter verringern. Die armenische Führung in Eriwan hat sich zunächst nicht offiziell zu dem Schritt geäußert; in der Vergangenheit hatte sie jedoch davor gewarnt, die Anerkennung als geopolitisches Manöver zu instrumentalisieren.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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European continental press frames the Israeli decision as a historic moral act, emphasizing the country's long-awaited recognition of the Armenian genocide. They highlight the unanimous cabinet vote and the foreign minister's statement that it is never too late to do the right thing, while also noting the diplomatic fallout with Turkey and the need for a Knesset vote. The narrative balances moral imperative with geopolitical consequences.
Die israelische Presse berichtet über den Kabinettsbeschluss als einen klaren Verfahrensschritt und hebt die einstimmige Zustimmung und die bevorstehende Knesset-Abstimmung hervor. Sie betont, dass die Anerkennung kein Vergeltungsakt gegen die Türkei sei, sondern die Erfüllung einer moralischen Pflicht als jüdischer Staat. Der Ton ist sachlich, die Entscheidung wird als längst überfällig und im Einklang mit den israelischen Werten dargestellt.
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