
Irans Wachstum nahe Null, Saudi-Arabien unter Kriegsdruck – divergierende Krisenbilder
Während Teheran für das laufende Jahr ein ölgestütztes Mini-Wachstum von 0,2 Prozent meldet, zeigen saudische Geschäftsdaten für April 2026 die Kosten der Hormuz-Blockade.
Das iranische Statistikzentrum hat in seiner jüngsten Vierteljahresrechnung eine vorläufige Wachstumsrate für das gesamte Jahr 1404 (2025/2026) von 0,2 Prozent mit Öl und minus 0,3 Prozent ohne Öl ausgewiesen. Die Landwirtschaft schrumpfte um 2,9 Prozent, die Industrie um 1,5 Prozent, die Energie- und Wasserversorgung sogar um 6,5 Prozent. Dass die Gesamtzahl positiv bleibt, verdankt sich allein dem Öl- und Gassektor, der um 1,8 Prozent zulegte, sowie einem buchhalterischen Effekt: Die Importe brachen um 20 Prozent ein, was in der Verwendungsrechnung den statistischen Wachstumsbeitrag stützt, tatsächlich aber Devisenmangel und schrumpfende Binnennachfrage anzeigt. Der private Konsum sank um 1,4 Prozent, die Bruttoanlageinvestitionen um 2,8 Prozent, die Maschineninvestitionen um 5,8 Prozent. Aus Teheraner Sicht beschreibt das Zahlenwerk eine Wirtschaft, deren nicht-öliger Kern kontrahiert, während die Abhängigkeit vom Rohstoffexport die Oberfläche notdürftig glättet.
In Riad zeichnen die April-Daten der Generalbehörde für Statistik ein anderes, aber ebenfalls kriegsgeprägtes Bild. Die betrieblichen Erlöse stiegen im Vorjahresvergleich um 10,6 Prozent, getrieben vom Bergbau (plus 22,5 Prozent, preisbedingt) und dem Finanzsektor. Gegenüber März fiel der Index jedoch um 3,8 Prozent, und der Bergbau brach im Monatsvergleich um 19,1 Prozent ein. Hintergrund sind die amerikanisch-israelischen Militäroperationen gegen Iran ab Ende Februar 2026 und die iranische Antwort, die die Passage durch die Straße von Hormus zeitweise lähmte. Die saudische Rohölproduktion fiel von 10,9 Millionen Barrel pro Tag im Februar auf 6,3 Millionen im April, die Exporte wurden über die Ost-West-Pipeline ans Rote Meer umgeleitet. Der Einkaufsmanagerindex war im März erstmals seit August 2020 unter die Expansionsschwelle gerutscht, erholte sich im April aber wieder. Die Arbeitsmarktentlohnung stieg im Jahresvergleich um 10,1 Prozent und blieb zum Vormonat stabil – ein Zeichen, dass trotz der Störung keine Massenentlassungen stattfanden. Gleichzeitig schnellten die Insolvenzanmeldungen auf 31 Fälle hoch, ein Plus von 210 Prozent zum Vorjahr, vor allem im Bau und Handel.
In Buenos Aires meldete das Statistikamt für April 2026 einen Rückgang der Industrieproduktion um 2,8 Prozent und der Bauaktivität um ebenfalls 2,8 Prozent im Vorjahresvergleich. Nur vier von sechzehn Industriezweigen lagen über dem Vorjahresniveau. Die Bauumfragen zeigen für die kommenden Monate überwiegend pessimistische Erwartungen: 75 Prozent der privaten Baufirmen rechnen mit unveränderter, 15 Prozent mit sinkender Aktivität. Die argentinischen Daten fügen sich in ein globales Muster konjunktureller Schwäche ein, das hier nicht unmittelbar mit dem Nahostkonflikt zusammenhängt, aber die Anfälligkeit rohstoffverarbeitender Volkswirtschaften unterstreicht.
Der Internationale Währungsfonds konstatierte im Juni 2026, die saudische Wirtschaft habe bemerkenswerte Widerstandskraft gezeigt, das reale BIP könne 2026 aber um rund ein Prozent schrumpfen, bei anhaltender Hormus-Blockade im zweiten Quartal sogar um zehn Prozent im Jahresvergleich. Für Iran warnen Ökonomen, dass bei einem Abgleiten des Wachstums in den Bereich von minus 8,5 bis minus 10 Prozent die Inflation dreistellig werden und 4,5 Millionen Menschen zusätzlich unter die Armutsgrenze fallen könnten. Der nächste greifbare Prüfstein ist die Fortdauer der Schifffahrtsstörung in der Straße von Hormus, von der rund ein Fünftel des globalen Öl- und Flüssiggashandels abhängt, sowie die anstehende Revision der iranischen Jahresrechnung nach Abschluss des laufenden Haushaltsjahres.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die saudische Industrieproduktion wuchs 2025 um 5,1 % und kehrte damit die Rückgänge der beiden Vorjahre um. Bergbau, Öl- und Nichtölaktivitäten legten allesamt zu, angeführt von chemischen Erzeugnissen im verarbeitenden Gewerbe.
Das iranische Statistikzentrum veröffentlichte BIP-Zahlen für das Jahr 1404: Das Gesamt-BIP mit Öl betrug 100.492 Billionen Rial, ohne Öl 75.942 Billionen. Die Landwirtschaft schrumpfte um 2,9 %, das verarbeitende Gewerbe um 1,5 %, während die Öl- und Gasförderung um 1,8 % zulegte.
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