
Iran droht mit Gebühren auf Internetkabel in der Straße von Hormuz
Die iranischen Revolutionsgarden wollen Betreibern von Unterseekabeln Lizenzen aufzwingen. Derweil normalisiert sich der Schiffsverkehr wieder und ein neues Gremium übernimmt die Kontrolle.
Die iranischen Revolutionsgarden haben eine neue Front im geopolitischen Ringen um die Straße von Hormuz eröffnet: Künftig sollen Betreiber von Unterseekabeln, die durch das strategische Nadelöhr verlaufen, Lizenzen beantragen und Gebühren entrichten. Der Militärsprecher Ebrahim Zolfaghari kündigte auf der Plattform X an: „Wir werden Gebühren auf Internetkabel erheben.“ Staatlich gelenkte Medien berichten, dass die Reparatur und Wartung der Kabel auf iranische Firmen beschränkt werden könnten. Betroffen wären Unternehmen wie Google, Microsoft, Meta und Amazon, deren globale Dienste auf ein dichtes Netz von Glasfaserkabeln angewiesen sind. Die Drohung geht über die bisherige Praxis hinaus, die sich primär auf Öltanker konzentrierte, und unterstreicht Teherans Anspruch, die digitale Infrastruktur des Nahen Ostens unter seine Kontrolle zu bringen.
Während die Revolutionsgarden mit neuen Forderungen an die Adresse der Technologiekonzerne vorpreschen, zeigt sich die Lage auf dem Wasser entspannter. Nach einem kriegsbedingten Tiefstand hat der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz wieder zugenommen. Laut Daten des Tracking-Dienstes Kpler passierten in der Woche vom 11. bis 17. Mai insgesamt 55 Handelsschiffe das Gewässer – eine deutliche Erholung gegenüber der Vorwoche, als nur 19 Schiffe gezählt wurden, der niedrigste Wert seit den ersten US-amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran Ende Februar. Die iranische Führung hat die Einrichtung eines neuen Gremiums zur Verwaltung der Meerenge bekannt gegeben, das künftig alle Belange koordinieren soll. Aus Teheraner Sicht ist dies ein Schritt, die Kontrolle über eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt zu institutionalisieren.
Die Ankündigung der Kabelgebühren stößt international auf Ablehnung. Indien zeigte sich „zutiefst besorgt“ und sprach von einer „gefährlichen Eskalation“. In Washington verfolgt man die Entwicklung mit Sorge, denn die Vereinigten Staaten hatten zuvor Signale ausgesandt, bei den Atomverhandlungen Flexibilität zu zeigen. Die Straße von Hormuz ist nicht nur für den Öltransport zentral, sondern auch eine Lebensader des globalen Datenverkehrs. Jede Störung der dort verlaufenden Unterseekabel hätte unmittelbare Auswirkungen auf den Internet- und Finanzdatenverkehr zwischen Europa, Asien und dem Golf. Beobachter fürchten, dass der Iran die Kabel als Druckmittel in laufenden Verhandlungen einsetzen könnte.
Die Drohung der Revolutionsgarden fügt sich ein in ein Muster zunehmender Machtdemonstrationen, die den digitalen Raum als neues Schlachtfeld begreifen. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die stark von reibungslosen Datenverbindungen in den Nahen Osten und nach Asien angewiesen sind, wäre eine Fragmentierung der Kabelinfrastruktur besonders folgenreich. Ob die Ankündigung tatsächlich umgesetzt wird, bleibt abzuwarten – die Revolutionsgarden haben mit ähnlichen Drohungen in der Vergangenheit taktiert. Klar ist jedoch: Die Straße von Hormuz wird zunehmend nicht nur als Öl-, sondern auch als Datenkorridor zum Schauplatz geopolitischer Spannungen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
2 Mediengruppen · 4 Sprachen
The Atlantic press focuses on the recovery of tanker traffic through the Strait of Hormuz after a wartime low, emphasizing economic data and maritime security. The threat to internet cables is barely mentioned, suggesting a traditional focus on oil flows over digital infrastructure.
Indian media highlights Iran's threat to tax internet cables, framing it as a direct attack on consumers' daily digital life, from social media to streaming. The tone is alarmed, warning that global tech giants and their users could be held hostage.
Verwandte Artikel
Algerien dreht Partie gegen Jordanien und wahrt Chance auf das Achtelfinale
7 Sprachen · 36 Quellen
Verteidigung & SicherheitKim Jong Un erklärt Nordkoreas Nuklearstatus für unumkehrbar und greift Japans Militärpolitik an
9 Sprachen · 23 Quellen
Geopolitik & PolitikUN-Kommission: Gezielte Tötung von Kindern in Gaza als Teil eines Völkermords
10 Sprachen · 16 Quellen