
Irakischer Premier Zaidi in Teheran: Gratwanderung zwischen Washington und Iran
Wenige Tage nach seinem Besuch bei US-Präsident Trump erörtert Ali al-Zaidi in der iranischen Hauptstadt Gaslieferungen, Sicherheitsfragen und bilaterale Abkommen.
Der irakische Ministerpräsident Ali al-Zaidi ist am Donnerstag an der Spitze einer hochrangigen Delegation zu einem offiziellen Besuch in Teheran eingetroffen. Die Reise findet nur wenige Tage nach seiner Rückkehr aus Washington statt, wo er mit US-Präsident Donald Trump zusammentraf und 48 Abkommen mit amerikanischen Unternehmen unterzeichnete. Laut irakischen Regierungsangaben stehen bei den Gesprächen mit der iranischen Führung die bilaterale Gaskooperation, regionale Sicherheitsfragen und die Umsetzung bestehender Abkommen im Vordergrund. Die Visite fällt in eine Phase akuter Spannungen: Die USA führen seit elf Tagen Luftangriffe auf Ziele in Iran, und pro-iranische Milizen haben wiederholt Stellungen in der nordirakischen Kurdenregion attackiert.
Aus Teheraner Perspektive betonte Präsident Massud Peseschkian die strategische Partnerschaft beider Nachbarn, die auf tiefen historischen, kulturellen und religiösen Bindungen beruhe. Beide Seiten riefen dazu auf, gemeinsame Kapazitäten in den Bereichen Politik, Handel, Energie und Transit beschleunigt zu aktivieren. Die iranische Führung wertet die Beziehungen zum Irak als Modell regionaler Integration. Demgegenüber erklärte die irakische Regierung, die Frage der Entwaffnung nichtstaatlicher Milizen sei eine rein innere Angelegenheit, die nicht mit ausländischen Hauptstädten erörtert werde. Botschafter in Teheran bezeichneten die Verbindungen als „strategisch, tief verwurzelt und auf gegenseitigem Vertrauen basierend“.
Aus Washingtoner Sicht wird Zaidi als junger, geschäftsfreundlicher Premier gesehen, der den Einfluss der vom Iran gestützten Milizen zurückdrängen und eine neue Ära der irakisch-amerikanischen Beziehungen einleiten könnte. Die US-Regierung hat klargemacht, dass eine engere Partnerschaft die Unterstellung aller bewaffneten Gruppen unter staatliche Kontrolle voraussetzt. Gleichzeitig haben anhaltende Drohnen- und Raketenangriffe auf kurdische Oppositionsgruppen und Energieanlagen im Nordirak internationale Energiefirmen zur Einstellung ihrer Operationen veranlasst. Die irakische Zentralregierung sicherte den Unternehmen Schutz zu, ohne jedoch Luftabwehrsysteme bereitzustellen.
Parallel zu den Gesprächen mit Bagdad intensiviert Teheran seine diplomatischen Bemühungen in andere Richtungen. Präsident Peseschkian empfing die neuen Botschafter Pakistans, Sri Lankas und Deutschlands zu Antrittsbesuchen. Gegenüber Islamabad würdigte er die Vermittlungsbemühungen zur regionalen Stabilisierung und drängte auf eine zügige Umsetzung bilateraler Wirtschaftsprojekte. Im Gespräch mit der deutschen Botschafterin kritisierte er die Schließung des Islamischen Zentrums Hamburg und Sanktionen gegen iranische Banken, bekräftigte jedoch das Interesse an einem vertrauensbildenden Dialog. Gegenüber Colombo verwies er auf die humanitäre Hilfe Sri Lankas nach dem US-Angriff auf ein iranisches Marineschiff als Symbol der Freundschaft. Die nächsten Schritte im irakisch-iranischen Dossier umfassen nach Angaben aus Teheran die beschleunigte Umsetzung der gemeinsamen Wirtschaftskommission sowie weitere Konsultationen auf Ministerebene.
| Iranische & verwandte Presse | +0.90 | aligned |
|---|---|---|
| Israelische Presse | −0.40 | critical |
| Arabische Levante-Maghreb-Presse | 0.00 | neutral |
Der Iran bekräftigt die unauflösliche Brüderlichkeit mit dem Irak und positioniert sich als regionaler Führer.
Er verwendet eine Sprache historischer und kultureller Bindungen, um den iranischen Einfluss zu naturalisieren und die Zusammenarbeit als unvermeidlich und vorteilhaft darzustellen.
Er verschweigt al-Zaidis Besuch in Washington und den US-Druck, die irakische Abhängigkeit vom Iran zu verringern.
Israel beobachtet mit Sorge den irakischen Versuch, Washington und Teheran auszugleichen, und hebt die Bedrohung durch iranisch unterstützte Milizen hervor.
Es baut die Erzählung um das irakische Dilemma zwischen zwei Polen auf, wobei es die US-Erwartungen und die Risiken einer iranischen Verstärkung betont.
Es erwähnt weder die Energiekooperation und die historischen Beziehungen zwischen Iran und Irak noch die Brüderlichkeitserklärungen.
Die arabische Levante-Maghreb-Welt verzeichnet den Besuch als normales diplomatisches Ereignis und betont gemeinsame Energieinteressen.
Sie verwendet ein deskriptives und technisches Register, vermeidet politische Urteile und stellt den Besuch als Routine dar.
Sie geht nicht auf die strategischen Implikationen des Gleichgewichts zwischen Washington und Teheran ein, noch auf die Kritik an den Milizen.
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