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Wissenschaft & GesundheitMontag, 22. Juni 2026

Horizontaler Gentransfer bei Schaben und neue Artenfunde präzisieren das Bild der Evolution

Forscher aus Australien, Argentinien, Malaysia und Deutschland veröffentlichen Erkenntnisse zu Genomdynamik und bislang unbekannten Spezies.

Ein internationales Forscherteam der University of Sydney hat in den Genomen von 18 Schaben- und Termitenarten insgesamt 40.485 Fragmente bakterieller DNA identifiziert – eine Zahl, die den bisherigen Höchstwert für horizontalen Gentransfer (HGT) in Eukaryoten um mehr als das Hundertfache übertrifft. Die in PNAS publizierte Studie zeigt, dass die Insekten über Jahrmillionen DNA des Endosymbionten Blattabacterium cuenoti in ihr Erbgut aufgenommen haben. Einige dieser chimären Insertionen persistieren seit mindestens 28,7 Millionen Jahren, was auf funktionale Rollen hindeutet. Der Befund verändert die Annahme, dass HGT bei komplexen Organismen selten sei, und legt nahe, dass symbiontische Bakterien weit häufiger als gedacht zur genomischen Ausstattung von Tieren beitragen.

Ein ähnlich unerwartetes Bild genomischer Dynamik liefert eine in BMC Biology erschienene Analyse des Zweifingerfaultiers (Choloepus didactylus). Ein Team um Camila Mazzoni vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin wies nach, dass im Erbgut der Faultiere über 30 Millionen Jahre hinweg sogenannte springende Gene (Transposons) aktiv waren, die insbesondere mit mitochondrialen und metabolischen Genen assoziiert sind. Die Forscher vermuten, dass diese genetischen „Reservesysteme“ den extrem niedrigen Energieumsatz der Tiere kompensieren. Die Befunde könnten, so die beteiligten Wissenschaftler aus Deutschland, Brasilien und Großbritannien, langfristig Modelle für den zellulären Energiestoffwechsel unter Niedrigenergiebedingungen liefern – mit potenziellen Implikationen für die Erforschung von Stoffwechselerkrankungen und Gewebekonservierung.

Parallel dazu erweitern mehrere neu beschriebene Arten das taxonomische Wissen. In den Regenwäldern Borneos identifizierten malaysische Forscher den hyperparasitischen Pilz Pleurocordyceps cornusynnemata, der auf dem „Zombie-Pilz“ Ophiocordyceps wächst und eine hornartige Struktur aufweist (New Zealand Journal of Botany). Argentinische Wissenschaftler des MACN und CONICET entdeckten auf der Isla de los Estados die „Geisterspinne“ Yagania chuanisin, die einen eigenen, evolutionär alten Gattungszweig innerhalb der Anyphaenidae repräsentiert (Diversity). Ebenfalls in Argentinien, im Nationalpark Traslasierra, wurde das Nagetier Apnoctomys conicetorum als neue Gattung der Viscacha-Ratten beschrieben (Vertebrate Zoology). Paläontologen der Fundación Azara wiederum publizierten in Historical Biology den terrestrischen Krokodilverwandten Antusuchus rionegrinus aus der Kreidezeit Patagoniens, der das Bild der Peirosauriden-Entwicklung präzisiert.

Die nächste Etappe der Schaben-Studie zielt darauf ab, zu klären, ob und welche der 40.485 transferierten DNA-Fragmente tatsächlich biologische Funktionen ausüben. Sollte sich eine funktionale Integration bestätigen, würde dies das Verständnis davon, wie Eukaryoten durch horizontalen Gentransfer evolutive Sprünge vollziehen, grundlegend erweitern. Die weiteren beschriebenen Arten unterstreichen zudem, dass selbst in gut untersuchten Regionen wie dem südlichen Südamerika oder den Tropen Südostasiens noch erhebliche Kenntnislücken bestehen – ein Umstand, der den Wert langfristiger Feldarbeit und geschützter Gebiete für die Biodiversitätsforschung betont.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 3 Sprachen

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Kontinentaleuropäische PresseLateinamerikanische Presse
Kontinentaleuropäische Presse/ Mediterran
PragmatismusDistanz

Die lange rätselhafte Widerstandsfähigkeit von Kakerlaken wurde durch horizontalen Gentransfer erklärt: Diese Insekten haben DNA des Bakteriums Blattabacterium cuenoti in ihr Genom integriert. Die australische Studie beleuchtet eine verborgene evolutionäre Strategie, die sich über Millionen von Jahren erstreckte.

Lateinamerikanische Presse/ Markt
TriumphPragmatismus

Argentinische Wissenschaftler haben eine neue Geisterspinnen-Linie, ein zu Ehren des Conicet benanntes Säugetier und ein 100 Millionen Jahre altes fossiles Krokodil entdeckt. Diese Funde offenbaren Geisterarten und verborgene evolutionäre Strategien und stärken den Beitrag des Landes zum Wissen über die Biodiversität.

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Montag, 22. Juni 2026

Horizontaler Gentransfer bei Schaben und neue Artenfunde präzisieren das Bild der Evolution

Forscher aus Australien, Argentinien, Malaysia und Deutschland veröffentlichen Erkenntnisse zu Genomdynamik und bislang unbekannten Spezies.

Ein internationales Forscherteam der University of Sydney hat in den Genomen von 18 Schaben- und Termitenarten insgesamt 40.485 Fragmente bakterieller DNA identifiziert – eine Zahl, die den bisherigen Höchstwert für horizontalen Gentransfer (HGT) in Eukaryoten um mehr als das Hundertfache übertrifft. Die in PNAS publizierte Studie zeigt, dass die Insekten über Jahrmillionen DNA des Endosymbionten Blattabacterium cuenoti in ihr Erbgut aufgenommen haben. Einige dieser chimären Insertionen persistieren seit mindestens 28,7 Millionen Jahren, was auf funktionale Rollen hindeutet. Der Befund verändert die Annahme, dass HGT bei komplexen Organismen selten sei, und legt nahe, dass symbiontische Bakterien weit häufiger als gedacht zur genomischen Ausstattung von Tieren beitragen.

Ein ähnlich unerwartetes Bild genomischer Dynamik liefert eine in BMC Biology erschienene Analyse des Zweifingerfaultiers (Choloepus didactylus). Ein Team um Camila Mazzoni vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin wies nach, dass im Erbgut der Faultiere über 30 Millionen Jahre hinweg sogenannte springende Gene (Transposons) aktiv waren, die insbesondere mit mitochondrialen und metabolischen Genen assoziiert sind. Die Forscher vermuten, dass diese genetischen „Reservesysteme“ den extrem niedrigen Energieumsatz der Tiere kompensieren. Die Befunde könnten, so die beteiligten Wissenschaftler aus Deutschland, Brasilien und Großbritannien, langfristig Modelle für den zellulären Energiestoffwechsel unter Niedrigenergiebedingungen liefern – mit potenziellen Implikationen für die Erforschung von Stoffwechselerkrankungen und Gewebekonservierung.

Parallel dazu erweitern mehrere neu beschriebene Arten das taxonomische Wissen. In den Regenwäldern Borneos identifizierten malaysische Forscher den hyperparasitischen Pilz Pleurocordyceps cornusynnemata, der auf dem „Zombie-Pilz“ Ophiocordyceps wächst und eine hornartige Struktur aufweist (New Zealand Journal of Botany). Argentinische Wissenschaftler des MACN und CONICET entdeckten auf der Isla de los Estados die „Geisterspinne“ Yagania chuanisin, die einen eigenen, evolutionär alten Gattungszweig innerhalb der Anyphaenidae repräsentiert (Diversity). Ebenfalls in Argentinien, im Nationalpark Traslasierra, wurde das Nagetier Apnoctomys conicetorum als neue Gattung der Viscacha-Ratten beschrieben (Vertebrate Zoology). Paläontologen der Fundación Azara wiederum publizierten in Historical Biology den terrestrischen Krokodilverwandten Antusuchus rionegrinus aus der Kreidezeit Patagoniens, der das Bild der Peirosauriden-Entwicklung präzisiert.

Die nächste Etappe der Schaben-Studie zielt darauf ab, zu klären, ob und welche der 40.485 transferierten DNA-Fragmente tatsächlich biologische Funktionen ausüben. Sollte sich eine funktionale Integration bestätigen, würde dies das Verständnis davon, wie Eukaryoten durch horizontalen Gentransfer evolutive Sprünge vollziehen, grundlegend erweitern. Die weiteren beschriebenen Arten unterstreichen zudem, dass selbst in gut untersuchten Regionen wie dem südlichen Südamerika oder den Tropen Südostasiens noch erhebliche Kenntnislücken bestehen – ein Umstand, der den Wert langfristiger Feldarbeit und geschützter Gebiete für die Biodiversitätsforschung betont.

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Die lange rätselhafte Widerstandsfähigkeit von Kakerlaken wurde durch horizontalen Gentransfer erklärt: Diese Insekten haben DNA des Bakteriums Blattabacterium cuenoti in ihr Genom integriert. Die australische Studie beleuchtet eine verborgene evolutionäre Strategie, die sich über Millionen von Jahren erstreckte.

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TriumphPragmatismus

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