
Hitzewelle und Dominanz: Tour de France erreicht nach verkürzter Etappe den ersten Ruhetag
Tadej Pogačar führt mit fast drei Minuten Vorsprung, während extreme Temperaturen erstmals eine Etappenverkürzung erzwingen und die Debatte um den Rennkalender befeuern.
Die neunte Etappe der Tour de France endete am Sonntag mit einem Sieg des Niederländers Mathieu van der Poel aus einer Ausreißergruppe, doch das bestimmende Thema des Tages war die Hitze. Wegen einer roten Hitzewarnung im Département Corrèze verkürzten die Organisatoren die Strecke von Malemort nach Ussel um 30 Kilometer auf 155 Kilometer – ein in der über hundertjährigen Geschichte des Rennens beispielloser Eingriff. Temperaturen von durchgehend über 30 Grad, die in der ersten Woche seit dem Grand Départ in Barcelona mehrfach die 40-Grad-Marke erreichten, hatten den Fahrern zugesetzt. Acht von 176 Startern gaben bereits auf, die höchste Zahl zu diesem Zeitpunkt seit 2022.
Tadej Pogačar überstand die Etappe im Hauptfeld und geht mit einem Vorsprung von 2 Minuten und 42 Sekunden auf Jonas Vingegaard in den ersten Ruhetag. Der Slowene, der bereits zwei Etappen gewann und zum 59. Mal das Gelbe Trikot trug, sprach von einem seiner zufriedenstellendsten Tour-Verläufe. Er führt die verbesserte Hitzeverträglichkeit auf Fortschritte in Ernährung und Hydration zurück. Aus dem Peloton kamen dennoch deutliche Forderungen: Pogačar selbst regte eine komplette Neugestaltung des Kalenders an, um Rennen in den heißesten Monaten zu vermeiden, oder zumindest frühere Startzeiten. Die Fahrergewerkschaft CPA schloss sich dem an und verlangte, die Startzeiten von Sommerrennen müssten sich zum Schutz der Gesundheit weiterentwickeln.
Während die Gesamtführung nach neun Tagen nahezu zementiert scheint, richtet sich der Blick auf den Kampf um die Podestplätze. Hinter Vingegaard liegen fünf Fahrer innerhalb von 33 Sekunden: der Mexikaner Isaac del Toro, der Belgier Remco Evenepoel, der Spanier Juan Ayuso, der Franzose Paul Seixas und der Deutsche Florian Lipowitz. Lipowitz, der für Red Bull Bora fährt, hält damit die deutsche Hoffnung auf eine Spitzenplatzierung aufrecht. Aus belgischer Sicht wird Evenepoels Doppelrolle mit Lipowitz im Team bereits von Spannungen begleitet, während Ayuso aus spanischer Perspektive bislang ohne große Aufmerksamkeit in Lauerstellung liegt.
Die erste Woche war nicht nur von der Hitze geprägt. Eine Pyrenäen-Etappe musste wegen Waldbränden ohne Zuschauer und Werbekarawane ausgetragen werden. Fahrer wie der Australier Luke Durbridge beschrieben die konstante Belastung als außergewöhnlich und betonten, es gebe keine einfachen Tage mehr. Der Belgier Tim Merlier schilderte den täglichen Kampf um Wasser und Eis als zermürbend. Van der Poel, der nach eigener Aussage mit Formschwierigkeiten in die Tour gestartet war, nutzte die Gelegenheit zu seinem dritten Etappensieg und unterstrich die taktische Vielschichtigkeit des Rennens jenseits der Gesamtwertung.
Am Dienstag kehrt die Tour mit der zehnten Etappe von Aurillac nach Le Lioran in die Berge zurück. Auf 166,6 Kilometern im Zentralmassiv sind sieben Bergwertungen zu überwinden, zwei davon der ersten Kategorie, bei fast 3000 Höhenmetern. Für die deutschen, österreichischen und Schweizer Fahrer im Feld bietet das anspruchsvolle Profil die nächste Chance, sich in Ausreißergruppen zu zeigen oder in der Gesamtwertung zu verbessern, während Pogačar seine Führung weiter ausbauen könnte.
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