
Antonellis Vorsprung und Verstappens Schweigen: Die Ausgangslage vor dem Großen Preis von Belgien
Während Kimi Antonelli die Fahrerwertung anführt, lässt Max Verstappen seine Zukunft bei Red Bull offen – und das Team kehrt nach zwei Unfällen zur konventionellen Heckflügel-Variante zurück.
Der Große Preis von Belgien findet an diesem Wochenende vor einer doppelten Kulisse statt: Kimi Antonelli reist als souveräner Spitzenreiter der Fahrerwertung nach Spa-Francorchamps, während sich um Max Verstappen Spekulationen über einen vorzeitigen Abschied von Red Bull verdichten. Der 19-jährige Italiener hat in seiner zweiten Formel-1-Saison fünf der neun Rennen gewonnen und führt mit 179 Punkten – 25 Zähler vor seinem Mercedes-Teamkollegen George Russell. Verstappen, der viermalige Weltmeister, liegt derweil mit nur 76 Punkten auf Rang sieben und hat in diesem Jahr noch keinen Sieg errungen.
Antonellis Aufstieg wird von Verstappen selbst mit Anerkennung bedacht. „Er macht einen unglaublichen Job“, sagte der Niederländer und verwies auf die gemeinsame Erfahrung eines frühen Einstiegs in die Königsklasse: Beide debütierten als Teenager – Verstappen 2015 mit 17, Antonelli 2025 mit 18 – und feierten ihren ersten Grand-Prix-Sieg jeweils in der Folgesaison. Aus italienischer Perspektive ist der Vorsprung des Mercedes-Piloten Ausdruck einer konstanten Leistungsstärke, die bereits im Kart sichtbar gewesen sei, wie Verstappen betonte.
Während Antonelli in Belgien die Chance hat, seine Führung auszubauen, steht Red Bull vor technischen und personellen Fragezeichen. Das Team hat sich nach zwei schweren Unfällen Verstappens in Österreich und Großbritannien dazu entschlossen, die in Miami eingeführte rotierende Heckflügel-Konstruktion – intern „Macarena“ genannt – vorerst stillzulegen und auf das konventionelle Design vom Saisonbeginn zurückzugreifen. Der Mechanismus, der bei Aktivierung des DRS den Hauptflügel dreht, um den Luftwiderstand zu verringern, hatte in der Qualifikation in Österreich nicht korrekt geschlossen und in Silverstone zu einem Hochgeschwindigkeitsabflug in Stowe geführt. Aus Sicht des Teams in Milton Keynes wird an einer überarbeiteten Version gearbeitet, ein Einsatztermin steht jedoch nicht fest.
Die technischen Rückschläge fallen in eine Phase, in der Verstappens Bekenntnis zum Team ungewöhnlich vage bleibt. Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag beantwortete er Fragen zu seiner Zukunft mit „Nein“ und „Nichts zu sagen“ und ließ selbst ein klares Bekenntnis für 2027 offen. Aus britischer Sicht wird dies durch ein berichtetes Treffen zwischen Verstappens Management und McLaren befeuert, obwohl McLaren-CEO Zak Brown betonte, dass Lando Norris und Oscar Piastri „nirgendwo hingehen“. Piastri selbst, der mit 82 Punkten auf Rang sechs liegt und eine durchwachsene Saison mit Ausfällen und Elektronikproblemen erlebt, zeigte sich gelassen: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich nirgendwo hingehe.“
Aus niederländischer Perspektive hingegen gibt sich Verstappens Manager Raymond Vermeulen deutlich: „Max will seinen Zyklus bei Red Bull abschließen. Er hat einen Vertrag bis 2028 und beabsichtigt, ihn zu erfüllen.“ Eine Ausstiegsklausel, die bei einem Platz außerhalb der ersten zwei der WM greifen könnte, werde nicht genutzt. Verstappen selbst lobte die „wirklich gute“ Beziehung zum Teamchef Laurent Mekies, der das Team Mitte 2025 übernommen hatte. Die nächste sportliche Konsequenz ist der Grand Prix selbst: Für Antonelli bietet sich die Möglichkeit, den Vorsprung weiter auszubauen, während Verstappen und Red Bull vor der Aufgabe stehen, mit dem konventionellen Heckflügel wieder Anschluss an die Spitze zu finden – und die offene Zukunftsfrage zumindest auf der Strecke in den Hintergrund treten zu lassen.
| Lateinamerikanische Presse | 0.00 | neutral |
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