
Hinrichtungswelle im Iran droht – Hungerstreiks und neue Urteile gegen Kulturschaffende
In Isfahan wurden zwölf zum Tode verurteilte Protestteilnehmer in Einzelhaft verlegt, während in anderen Gefängnissen Hungerstreiks gegen Exekutionen aufflammen und ein Gericht eine Fotografin zu Peitschenhieben verurteilt.
Nach übereinstimmenden Berichten von Iran International und IranWire sind am Samstag im Gefängnis von Dastgerd in Isfahan vierzehn Häftlinge, darunter zwölf Verurteilte des sogenannten „Meydan-Alikhani“-Verfahrens, aus dem Gemeinschaftstrakt in Einzelzellen verlegt worden. Die Verlegung wird von Gefängnisinsassen und Angehörigen als unmittelbares Anzeichen für die bevorstehende Vollstreckung der Todesurteile gewertet. Die zwölf Männer waren im Zusammenhang mit den landesweiten Protesten des „Nationalen Aufstands“ festgenommen und später vom Obersten Gerichtshof zum Tode verurteilt worden. Aus Solidarität mit den Betroffenen traten daraufhin zahlreiche Mithäftlinge in einen Hungerstreik. Parallel dazu warnt IranWire vor einer akuten Hinrichtungsgefahr für mehrere Festgenommene der Dezember-Proteste in Schahrud, unter ihnen der 20-jährige Arvin Khirkhahan.
Die Vorgänge in Isfahan reihen sich in eine Serie von Repressionsmaßnahmen ein, die auch den Kulturbereich erfassen. Wie IranWire meldet, verurteilte ein Gericht in Ghom die Fotografin Tahmineh Monzavi sowie weitere Beteiligte des „Karawanserei-Konzerts“ zu 74 Peitschenhieben, einem zweijährigen Berufsverbot und einer Ausreisesperre. Das Konzert der Sängerin Parastoo Ahmadi war im vergangenen Dezember ohne das vorgeschriebene Kopftuch aufgeführt und als Video verbreitet worden. Die Justiz wertete dies als „Verletzung der öffentlichen Sittlichkeit durch Produktion und Verbreitung vulgärer Inhalte“. In der Haftanstalt Ghezel Hesar bei Karadsch hält unterdessen ein von der Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights dokumentierter Massenhungerstreik an. Die rund 1.500 Insassen der für Drogendelikte zuständigen Abteilung protestieren gegen die drohende Hinrichtung von sechs Mithäftlingen und fordern die Aussetzung aller Todesurteile, bis das Betäubungsmittelgesetz reformiert ist – eine Zusage, die ihnen nach einem ähnlichen Ausstand im Herbst 2025 gegeben worden war.
Die innenpolitische Verschärfung fällt mit einer erheblichen militärischen Eskalation zwischen der Islamischen Republik und den Vereinigten Staaten zusammen. Iran International zufolge weitete Teheran nach sieben Nächten amerikanischer Luftangriffe auf eigene Militärstellungen seine Gegenschläge auf Verbündete Washingtons in der Golfregion aus. Ziele waren unter anderem ein Logistikstützpunkt der USA in Kuwait, eine Radaranlage auf dem Luftwaffenstützpunkt Ali Al Salem sowie Einrichtungen in Bahrain und Jordanien. Die Revolutionsgarden erklärten, man sehe sich zu Vergeltungsschlägen gezwungen, da keine internationale Organisation der „Gewalt der US-Armee“ Einhalt gebiete. Aus Washingtoner Sicht wird die Entsendung zusätzlicher Kampfflugzeuge und Tankflugzeuge in den Nahen Osten als Vorbereitung auf eine Ausweitung der Operationen dargestellt. Die Angriffe auf zivile Infrastruktur – so traf es in Kuwait eine Entsalzungsanlage und in Dschask ein Kraftwerk – haben nach Darstellung von Hilfsorganisationen die humanitäre Lage verschärft und die Ölpreise auf ein Monatshoch getrieben.
Die Gleichzeitigkeit von innerer Repression und äußerem Konflikt wird von Beobachtern in europäischen Hauptstädten als Ausdruck einer bewussten Strategie der Machtsicherung gedeutet. Während die Justiz mit Todesurteilen und Körperstrafen gegen Andersdenkende vorgeht, nutzt die Führung in Teheran die militärische Konfrontation, um die Bevölkerung auf einen äußeren Feind einzuschwören. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International hatten bereits im Frühjahr 2025 eine Rekordzahl von 2.159 Hinrichtungen im Iran dokumentiert. Die nun bekannt gewordenen Fälle deuten darauf hin, dass sich dieser Trend fortsetzt. Die Vollstreckung der Urteile in Isfahan wird für die kommenden Tage erwartet; die Hungerstreiks in Dastgerd und Ghezel Hesar dauern an.
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