
Steigende Schuldenlast der Haushalte setzt Notenbanken weltweit unter Zugzwang
Von Bogotá bis Buenos Aires wächst die Sorge vor einer Überforderung privater Budgets – während in Israel und Spanien die Vermögen zwar steigen, aber falsch allokiert bleiben.
Die kolumbianische Zentralbank schlägt Alarm: Erstmals seit 2023 steigt die finanzielle Belastung der privaten Haushalte wieder spürbar an. Laut dem jüngsten Stabilitätsbericht fließen inzwischen 27,4 Prozent des verfügbaren Einkommens in den Schuldendienst – ein Niveau, das die Notenbank in Bogotá als Vorboten eines erneuten Kreditrisikos wertet. Parallel sinkt die Sparquote, während der Konsum weiterhin als Wachstumstreiber wirkt. Notenbankchef Leonardo Villar sprach von einem „beginnenden Verfall“ bei Konsumentenkrediten und verwies auf die beschleunigte Verschuldung gegenüber nicht regulierten Fintechs und Genossenschaften, deren Anteil erstmals systematisch erfasst wurde.
In Argentinien hat die Zahlungsmoral bei Privatkrediten und Kreditkarten ein Rekordtief erreicht. Mehrere Provinzen und öffentliche Banken reagieren mit gestaffelten Refinanzierungsprogrammen: Buenos Aires legt eine Obergrenze von 35 Prozent Nominalzins bei bis zu 24 Monaten Laufzeit fest, die Provinz Buenos Aires bietet über das Programm „Ponete al día“ bis zu 72 Raten, und die Banco Nación gewährt bei Gehaltskonten sogar nur 12 Prozent Zins. Gleichzeitig warnen Finanzspezialisten in Buenos Aires eindringlich vor den versteckten Kosten solcher Umschuldungen. Die Umwandlung von Kreditkartenschulden in Ratenpläne erhöhe den effektiven Finanzierungskostensatz durch Gebühren und Versicherungen drastisch und mache aus einer zivilrechtlichen Forderung einen vollstreckbaren Titel, der die Verjährung von drei Jahren aushebelt.
Ein strukturelles Missverhältnis offenbart sich in Israel. Die Bank of Israel meldet ein Bruttofinanzvermögen der Privathaushalte von 7,25 Billionen Schekel – 340 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Doch 63 Prozent der direkt gehaltenen Mittel liegen auf Giro- und Sparkonten mit Renditen nahe null, während die Inflation seit 2021 kumuliert 18 Prozent betrug. Beobachter in Tel Aviv sprechen von einer „Illusion der Sicherheit“: Die Scheu vor kurzfristigen Kursschwankungen an der Börse führe zu einem schleichenden Kaufkraftverlust, der sich in den Lebenshaltungskosten längst bemerkbar mache. Demgegenüber sind die institutionell verwalteten Pensionsgelder zu fast 45 Prozent in Aktien investiert – ein Hinweis darauf, dass das Risikobewusstsein stark von der Sichtbarkeit der Anlage abhängt.
Aus Madrid kommen unterdessen widersprüchliche Signale. Die Nettofinanzvermögen der spanischen Haushalte erreichten im März mit 2,66 Billionen Euro ein Rekordhoch, getrieben von Kursgewinnen bei Aktien und Investmentfonds. Die Verschuldung stieg zwar nominal auf 728 Milliarden Euro, fiel aber gemessen am BIP auf 42,5 Prozent – den tiefsten Stand seit 1999. Die Banco de España sieht darin eine Normalisierung, warnt jedoch vor der anhaltend hohen Bargeld- und Einlagenquote von einem Drittel des Portfolios. In den USA schließlich beschäftigt die Frage der Haftung für gemeinsame Kreditkartenschulden nach einer Scheidung zunehmend die Gerichte, da Gläubiger nicht an Scheidungsurteile gebunden sind und selbst bei internen Vereinbarungen beide Partner in Regress nehmen können.
Die nächste Bewährungsprobe steht im Herbst an, wenn die kolumbianische Zentralbank ihren Zinspfad überprüft und Argentinien über eine mögliche Rückkehr an die internationalen Kapitalmärkte entscheidet – ein Schritt, der nach Einschätzung von Analysten in Buenos Aires ein Absinken des Länderrisikoaufschlags auf rund 300 Basispunkte voraussetzt.
| Lateinamerikanische Presse | −0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.30 | critical |
| Russische & GUS-Presse | +0.10 | neutral |
| Israelische Presse | −0.40 | critical |
Die kolumbianische Zentralbank warnt, dass Haushalte 27% ihres Einkommens für Schulden aufwenden, ein Zeichen finanzieller Fragilität.
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