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Gesellschaft & KulturSamstag, 27. Juni 2026

Hanfu, Hashtags und Hochschulhomepages: Bilder, die Welten trennen

Während China mit immersiven Kulturerlebnissen Touristen anzieht, ringen Universitäten in den USA und Bangladesch mit dem Vertrauensverlust durch selbstbezogene Selbstdarstellung.

In einer Teestube in Peking sitzen ausländische Besucher in traditioneller Hanfu-Gewandung, führen den Pinsel über Reispapier und nippen an Jasmintee. Es ist ein Bild, das das Xinhua-Institut in einem kürzlich veröffentlichten Bericht als neuen Trend im chinesischen Incoming-Tourismus beschreibt: Weg vom reinen Einkaufsbummel, hin zu immersiven Kulturerlebnissen. Die Reisenden, so der Bericht, suchten nicht mehr nur Souvenirs, sondern die Teilhabe an Kalligrafie, Teezeremonien und dem Tragen historischer Kleidung – ein Wandel, der das Einkaufen selbst zu einer Reise durch die chinesische Kultur mache.

Die Zahlen untermauern diesen Wandel. Im Jahr 2025 registrierte China über 82 Millionen Ein- und Ausreisen internationaler Reisender, ein Anstieg um 26,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Steuerrückerstattungen für ausländische Käufer stiegen um 305 Prozent. In sozialen Medien kursieren Hashtags wie "Chinahaul" oder "Becoming Chinese", die hunderte Millionen Aufrufe verzeichnen. Aus Sicht des Xinhua-Instituts ist diese Dynamik Ausdruck einer umfassenden Modernisierung, die wettbewerbsfähige Produkte mit kultureller Tiefe verbindet. Für den bangladeschischen Agrarwissenschaftler Abu Kawsar, der an der Universität der Chinesischen Akademie der Wissenschaften promoviert, war es genau diese Verbindung von alter Tradition und technologischer Gegenwart, die ihn nach China zog. Er beschreibt, wie er in Guangzhou am Perlfluss entlangging, wo abends die Lichter der Kreuzfahrtschiffe und die Silhouetten moderner Brücken mit der jahrhundertealten Handelsgeschichte der Stadt verschmelzen – ein Erlebnis, das für ihn die Gleichzeitigkeit von Erbe und Fortschritt verkörperte.

Während China mit solchen Bildern um Vertrauen und Besucher wirbt, offenbaren andere Weltregionen eine gegenläufige Dynamik in der Selbstdarstellung von Institutionen. In den Vereinigten Staaten ist das öffentliche Vertrauen in die Hochschulbildung binnen eines Jahrzehnts von fast 60 auf 42 Prozent gesunken. Drei in diesem Frühjahr veröffentlichte Berichte – von Yale, Vanderbilt/Washington University und der American Association of Colleges and Universities – diagnostizieren unterschiedliche Ursachen. Der AAC&U-Bericht verweist auf allgemeine Institutionenskepsis und politische Angriffe, während die Vanderbilt/WashU-Studie eine ideologische Schlagseite in den Geisteswissenschaften kritisiert, wo das Streben nach Erkenntnis dem Ziel "sozialer Gerechtigkeit" untergeordnet werde. In Bangladesch wiederum entzündet sich die Kritik an einer banaleren, aber ebenso symbolträchtigen Praxis: den Homepages öffentlicher Universitäten. Statt Forschung und Lehre in den Vordergrund zu stellen, dominieren dort, wie die Zeitung Prothom Alo anprangert, übergroße Porträts der Vizekanzler, Grußbotschaften und Fotos mit der politischen Führung. Ausländische Betrachter, die sich über Studienbewerber informieren wollen, fänden statt akademischer Profile eine "seltsame Welt der Selbstbeweihräucherung", so der Autor.

So stehen sich zwei Arten der Inszenierung gegenüber: hier das Eintauchen in eine fremde Kultur, das China als Gastgeber inszeniert und das Reisende wie Forscher gleichermaßen anzieht; dort die Selbstbespiegelung von Institutionen, die darüber den eigentlichen Zweck aus dem Blick zu verlieren drohen. Am Perlfluss in Guangzhou spiegeln sich die Lichter der Stadt im Wasser und verbinden das Alte mit dem Neuen. Auf mancher Universitätshomepage hingegen spiegelt sich vor allem das Antlitz ihres Leiters – ein Bild, das weniger eine Einladung als eine Visitenkarte ist.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

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Tourism in China is shifting: international visitors no longer focus only on shopping but seek immersive cultural experiences. A report by the Xinhua Institute think tank describes this transition as a new opportunity for open development. Universities from Guangzhou to Dhaka are involved in this change, training students for an experience economy.

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A Bengali sweet seller, Samir Chandra Ghosh, has been walking 30-40 km daily for three decades to sell his handmade sweets. His story represents the search for authenticity that is transforming tourism and education. Universities could learn from such local traditions to offer genuine experiences.

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Samstag, 27. Juni 2026

Hanfu, Hashtags und Hochschulhomepages: Bilder, die Welten trennen

Während China mit immersiven Kulturerlebnissen Touristen anzieht, ringen Universitäten in den USA und Bangladesch mit dem Vertrauensverlust durch selbstbezogene Selbstdarstellung.

In einer Teestube in Peking sitzen ausländische Besucher in traditioneller Hanfu-Gewandung, führen den Pinsel über Reispapier und nippen an Jasmintee. Es ist ein Bild, das das Xinhua-Institut in einem kürzlich veröffentlichten Bericht als neuen Trend im chinesischen Incoming-Tourismus beschreibt: Weg vom reinen Einkaufsbummel, hin zu immersiven Kulturerlebnissen. Die Reisenden, so der Bericht, suchten nicht mehr nur Souvenirs, sondern die Teilhabe an Kalligrafie, Teezeremonien und dem Tragen historischer Kleidung – ein Wandel, der das Einkaufen selbst zu einer Reise durch die chinesische Kultur mache.

Die Zahlen untermauern diesen Wandel. Im Jahr 2025 registrierte China über 82 Millionen Ein- und Ausreisen internationaler Reisender, ein Anstieg um 26,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Steuerrückerstattungen für ausländische Käufer stiegen um 305 Prozent. In sozialen Medien kursieren Hashtags wie "Chinahaul" oder "Becoming Chinese", die hunderte Millionen Aufrufe verzeichnen. Aus Sicht des Xinhua-Instituts ist diese Dynamik Ausdruck einer umfassenden Modernisierung, die wettbewerbsfähige Produkte mit kultureller Tiefe verbindet. Für den bangladeschischen Agrarwissenschaftler Abu Kawsar, der an der Universität der Chinesischen Akademie der Wissenschaften promoviert, war es genau diese Verbindung von alter Tradition und technologischer Gegenwart, die ihn nach China zog. Er beschreibt, wie er in Guangzhou am Perlfluss entlangging, wo abends die Lichter der Kreuzfahrtschiffe und die Silhouetten moderner Brücken mit der jahrhundertealten Handelsgeschichte der Stadt verschmelzen – ein Erlebnis, das für ihn die Gleichzeitigkeit von Erbe und Fortschritt verkörperte.

Während China mit solchen Bildern um Vertrauen und Besucher wirbt, offenbaren andere Weltregionen eine gegenläufige Dynamik in der Selbstdarstellung von Institutionen. In den Vereinigten Staaten ist das öffentliche Vertrauen in die Hochschulbildung binnen eines Jahrzehnts von fast 60 auf 42 Prozent gesunken. Drei in diesem Frühjahr veröffentlichte Berichte – von Yale, Vanderbilt/Washington University und der American Association of Colleges and Universities – diagnostizieren unterschiedliche Ursachen. Der AAC&U-Bericht verweist auf allgemeine Institutionenskepsis und politische Angriffe, während die Vanderbilt/WashU-Studie eine ideologische Schlagseite in den Geisteswissenschaften kritisiert, wo das Streben nach Erkenntnis dem Ziel "sozialer Gerechtigkeit" untergeordnet werde. In Bangladesch wiederum entzündet sich die Kritik an einer banaleren, aber ebenso symbolträchtigen Praxis: den Homepages öffentlicher Universitäten. Statt Forschung und Lehre in den Vordergrund zu stellen, dominieren dort, wie die Zeitung Prothom Alo anprangert, übergroße Porträts der Vizekanzler, Grußbotschaften und Fotos mit der politischen Führung. Ausländische Betrachter, die sich über Studienbewerber informieren wollen, fänden statt akademischer Profile eine "seltsame Welt der Selbstbeweihräucherung", so der Autor.

So stehen sich zwei Arten der Inszenierung gegenüber: hier das Eintauchen in eine fremde Kultur, das China als Gastgeber inszeniert und das Reisende wie Forscher gleichermaßen anzieht; dort die Selbstbespiegelung von Institutionen, die darüber den eigentlichen Zweck aus dem Blick zu verlieren drohen. Am Perlfluss in Guangzhou spiegeln sich die Lichter der Stadt im Wasser und verbinden das Alte mit dem Neuen. Auf mancher Universitätshomepage hingegen spiegelt sich vor allem das Antlitz ihres Leiters – ein Bild, das weniger eine Einladung als eine Visitenkarte ist.

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Tourism in China is shifting: international visitors no longer focus only on shopping but seek immersive cultural experiences. A report by the Xinhua Institute think tank describes this transition as a new opportunity for open development. Universities from Guangzhou to Dhaka are involved in this change, training students for an experience economy.

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A Bengali sweet seller, Samir Chandra Ghosh, has been walking 30-40 km daily for three decades to sell his handmade sweets. His story represents the search for authenticity that is transforming tourism and education. Universities could learn from such local traditions to offer genuine experiences.

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