
Ochoas tränenreicher Abschied: Mexiko mit perfekter Gruppenphase ins Achtelfinale
Beim 3:0 gegen Tschechien wird der 40-jährige Torhüter spät eingewechselt und unter tosendem Applaus verabschiedet – das Team schließt die Vorrunde ohne Gegentor ab.
Es war die 78. Minute im Aztekenstadion, als der Lärm der über 80.000 Zuschauer noch einmal anschwoll. Guillermo Ochoa, der sechsmalige WM-Teilnehmer, betrat beim Stand von 2:0 gegen Tschechien den Rasen, übernahm die Kapitänsbinde und küsste wenig später beide Torpfosten. Nach dem Schlusspfiff sank er auf die Knie, Tränen liefen über sein Gesicht, während die Mitspieler ihn in die Luft warfen. „Mein erstes Spiel war im Aztekenstadion, mein letztes war im Aztekenstadion. Es war ein wunderschönes letztes Kapitel“, sagte der 40-Jährige, der seinen Rücktritt nach dem Turnier angekündigt hatte.
Der sportliche Rahmen dieser emotionalen Verabschiedung war ein ungefährdeter 3:0-Sieg des bereits als Gruppensieger feststehenden Gastgebers. Nach einer torlosen ersten Hälfte, in der Tschechien viel Ballbesitz hatte, aber kaum Gefahr ausstrahlte, erzielte Mateo Chávez in der 55. Minute mit einem flachen Linksschuss die Führung. Nur sechs Minuten später nutzte Julián Quiñones einen Abpraller zum 2:0. Ochoa, der für Stammtorhüter Raúl Rangel ins Spiel kam, leitete in der Nachspielzeit mit einem weiten Abschlag noch den dritten Treffer durch Álvaro Fidalgo ein.
Mit neun Punkten und ohne Gegentor schloss Mexiko die Gruppe A ab – ein Novum in der eigenen WM-Geschichte. Nur fünf Mannschaften war zuvor eine solche perfekte Vorrunde gelungen, zuletzt Uruguay 2018. Tschechien hingegen schied mit einem Punkt als Gruppenletzter aus; Südkorea belegte Rang drei, Südafrika zog als Zweiter ins Achtelfinale ein. Ochoa selbst trug bei seiner Einwechslung den sogenannten Legacy Patch der FIFA, eine Auszeichnung für Spieler mit mehr als fünf WM-Teilnahmen. Allerdings hatte er 2006 und 2010 nur auf der Bank gesessen, sodass er nach FIFA-Lesart auf vier Turniere mit Einsätzen kommt und damit nicht den Rekord von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo mit je sechs aktiven Turnieren einstellt.
In mexikanischen Medien wurde der Auftritt überwiegend als würdiger Abschied einer Torhüterlegende gefeiert. Trainer Javier Aguirre erklärte, er habe Ochoa unabhängig vom Spielstand bringen wollen: „Mexiko musste seine Legende genießen.“ Kritischere Töne kamen von einigen Kommentatoren, die einwarfen, eine Weltmeisterschaft sei nicht der Ort für derartige Ehrungen. Ochoa selbst zeigte sich gerührt: „Ich gehe mit erhobenem Haupt, ich habe alles für dieses Trikot gegeben.“
Für Mexiko geht es am 30. Juni im Aztekenstadion mit dem Achtelfinale weiter. Der Gegner wird einer der besten Gruppendritten aus den Gruppen C, E, F, H oder I sein. Die makellose Vorrunde hat die Erwartungen im Gastgeberland weiter steigen lassen – und Ochoa könnte, sollte es die Not erfordern, noch einmal gebraucht werden.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Mexikanische Medien inszenieren Ochoas Einwechslung als poetische Gerechtigkeit, als längst überfällige Hommage an eine nationale Ikone. Der Trainer beglich eine historische Schuld, und das Publikum verwandelte das Gruppenspiel in eine Abschiedszeremonie. Der FIFA-Legacy-Aufnäher wird zum Symbol eines Vermächtnisses, das über den Platz hinausreicht.
Anglophone Medien berichten zurückhaltend über den Moment und heben den Meilenstein von sechs WM-Teilnahmen und die weiße Weste hervor. Die Emotion des Torwarts wird ohne übertriebenes Pathos vermerkt, eingeordnet als nüchterne internationale Sportmeldung.
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