
Europäische Flughäfen fordern Aussetzung des biometrischen Entry-Exit-Systems wegen drohenden Sommerchaos
Wegen stundenlanger Warteschlangen und technischer Ausfälle verlangen Betreiber von Rom bis Dover eine Lockerung der erst im April vollständig eingeführten Kontrollen; die EU-Kommission weist die Kritik zurück.
Seit der vollständigen Inbetriebnahme des europäischen Entry-Exit-Systems (EES) am 10. April 2026 kommt es an zahlreichen Flughäfen zu erheblichen Betriebsstörungen. In Rom-Fiumicino, Frankfurt und Athen bildeten sich Warteschlangen von bis zu sechs Stunden, wie der internationale Luftverkehrsverband IATA mitteilte. Der Verwaltungsratsvorsitzende von Aeroporti di Roma, Marco Troncone, warnte im Gespräch mit der Financial Times vor einem „Desaster“ in der Sommerreisesaison und forderte, die biometrischen Kontrollen für Nicht-EU-Bürger vorübergehend auszusetzen. Auch der Präsident des Flughafenverbands ACI Europe, Stefan Schulte, erklärte, das System funktioniere nicht und die Politik müsse aufhören, das Gegenteil zu behaupten.
Aus Sicht der Flughafenbetreiber ist das Verfahren mit den Spitzenverkehrsströmen im Juli und August unvereinbar. Die Selbstbedienungsterminals, an denen Reisende aus Drittstaaten ihre biometrischen Daten erfassen müssen, arbeiteten unzuverlässig und zwängen das Personal zu manuellen Kontrollen, so Troncone. Der World Travel & Tourism Council bezifferte das Risiko auf bis zu 41 Millionen entgangene Besucher und 45,4 Milliarden Dollar an Tourismusausgaben in der gesamten EU. In Dover, dem verkehrsreichsten Fährhafen Großbritanniens, ist eine eigens für das EES errichtete Anlage mit 84 Kiosken nach Angaben von Hafenchef Doug Bannister weiterhin nicht in Betrieb, weil die französischen Behörden die Aktivierung noch nicht vorgenommen haben.
Die Europäische Kommission wies die Kritik zurück. Ein Sprecher erklärte, das EES sei in allen Mitgliedstaaten voll funktionsfähig; lange Wartezeiten seien auf Personalmangel, infrastrukturelle Engpässe und die Ballung von Flügen in Spitzenzeiten zurückzuführen. Dennoch haben einzelne Mitgliedstaaten bereits eigenmächtig Ausnahmen verfügt. Nach Angaben aus Paris und Lissabon setzten Frankreich und Portugal das System nach technischen Ausfällen mehrfach zeitweise aus. Griechenland hatte britischen Staatsbürgern zunächst eine Befreiung bis September zugesagt, was das Außenministerium in Athen später dementierte.
Das EES ersetzt den manuellen Passstempel durch eine digitale Erfassung von Gesichtsbild und Fingerabdrücken und soll irreguläre Aufenthalte im Schengen-Raum erschweren. Es gilt für alle Nicht-EU-Bürger, einschließlich Briten, bei Kurzaufenthalten von bis zu 90 Tagen. Die schrittweise Einführung begann im Oktober 2025 mit einer Quote von zehn Prozent der Reisenden. Mit der vollständigen Anwendung ab April 2026 traten die nun beklagten Engpässe auf. Die Kommission verweist auf bestehende Flexibilitätsklauseln, die es den Staaten erlauben, bei operativen Notlagen auf herkömmliche Kontrollen zurückzugreifen. Eine formelle Entscheidung über eine generelle Lockerung für die Sommermonate steht noch aus; der Druck der Flughafenbetreiber auf die nationalen Innenministerien und den zuständigen EU-Kommissar Magnus Brunner nimmt jedoch zu.
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Flughafenbetreiber berichten von Warteschlangen bis zu sechs Stunden und außereuropäischen Passagieren, die wegen der neuen biometrischen EES-Kontrollen ihre Flüge verpassen. Sie warnen, dass die Sommerspitze ohne Lockerung der Kontrollen in einem Betriebskollaps enden könnte. Die EU-Kommission macht Personalmangel verantwortlich, doch die Airports bleiben skeptisch.
Die neue, 40 Millionen Pfund teure Grenzkontrollanlage in Dover, gebaut für das EU-System EES, bleibt geschlossen. Der Hafenchef sagt, es gebe noch keinen Termin für die Aktivierung der Kioske durch die französischen Behörden. Die Verzögerung wirft Fragen zur Bereitschaft für die Sommerreisesaison auf.
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