
Globale Regulierungsoffensive: Von Wettwerbung bis zu App-Store-Gebühren
In Australien, Brasilien und dem Vereinigten Königreich nehmen Regierungen und Aufsichtsbehörden mächtige Branchen ins Visier – mit Folgen für Gesetzgebungsverfahren und Marktstrukturen.
Die australische Regierung muss ihre geplante Beschränkung von Glücksspielwerbung einer weiteren parlamentarischen Prüfung unterziehen, nachdem sich sowohl die konservative Opposition als auch die Grünen gegen den Entwurf gestellt haben. Aus Sicht der oppositionellen Liberal Party, so deren Kommunikationssprecherin Sarah Henderson, solle eine Senatsuntersuchung sicherstellen, dass die Reform „substanziell und umsetzbar“ werde und nicht nur Schlagzeilen produziere. Die Regierung unter Premierminister Anthony Albanese hatte vorgeschlagen, Fernsehwerbung auf drei Spots pro Stunde zu begrenzen, Werbung während Live-Sportübertragungen zu verbieten und Promi-Testimonials zu untersagen. Die Blockade im Senat, wo die Regierung auf Stimmen der Opposition oder der Grünen angewiesen ist, verzögert das Inkrafttreten, das für Januar 2027 vorgesehen war.
Parallel dazu weitete sich in Brasilien die Debatte über Wettwerbung aus. Die Abgeordnete Erika Hilton (Psol-SP) forderte die nationale Verbraucherschutzbehörde auf, nicht nur den Streaminganbieter CazéTV, sondern sämtliche Fernsehsender – darunter Globo und SBT – auf mögliche missbräuchliche Werbepraktiken von Sportwettenanbietern zu überprüfen. Aus Sicht der Abgeordneten sei es unwahrscheinlich, dass allein CazéTV gegen geltendes Recht verstoßen habe. Zuvor hatte die brasilianische Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde Senacon bereits ein Verfahren gegen CazéTV eingeleitet und der Werberat Conar die Aussetzung bestimmter Werbeformen angeordnet. Das brasilianische Finanzministerium kündigte zudem weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Reklame an.
Im Vereinigten Königreich schlug die Wettbewerbsbehörde CMA unterdessen vor, die Zahlungsregeln in den App-Stores von Apple und Google zu lockern. Nach Darstellung der CMA sollen Entwickler künftig Nutzer auf externe Zahlungsoptionen hinweisen dürfen, was derzeit von Apple untersagt und von Google eingeschränkt wird. Die Behörde argumentiert, etwaige Gebühren für solche „Steering“-Praktiken müssten fair und niedriger als die aktuellen Provisionen sein, damit Einsparungen an Verbraucher weitergegeben oder in Innovation reinvestiert werden könnten. Google verwies auf bereits umgesetzte Änderungen seiner Play-Store-Bedingungen, während Apple zunächst keine Stellungnahme abgab.
In Australien rückt zudem die Wirtschaftsprüfungsbranche ins Visier der Politik. Ein vom Assistant Treasurer veröffentlichtes Positionspapier des Finanzministeriums hält fest, es gebe „starke und überzeugende Beweise“, dass die großen Vier einer strengeren Aufsicht bedürften. Hintergrund sind Vorwürfe gegen KPMG, wonach Prüfer vertrauliche Mandantendaten zweckentfremdet und Insiderinformationen zur Akquise genutzt haben sollen. Das Papier erwägt, der Unternehmensaufsichtsbehörde ASIC die Befugnis zu erteilen, empfindliche Geldstrafen zu verhängen. Die australische Glücksspielgesetzgebung wird voraussichtlich in den kommenden Monaten im Senatsausschuss beraten; die brasilianische Forderung nach einer Ausweitung der Kontrollen liegt der Verbraucherschutzbehörde vor; die britische CMA konsultiert ihre Vorschläge noch.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die Glücksspiel-Werbereform der Labour-Regierung wurde als schwache Kapitulation bezeichnet und an einen weiteren Untersuchungsausschuss verwiesen. Die vereinte Opposition fordert deutlich strengere Regeln zum Schutz der Familien.
In Brasilien fordert die Abgeordnete Erika Hilton eine strengere Kontrolle der Wettwerbung auf allen Fernsehsendern. Der Vorstoß folgt auf die Kontroverse um Werbespots während der WM 2026, die laut Kritikern die rechtlichen Grenzen überschritten.
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