
Globale Immobilienmärkte im Sog des Nahostkonflikts: Kreditkosten steigen, Käufer zögern
Von London über Paris bis Sydney sinken Transaktionszahlen und steigen Auktionsrücknahmen, während die Zinsen für Wohnbaukredite infolge des Iran-Kriegs und geldpolitischer Straffung klettern.
Die Hypothekenvergabe in Großbritannien verzeichnete im Mai mit 56.205 Bewilligungen den stärksten Einbruch seit Dezember 2023, wie die Bank of England mitteilte. Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl um fast 10.000, während Ökonomen mit 62.900 gerechnet hatten. In Frankreich meldete der Immobilienverband Fnaim für März und April einen Rückgang der Transaktionen um 11.000 Einheiten gegenüber dem Vorjahr. Der indische Markt verzeichnete im ersten Quartal 2026 laut dem Beratungsunternehmen Anarock einen Absatzrückgang von sechs Prozent auf 96.285 Wohneinheiten in den sieben größten Städten. In Australien schließlich schnellte die Quote der vor Auktionen zurückgezogenen Objekte in Sydney auf vorläufig 39,5 Prozent – ein Niveau, das Domain-Daten zufolge zuletzt während der Pandemie erreicht wurde.
Als zentrale Ursache gilt der Anstieg der Kapitalmarktzinsen infolge des Krieges zwischen den USA und Israel gegen den Iran. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen – in Frankreich zuletzt bei 3,61 Prozent – dienen als Richtschnur für Hypothekenzinsen und verteuern die Kreditaufnahme spürbar. In Australien kommen hausgemachte Faktoren hinzu: Die von Premierminister Albanese verteidigten Änderungen bei der Kapitalertragssteuer und der Negativverzinsung für Investoren dämpfen aus Sicht von Commonwealth Bank und NAB die Preiserwartungen. Albanese verwies hingegen auf Schätzungen des Finanzministeriums, wonach die Hauspreise weiter steigen, jedoch langsamer als ohne die Reformen.
Die Zurückhaltung der Käufer zeigt sich in allen Regionen. In London sprach der Immobilienmakler Knight Frank Finance von ersten Anzeichen, dass Kreditnehmer „die Hände in den Schoß legen“. In Paris konstatierte Charles Marinakis, Präsident von Century 21, einen sich zusammenziehenden Markt. In Indien beobachtet Anarock-Chef Anuj Puri eine Konzentration der Nachfrage auf Premiumsegmente und infrastrukturnahe Lagen, während Käufer im IT-Sektor durch Unsicherheiten über Künstliche Intelligenz verunsichert seien. Die Stadt Kolkata verzeichnete als Ausreißer ein Absatzplus von zehn Prozent. In Australien wiederum testen Verkäufer den Markt und ziehen Objekte zurück, wenn Gebote hinter den Erwartungen zurückbleiben; Käufer nutzen die Schwäche für Nachverhandlungen nach gescheiterten Auktionen.
Eine zwischenzeitliche Waffenruhe zwischen den USA und Iran könnte nach Einschätzung Londoner Marktteilnehmer die Hypothekenzinsen entlasten, sofern sie hält. In Großbritannien birgt zudem der angekündigte Rücktritt von Premierminister Starmer zusätzliche politische Unsicherheit. Die nächsten Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank und der Bank of England sowie die Haltbarkeit der Waffenruhe bleiben die kurzfristig entscheidenden Wegmarken.
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Der Immobilienmarkt taumelt unter dem erneuten Anstieg der Kreditkosten, der die Kaufkraft der Haushalte aufzehrt. Die Verkäufe schrumpfen und die Preise fallen, sodass der kurze Optimismus von 2025 in weite Ferne rückt. Der Markt ist faktisch eingefroren, da sich potenzielle Käufer zurückziehen.
Die Hausverkäufe in Indiens Großstädten gingen im ersten Quartal 2026 um 6 % zurück, da wirtschaftliche Unsicherheit und der Nahostkonflikt die Nachfrage belasteten. Trotz eines vorläufigen Friedensabkommens dämpfen die Nachbeben des Krieges und die hohen Zinsen weiterhin das Käufervertrauen, selbst wenn die Durchschnittspreise leicht stiegen.
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