
Ein Monat im Maschinenraum: Die Rolling Stones veröffentlichen ihr 25. Album „Foreign Tongues“
In nur vier Wochen nahmen Mick Jagger, Keith Richards und Ronnie Wood in einem Londoner Studio vierzehn neue Songs auf, die von Alter, Politik und der eigenen Legende erzählen.
Im Londoner Stadtteil Chiswick steht ein Backsteinbau, der einst die Straßenbahnen der Stadt mit Strom versorgte. Heute beherbergt er die Metropolis Studios, und in diesen Hallen, wo der Nachhall in Winkeln und auf Galerien gedeiht, versammelten sich im Frühjahr 2025 drei Männer, deren gemeinsames Alter 243 Jahre beträgt. Mick Jagger, Keith Richards und Ronnie Wood nahmen hier, in nur vier Wochen, ihr 25. Studioalbum auf. Produzent Andrew Watt platzierte die Musiker nicht in isolierten Kabinen, sondern ließ sie gemeinsam spielen, den natürlichen Hall des alten Kraftwerks als Instrument nutzend. „Der Raum ist nicht zu groß, so spürt man die Leidenschaft aller“, sagte Jagger später. Paul McCartney, der für den Song „Covered in You“ den Bass beisteuerte, spielte seine Partie in wenigen Minuten ein, nachdem Jagger um einen „schmutzigen“ Klang gebeten hatte. Bruno Mars bediente bei „Never Wanna Lose You“ die Kuhglocke – ein Detail, das die spielerische Konzentration dieser Sitzungen unterstreicht.
Das Ergebnis, „Foreign Tongues“, umfasst vierzehn Stücke, darunter zwei Coverversionen: Amy Winehouses „You Know I’m No Good“ und Chuck Berrys „Beautiful Delilah“. Neben McCartney und Mars sind Robert Smith von The Cure, Steve Winwood und Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers zu hören. Das Titelwort spielt mit dem Markenzeichen der Band, der ausgestreckten Zunge, und das Cover des amerikanischen Malers Nathaniel Mary Quinn zeigt ein aus den Gesichtern Jaggers, Richards’ und Woods zusammengesetztes Antlitz – eine Art rock’n’rollerisches Frankenstein-Porträt. Dass die Stones nur drei Jahre nach dem von der Kritik gefeierten „Hackney Diamonds“ erneut ein Album vorlegen, ist ungewöhnlich; zwischen den vorangegangenen Werken lagen oft Jahrzehnte.
Die Texte durchziehen Themen, die man von einer Band in diesem Alter erwarten mag, ohne dass sie in Nostalgie verfallen. In „Mr. Charm“ singt Jagger von Elon Musk, dem „verrückten Mogul“, und in „Ringing Hollow“ verabschieden sich die Stones von den Vereinigten Staaten, jenem Land, das sie einst zu Weltruhm trug. „Lady Liberty sieht nicht gut aus, wenn sie finster dreinblickt“, heißt es dort. Zugleich ist der Geist des 2021 verstorbenen Schlagzeugers Charlie Watts präsent: In „Hit Me in the Head“ sind Aufnahmen von ihm zu hören, die vor seinem Tod entstanden. Britische und lateinamerikanische Kritiker bescheinigten dem Album eine erstaunliche Vitalität; der „Guardian“ mutmaßte, der Tod von Watts habe bei Jagger und Richards ein Bewusstsein für die begrenzte verbleibende Zeit geschärft.
Am Vorabend der Veröffentlichung gaben Jagger und Wood ein privates Konzert in London, als wollten sie beweisen, dass die Energie der Studiotage keine Eintagsfliege war. Das Album endet mit Berrys „Beautiful Delilah“, einer Rückkehr zu den Wurzeln, die zugleich wie ein trotziges Lebenszeichen wirkt. Das letzte Bild aber gehört dem Cover: jenes zusammengesetzte Gesicht, das die drei Überlebenden zu einer einzigen, unsterblichen Fratze verschmilzt – ein Echo aus sechzig Jahren Rockgeschichte, das in den Backsteinmauern des alten Kraftwerks noch lange nachhallt.
| Russische & GUS-Presse | 0.00 | neutral |
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| Kontinentaleuropäische Presse | +0.70 | aligned |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.60 | aligned |
Russia neutralizes political content by presenting the album as a routine event.
Russia ignores political references in the lyrics to present the album as a purely musical product.
Russia omits mentions of political themes such as criticism of Elon Musk and autocrats, which are present in Western reviews.
Das kontinentale Europa feiert Foreign Tongues als zeitloses Meisterwerk, eine Rückkehr zu den Rockwurzeln.
Das kontinentale Europa betont die Kontinuität mit der glorreichen Vergangenheit der Band und minimiert stilistische oder politische Neuerungen.
Das kontinentale Europa erwähnt den politischen Inhalt der Songs nicht, der in der atlantischen Berichterstattung zentral ist.
The Atlantic world frames the album as a politically engaged statement, proving the Stones remain relevant in the current era.
The Atlantic world highlights specific lyrical references to contemporary figures like Elon Musk and autocrats, connecting the album to current events.
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