
Zwischen Sand und Sternen: Christopher Nolans „Odyssee“ erobert die Welt
Von Mumbai bis Paris feiert das Publikum die Homer-Adaption, während im Netz eine Debatte tobt – Nolan selbst vertraut auf die Kraft des Kinos.
Als Tom Holland am Flughafen von Mumbai aus der Ankunftshalle trat, lächelte er den Fotografen zu und hob grüßend die Hand – ein kurzer Moment der Leichtigkeit vor der Indien-Premiere von Christopher Nolans „The Odyssey“. Wenig später stand der Regisseur selbst im Foyer des Taj Mahal Palace und sagte einem begeisterten Publikum: „Ich komme wieder nach Mumbai! Es ist immer ein Nervenkitzel, in Indien zu sein.“ Es war das erste Mal, dass ein Nolan-Film eine eigene Premiere in dem Land erhielt, und der Empfang war so enthusiastisch, wie man es von einem der kenntnisreichsten Kinopublika der Welt erwarten durfte.
Der Weg zu dieser Premiere begann vor mehr als zwanzig Jahren, als Nolan kurz davorstand, Wolfgang Petersens „Troja“ zu inszenieren. Daraus wurde nichts, doch ein Bild blieb haften: das Trojanische Pferd, halb im Sand versunken, von den Wellen umspült. Dieses Bild, so Nolan in einem Interview, habe ihn nie losgelassen und schließlich zur „Odyssee“ geführt. Das Drehbuch schrieb er in sechs Monaten, die Figuren und Szenen aber trug er jahrelang mit sich herum. Sein Ziel war eine erdige, zugängliche Adaption, die mit kulturellen Vorurteilen über die Antike bricht. „Wenn man in das Epos schaut, findet man etwas unmittelbar Menschliches“, erklärte er. Die fantastischen Elemente – der Zyklop, die Verwandlung von Soldaten in Schweine – sollten nicht als Spektakel, sondern als glaubhafte Erfahrung inszeniert werden.
Dieser Anspruch zog ein Ensemble an, das selbst für Hollywood-Verhältnisse außergewöhnlich ist. Matt Damon sagte zu, ohne seine Rolle zu kennen; Zendaya las das Drehbuch über die Schulter ihres Partners Tom Holland, bevor Nolan ihr die Göttin Athene anbot. John Leguizamo erfuhr beim Mittagessen von seinem Part und weinte vor Glück, als er zu Hause ankam. Am Set soll Samantha Mortons Darstellung der Zauberin Kirke stehende Ovationen von Cast und Crew ausgelöst haben – ein Ereignis, das es an einem Nolan-Set zuletzt bei Heath Ledgers Joker in „The Dark Knight“ gegeben habe.
Die ersten Kritikerstimmen nach der Weltpremiere fielen überschwänglich aus: Manche sprachen von Nolans bestem Film, andere brachten ihn als Favoriten für den Oscar ins Spiel. Parallel dazu formierte sich im Netz eine Hasskampagne, die den Film als „woke“ verunglimpfte, weil Lupita Nyong’o Helena von Troja und Elliot Page einen jungen Krieger spielen. Nolan selbst begegnete dem mit Gelassenheit: „Diese Gespräche, die stattfinden, bevor die Leute den Film gesehen haben, sind immer irrelevant, weil niemand, der sie führt, weiß, was der Film eigentlich ist.“ Auch die Kritik an Kostümen und moderner Sprache konterte er mit dem Hinweis auf lückenhafte archäologische Befunde und die erdige Sprache des homerischen Originals.
In Paris äußerte sich Nolan wenige Tage später zur Künstlichen Intelligenz und nannte die Vorstellung, sie könne menschliche Kreativität ersetzen, absurd. Die Modelle seien „im Wesentlichen Sampling-Algorithmen“, die nur wiederkäuen könnten, was ihnen zugeführt werde. Zugleich verwies er auf die Kluft zwischen der Begeisterung der Tech-Industrie und der breiten Ablehnung in der Öffentlichkeit, vor allem unter jungen Menschen. In Mumbai indes galt alle Aufmerksamkeit dem unmittelbaren Erlebnis. „Das Publikum sagt einem, was der Film ist“, hatte Nolan zuvor gesagt. „Das ist ein aufregender, aber auch ein furchteinflößender Moment – denn es ist echt.“
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.30 | critical |
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| Kontinentaleuropäische Presse | +0.80 | aligned |
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