
Deutschland stoppt Fregattenprojekt F126 – Rheinmetall-Aktie stürzt ab
Die Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums, das milliardenschwere F126-Fregattenprojekt einzustellen, führt zu zweistelligen Kursverlusten bei Rheinmetall und wirft Fragen zur deutschen Beschaffungspolitik auf.
Das Bundesverteidigungsministerium hat am Mittwoch das Fregattenprojekt F126 eingestellt. Wie das Ministerium bestätigte, habe die niederländische Damen-Werft die zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen nicht einhalten können. An den Finanzmärkten führte die Ankündigung zu einem Kurssturz der Rheinmetall-Aktie um bis zu 20 Prozent – dem größten Tagesverlust seit 25 Jahren. Auch andere europäische Rüstungswerte wie Hensoldt, Renk und Leonardo gaben deutlich nach. Im Gegensatz dazu legten die Papiere des deutschen Herstellers Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) um bis zu 14 Prozent zu, da das Unternehmen als Nutznießer der nun geplanten Alternativbeschaffung gilt.
Das 2020 initiierte Vorhaben sah den Bau von sechs großen Mehrzweckfregatten mit einer Länge von 166 Metern und einer Verdrängung von 10.000 Tonnen vor – die größten Kriegsschiffe der deutschen Marine seit dem Zweiten Weltkrieg. Nach übereinstimmenden Medienberichten, darunter Der Spiegel und Financial Times, entschied Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), das Projekt wegen technischer, organisatorischer und finanzieller Schwierigkeiten nicht weiterzuverfolgen. Stattdessen sollen nun acht kleinere Fregatten des Typs MEKO A-200 von TKMS beschafft werden. Die ursprünglich veranschlagten Kosten für F126 beliefen sich auf rund 10 bis 12,8 Milliarden Euro; etwa 2,3 Milliarden Euro sind bereits an den Vertragspartner geflossen. Die neue Lösung wird nach Branchenschätzungen mit rund 12 Milliarden Euro zu Buche schlagen.
Der Vorgang reiht sich in eine Serie gescheiterter Rüstungsgroßprojekte ein. Erst vor wenigen Wochen war das deutsch-französisch-spanische Kampfflugzeugprojekt FCAS kollabiert. In deutschen Sicherheitskreisen wird darauf verwiesen, dass die Bundeswehr durch Fehlplanungen von Regierung, Beschaffungsamt und Industrie allein im Juni etwa vier Milliarden Euro an Steuergeldern verliert. Der Bundesrechnungshof und Ökonomen wie Lars Feld warnen, dass die Ausnahme der Rüstungsausgaben von der Schuldenbremse unwirtschaftliche Ausgaben begünstige. Zugleich entsteht bei der U-Boot-Jagd eine Fähigkeitslücke, die durch die neuen Fregatten geschlossen werden soll.
Aus Sicht des Ministeriums ist der Abbruch eine notwendige Korrektur, um ein „Fass ohne Boden“ zu vermeiden und schneller einsatzbereite Schiffe für Marine und NATO zu erhalten. Der grüne Verteidigungspolitiker Robin Wagner nannte die Entscheidung „längst überfällig“, machte Pistorius aber für das „Desaster“ mitverantwortlich. Analysten von JPMorgan erklärten, die Stornierung könne das jährliche Auftragseingangsziel von Rheinmetall gefährden. Der Haushaltsausschuss hatte bereits im Frühjahr 250 Millionen Euro für die Vorratsbeschaffung von Material für die MEKO-Fregatten freigegeben. Die endgültige Bestellung der acht Schiffe wird in Kürze erwartet.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Der deutsche Verteidigungsminister hat das Fregattenprojekt F126, das größte Marineprogramm seit dem Zweiten Weltkrieg, nach Kostenüberschreitungen und technischen Pannen versenkt. Die Steuerzahler tragen Milliarden an versunkenen Kosten, und die Rüstungsindustrie erlebte einen historischen Kurssturz – Rheinmetall verlor an einem Tag 17 Prozent. Dies ist das jüngste Glied einer Kette gescheiterter Prestige-Rüstungsvorhaben und nährt ernste Zweifel an der Beschaffungskompetenz der Bundeswehr.
Deutschland hat sein ehrgeizigstes Kriegsschiffprogramm seit dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben; das Fregattenprojekt F126 scheiterte an Kosten- und Koordinationsproblemen. Der Hauptauftragnehmer Rheinmetall sieht seine Aktien abstürzen, während Berlin Milliarden abschreibt. Die Episode verdeutlicht die Schwierigkeiten westlicher Rüstungsindustrien, komplexe Marineplattformen zu liefern.
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