
Frankreichs Angriffswucht gegen Spaniens Kontrollkunst
Im texanischen Arlington treffen an diesem Dienstag die beiden spielstärksten Mannschaften des Turniers aufeinander – mit einem Platz im Endspiel von New York als Einsatz.
Das erste Halbfinale der Weltmeisterschaft 2026 führt an diesem 14. Juli im AT&T Stadium von Arlington zwei europäische Fußballmächte zusammen, deren Wege sich in den vergangenen Jahren auf der Zielgeraden großer Turniere immer wieder kreuzten. Frankreich, der Weltmeister von 2018 und Finalist von 2022, trifft auf den amtierenden Europameister Spanien. Beide Teams haben in den bisherigen sechs Partien des Turniers keinen einzigen Rückstand hinnehmen müssen und präsentieren sich in nahezu gegensätzlicher taktischer Perfektion.
Die Équipe Tricolore stürmte mit einer Bilanz von 16 erzielten und nur zwei kassierten Toren durch das Turnier. Kapitän Kylian Mbappé führt mit acht Treffern gemeinsam mit Lionel Messi die Torschützenliste an und hat in seinen erst 20 WM-Einsätzen bereits 20 Tore erzielt. An seiner Seite glänzt Ousmane Dembélé, der fünfmal traf. Nach souveränen Siegen über Schweden, Paraguay und zuletzt Marokko (2:0) steht das Team von Didier Deschamps zum dritten Mal in Folge im Halbfinale – ein Kunststück, das zuvor nur Deutschland und Brasilien gelang. Deschamps selbst nannte Spanien dennoch den „Favoriten“ und verwies auf die defensive Stabilität des Gegners.
Spanien wiederum hat im gesamten Turnierverlauf erst ein einziges Gegentor zugelassen – beim 2:1 im Viertelfinale gegen Belgien, als Mikel Merino wie schon im Achtelfinale gegen Portugal erst in der Schlussphase den Siegtreffer erzielte. Zuvor hatte Torhüter Unai Simón 650 Minuten ohne Gegentreffer überstanden. Das Spiel der Roja ruht auf einem dominanten Ballbesitzfußball, orchestriert von Rodri und Pedri, während der erst am Vortag 19 Jahre alt gewordene Lamine Yamal nach überstandener Muskelverletzung zunehmend an Durchschlagskraft gewinnt. Aus spanischer Perspektive wiegt das Wissen um die beiden jüngsten Halbfinalsiege gegen Frankreich – 2:1 bei der EM 2024 und 5:4 in der Nations League 2025 – schwer.
Die historische Dimension des Duells wird durch die Tatsache unterstrichen, dass mit Frankreich, Spanien, Argentinien und England erstmals seit 1990 wieder vier ehemalige Weltmeister die Runde der letzten Vier bilden. Für Frankreich geht es um die Chance, als dritte Nation nach Deutschland und Brasilien drei Endspiele in Serie zu erreichen; Spanien strebt nach 2010 die zweite Finalteilnahme an. Wettmärkte und statistische Modelle sehen Frankreich mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 34 Prozent als aussichtsreichsten Titelkandidaten, gefolgt von Spanien mit etwa 23 Prozent.
Der Sieger dieser als „vorgezogenes Finale“ bezeichneten Partie trifft am Sonntag im MetLife Stadium von New Jersey auf den Gewinner des zweiten Halbfinals zwischen Argentinien und England. Der Unterlegene bestreitet am Samstag in Miami das Spiel um Platz drei. Für Didier Deschamps, der nach dem Turnier sein Amt nach 14 Jahren abgibt, wäre der Einzug ins Endspiel zugleich die letzte Gelegenheit, als Trainer einen dritten WM-Titel zu gewinnen.
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