
Federkragen und vielgesichtige Göttinnen: Die Pariser Haute Couture erfindet den Körper neu
Zwischen surrealen Silhouetten, jahrtausendealter Handwerkskunst und wissenschaftlichen Experimenten zeigte die erste Tageshälfte der Pariser Haute-Couture-Woche, dass das wahre Luxusgut die Idee ist.
Ein Federkragen, der bis zu den Ohren reichte und den Hals vollständig umschloss, dazu ein hornartiges Detail auf Brusthöhe – so betrat die britische Schauspielerin Emma Corrin die Schau der Schiaparelli. Es war der Auftakt der Pariser Haute-Couture-Woche für Herbst/Winter 2026/27, und schon dieser erste Auftritt machte deutlich, dass die Grenzen zwischen Kleid, Skulptur und Performance an diesem Tag fließend waren. Wenig später sorgte der puerto-ricanische Sänger Bad Bunny mit einer buttergelben Maßanfertigung für Aufsehen, deren schwarze Krawatte aus einer geflochtenen Haarsträhne bestand – ein Detail, das in den sozialen Netzwerken sofort zum Gesprächsthema wurde.
Die Kollektion „The Abyss“ von Kreativdirektor Daniel Roseberry verband traditionelle Schneiderkunst mit unerwarteten Materialien wie Silikon und spielte mit den surrealistischen Codes des Hauses. Auf dem Laufsteg trugen drei brasilianische Models – Luiza Perote, Thalita Ferreira und Erika Barletta – die skulpturalen Entwürfe. Brasilianische Medien werteten ihre Präsenz als Beleg für den wachsenden Einfluss einer neuen Generation von Models aus dem Land, die in wenigen Jahren den Sprung in die Castings der größten Modehäuser geschafft hat.
Jenseits der Schiaparelli-Show entfaltete sich ein Panorama handwerklicher und konzeptueller Positionen. Der indische Designer Rahul Mishra zeigte mit „Devi“ eine Kollektion, die sich an jahrtausendealten Tempelskulpturen und der Idee ewiger Weiblichkeit orientierte. Rund 2000 Kunsthandwerker hatten an den Stickereien, Applikationen und plastischen Verzierungen gearbeitet; einige Modelle ließen die Trägerinnen durch raffinierte Kopfgestaltungen so erscheinen, als besäßen sie mehr als ein Gesicht. In der indischen Berichterstattung wurde die Schau als kraftvoller Brückenschlag zwischen traditionellem Erbe und globaler Haute Couture beschrieben. Im Publikum saßen die Rapperin Cardi B in einem elfenbeinfarbenen, skulpturalen Gewand und die Unternehmerin Isha Ambani, die eine metallisch-graue Robe mit einer mit 3.025 Diamanten besetzten Miniatur-Handtasche von Hermès kombinierte – eine Hommage an ihre Mutter Nita Ambani, die dasselbe seltene Stück Jahre zuvor getragen hatte. Das libanesische Haus Georges Hobeika präsentierte mit „The Visitor“ eine Kollektion, die in arabischen Modekreisen als eine der eindrucksvollsten der Saison bezeichnet wurde; die handgestickten Naturmotive und präzisen Schnitte verbanden sich zu einer visuellen Poesie. Dior unter der kreativen Leitung von Jonathan Anderson wiederum bewegte sich auf dem schmalen Grat zwischen handwerklicher Perfektion und konzeptueller Überhöhung – einige Entwürfe mit überdimensionierten Volumen und skulpturalen Accessoires wirkten, so Beobachter, eher wie Ausstellungsstücke, während die makellosen Plissierungen und Stickereien die Stärke der Ateliers unterstrichen. Iris van Herpen schließlich schickte ein Kleidungsstück durch einen Teilchenbeschleuniger und ließ es von natürlichen elektrischen Entladungen vollenden – ein wissenschaftliches Experiment, das die Frage nach der Zukunft des Handwerks neu stellte.
Abseits der Laufstege erinnerte eine Analyse des italienischen Magazins Panorama daran, dass Haute Couture ein extrem exklusives Geschäft bleibt: Weltweit können sich schätzungsweise nur 4000 Menschen diese Maßanfertigungen leisten, darunter Sammlerinnen wie Mouna Ayoub, die kürzlich 126 Dior-Couture-Kleider versteigerte, oder Daphne Guinness mit einer Kollektion von rund 3000 Roben. Die erste Tageshälfte der Pariser Woche machte indes vor allem eines sichtbar: Nicht der Preis, sondern die Idee und die handwerkliche Umsetzung definieren den Wert dieser Kleider. Am Ende blieb das Bild jener Mannequins, die in Rahul Mishras Schau mit mehr als einem Gesicht über den Laufsteg zu schreiten schienen – eine optische Täuschung, die den Kern dieser Tage traf: Haute Couture ist die stete Neuerfindung des Körpers durch Handwerk und Imagination.
| Indische & südasiatische Presse | +0.80 | aligned |
|---|---|---|
| Arabische Levante-Maghreb-Presse | +0.30 | aligned |
| Arabische Golfpresse | +0.10 | neutral |
| Lateinamerikanische Presse | 0.00 | neutral |
Indian art conquers the world stage with Rahul Mishra's 'Devi' collection.
Through hyperbolic language and divine references, a fashion event is transformed into a ritual of cultural affirmation.
It fails to acknowledge that Rahul Mishra's show was not the opening of the week, which was Schiaparelli.
Haute couture must return to its creative essence, rejecting pure spectacle.
It positions itself as a judge of good taste, establishing a hierarchy between authentic fashion and exhibitionism.
It omits the celebrity frenzy that dominates other accounts, focusing only on creative aspects.
Stars and their extravagant looks are the true protagonists of haute couture.
Through detailed descriptions of individual outfits, the event is reduced to a media red carpet.
It omits the cultural and craftsmanship narrative present in other blocs.
Brazilian talent conquers Parisian haute couture.
It selects a detail (the presence of Brazilian models) and frames it as evidence of national worth.
It omits the overall context of the fashion week and other designers.
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