
Eine Milliarde mehr Menschen weltweit extremer Hitzebelastung ausgesetzt
Die Zahl der Personen, die jährlich mindestens 90 Tage unter starkem Hitzestress leiden, ist seit 1970 von 55 auf 70 Prozent der Weltbevölkerung gestiegen – mit Folgen für Körper und Psyche.
Gegenüber den 1970er-Jahren sind heute rund eine Milliarde Menschen zusätzlich jedes Jahr extremer Hitze ausgesetzt. Das geht aus einer in der Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlichten Analyse hervor, die den kombinierten Indikator „Personen-Tage mit extremer Hitze“ nutzt. Demnach erlebten in der vergangenen Dekade 70 Prozent der Weltbevölkerung mindestens 90 Tage mit starkem Hitzestress, verglichen mit 55 Prozent im Referenzzeitraum. Die Belastung wird dabei nicht allein an der Lufttemperatur gemessen, sondern am sogenannten Universal Thermal Climate Index, der Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung einbezieht und enger mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen korreliert.
Die physiologische Beanspruchung durch Hitze wirkt zugleich als mentaler Stressor. Forscher um Andrea Mechelli vom King’s College London haben anhand britischer Gesundheitsdaten der vergangenen zwölf Jahre ermittelt, dass während Hitzewellen die Inanspruchnahme ambulanter psychiatrischer Dienste um sieben Prozent und die Krankenhauseinweisungen aufgrund psychischer Probleme um sechs Prozent zunehmen. Hitze führt zu Dehydrierung, Schlafmangel und einer zusätzlichen Belastung des Organismus, was Konzentration, Stimmung und emotionale Regulation beeinträchtigt. Betroffene berichten von Reizbarkeit, Angstzuständen, depressiven Verstimmungen und dem Gefühl, selbst einfache Aufgaben verlangten mehr Kraft.
Die regionale Verteilung der zusätzlichen Hitzebelastung ist ungleich. Die höchste Exposition verzeichnen Afrika südlich der Sahara, Süd- und Südostasien, die Arabische Halbinsel und der Mittelmeerraum. Ein UNICEF-Bericht beziffert die Zahl der Kinder, die bereits regelmäßig Hitzewellen ausgesetzt sind, auf 559 Millionen. In Städten verschärft der Wärmeinseleffekt die Situation: Die Temperaturen liegen dort um bis zu drei Grad über jenen des Umlands, besonders nachts. Menschen in schlecht isolierten Wohnungen, Alleinlebende und Personen mit vorbestehenden psychischen Erkrankungen gelten als besonders vulnerabel.
Alltägliche Gewohnheiten können die Stressbelastung zusätzlich erhöhen. Unregelmäßige Schlafenszeiten, eine stark schwankende Zuckeraufnahme, Bewegungsmangel, übermäßiger Koffeinkonsum und das Fehlen klarer Grenzen zwischen Arbeit und Erholung begünstigen die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol. Umgekehrt kann ein kurzer Mittagsschlaf von 20 bis 30 Minuten Wachheit, Stimmung und Gedächtnisleistung verbessern, wie mehrere Untersuchungen zeigen. Der niederländische Forscher Cecil Konijnendijk empfiehlt für Städte die 3-30-300-Regel: Jeder Bewohner sollte von seiner Wohnung aus mindestens drei Bäume sehen, in einem Viertel mit 30 Prozent Baumkronenbedeckung leben und höchstens 300 Meter von einem öffentlichen Grünraum entfernt wohnen.
Die Befunde unterstreichen die Dringlichkeit, Treibhausgasemissionen zu senken und gleichzeitig Anpassungsmaßnahmen voranzutreiben. Dazu zählen Hitzewarnsysteme, die Entsiegelung und Begrünung urbaner Flächen sowie der gezielte Schutz von Risikogruppen. Städte wie Paris, Kopenhagen und Barcelona haben bereits damit begonnen, ihre Infrastruktur nach solchen Prinzipien umzugestalten.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die kontinentaleuropäische Presse stellt den Anstieg des Hitzestresses als schwere Gesundheitskrise dar und betont, dass nicht nur die körperliche, sondern auch die psychische Gesundheit stark beeinträchtigt wird – mit Reizbarkeit, Angst, Depression und Schlafverlust. Städtische Wärmeinseln machen die Nächte unerträglich, und das Problem verschärft sich und erfordert dringende Aufmerksamkeit.
Chinesische Medien stellen den Anstieg des Hitzestresses als direkte Folge des Klimawandels dar und weisen darauf hin, dass nun eine Milliarde Menschen mehr betroffen sind. Sie betonen, dass Europa derzeit unter brutalen Hitzewellen leidet, und deuten damit implizit an, dass die Industrienationen nicht immun gegen die Klimakrise sind, zu der sie beigetragen haben.
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