
Ein Finger, vier Mädchen: Die eineiigen Vierlinge von Brisbane und der Schatten der freien Geburt
In Brisbane kamen eineiige Vierlinge zur Welt, ein Ereignis von extremer Seltenheit, während ein Gericht den vermeidbaren Tod eines Neugeborenen bei einer Hausgeburt untersuchte.
Es war das Bild einer winzigen Hand, die einen erwachsenen Finger umschloss, das die Mutter Jenitar Na’amoana in den Tagen nach der Geburt in den sozialen Medien teilte. „Jeden Tag, an dem unsere Wunderbabys stärker werden, ist ein weiteres erhörtes Gebet“, schrieb sie dazu. Am 14. Juli, in der 28. Schwangerschaftswoche und vier Tagen, hatte sie im Royal Brisbane and Women’s Hospital vier Mädchen per Kaiserschnitt zur Welt gebracht: Emily, Harriet, Catherine und Alexa. Es war keine gewöhnliche Mehrlingsgeburt, sondern eine, die selbst erfahrene Perinatalmediziner als „beispiellos“ bezeichnen.
Die vier Schwestern sind eineiige, monozygote Vierlinge – entstanden aus einer einzigen befruchteten Eizelle, die sich in vier Embryonen teilte. Die behandelnde Ärztin Alexa Bendall, Spezialistin für Mutter-Fetal-Medizin, bezifferte die Wahrscheinlichkeit einer solchen Konstellation auf etwa eins zu 15 Millionen. Noch seltener, so Bendall, sei der Umstand, dass sich die Vierlinge eine gemeinsame Plazenta teilten: „Das ist wirklich unbekannt – wir glauben nicht, dass es so etwas in Australien je gegeben hat.“ Die Schwangerschaft galt als extrem risikoreich; die Mutter wurde bereits in der 25. Woche stationär aufgenommen. Dass es gelang, die Geburt bis zur 28. Woche hinauszuzögern und vier gesunde Mädchen zu entbinden, wertete das medizinische Team als außergewöhnlichen Erfolg. Eine der Töchter trägt nun den Namen der Ärztin – eine Geste, die Bendall als „wunderschöne Ehrerbietung“ bezeichnete.
Für die Familie Na’amoana bedeutete die Geburt eine Verdoppelung der Kinderzahl von vier auf acht. Die älteren Geschwister sind zwischen einem und zehn Jahren alt. Die Mutter hat eine Online-Spendenkampagne gestartet, um einen Kleinbus mit mindestens zehn Sitzplätzen und die laufenden Kosten für die Versorgung der Frühgeborenen zu finanzieren. „Während unsere Herzen vor Dankbarkeit überfließen, hat die gleichzeitige Fürsorge für vier Neugeborene Herausforderungen mit sich gebracht, die wir uns nie hätten vorstellen können“, schrieb sie. Der Verband für Mehrlingsgeburten in Brisbane sagte der Familie praktische Unterstützung zu. Die vier Mädchen bleiben bis zum errechneten Geburtstermin auf der Neugeborenen-Intensivstation, entwickeln sich nach Angaben der Klinik jedoch „ausgesprochen gut“.
Nur wenige Monate zuvor, im Oktober 2024, hatte sich an der Sunshine Coast, ebenfalls in Queensland, ein Geburtsdrama ganz anderer Art ereignet. Ein Mädchen, in den Ermittlungsakten „Baby M“ genannt, starb nach einer sogenannten freien Geburt – einer Hausgeburt ohne medizinische Begleitung. Die Mutter, traumatisiert von einer Notkaiserschnitt-Entbindung ihres ersten Kindes, hatte empfohlene Ultraschalluntersuchungen und Glukosetoleranztests abgelehnt und die privat engagierte Hebamme aus finanziellen Gründen entlassen. Das Kind kam hypoton und ohne Atmung zur Welt; ein befreundeter, dienstfreier Sanitäter leistete Wiederbelebung, doch das Neugeborene verstarb wenige Stunden später im Krankenhaus an einem Mekoniumaspirationssyndrom. Der zuständige Coroner stellte fest, dass das Baby bei rechtzeitiger medizinischer Versorgung „wahrscheinlich überlebt hätte“. Die als Gutachterin hinzugezogene Geburtsmedizinerin Renuka Sekar betonte, es sei entscheidend, dass Kliniken die Geburtstraumata von Frauen ernst nähmen und eine Versorgung anböten, die deren Wünsche respektiere, um eine Abkehr vom konventionellen System zu verhindern.
Beide Fälle, so unterschiedlich sie verliefen, werfen ein Schlaglicht auf die Extreme des Gebärens. Auf der einen Seite das Gelingen einer hochspezialisierten Medizin, die eine Schwangerschaft jenseits aller statistischen Wahrscheinlichkeiten zu einem guten Ende führt. Auf der anderen Seite die stille Tragödie einer Frau, die sich aus Angst vor erneuten Interventionen vollständig aus dem System zurückzog. Während die vier kleinen Schwestern in Brisbane in ihren Inkubatoren heranwachsen und ihre Mutter zwischen Klinik, Zuhause und Spendensammlung pendelt, bleibt die Erinnerung an ein totes Mädchen, dessen Schicksal nach richterlicher Überzeugung vermeidbar gewesen wäre.
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +1.00 | aligned |
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