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Gesellschaft & KulturFreitag, 19. Juni 2026

Die runden Schlüssel: Wie ein Pariser Kurator kurz vor der Pensionierung ein Mozart-Manuskript entdeckte

In der Bibliothèque nationale de France stieß François-Pierre Goy auf ein unscheinbares Heft mit sieben unbekannten Stücken für Flöte und Harfe – authentifiziert vom Mozarteum in Salzburg.

Es war der 2. Februar, ein gewöhnlicher Arbeitstag im Musikdepartement der Bibliothèque nationale de France, als François-Pierre Goy zu einem Stapel anonymer Manuskripte griff. Der Kurator, der sich seit jeher für die «ungeliebten» Stücke ohne Zuschreibung interessierte, wollte vor seinem nahenden Ruhestand noch einige dieser Notenhefte durchsehen. Ein schmales, titelloses Heft von 44 Seiten fiel ihm in die Hände – «es sah nach nichts aus», erinnerte er sich später. Doch beim Durchblättern stutzte er: Die Violinschlüssel waren ungewöhnlich rund und leicht nach vorn geneigt, die Bassschlüssel entgegen der in Frankreich üblichen Richtung gezogen, die Akkoladen mit zwei schrägen Strichen versehen. Goy hatte wenige Wochen zuvor pädagogische Handschriften Mozarts studiert. «Könnte es nicht von ihm sein?», fragte er sich. Vergleiche mit digitalisierten Autographen, das französische Papier und dieselben Stempel wie auf einer Kopie des Flöten-Harfen-Konzerts, das der Herzog von Guînes bei Mozart in Auftrag gegeben hatte, erhärteten den Verdacht. Ende April bestätigte die Leiterin der Bibliotheca Mozartiana des Mozarteums in Salzburg, Armin Brinzing, die Echtheit.

Das Heft enthält rund ein Dutzend täglicher Kompositionslektionen, die Mozart zwischen Mai und Juli 1778 in Paris der jungen Marie-Louise-Philippine de Bonnières de Guînes erteilte. Sie war eine ausgezeichnete Harfenistin, Tochter des Herzogs von Guînes, der selbst als Flötist bekannt war und am Hof Marie-Antoinettes verkehrte. In den sieben kurzen Stücken für Flöte und Harfe – das letzte blieb unvollendet – mischen sich die Handschriften von Lehrer und Schülerin in wechselnden Anteilen. Stets geht die musikalische Idee von Mozart aus; dann schrieb er etwa den Harfenpart und überließ der Herzogstochter die Flötenstimme, oder sie tauschten die Rollen. Das Manuskript gelangte aller Wahrscheinlichkeit nach während der Revolutionswirren in die Bibliothek: 1794 wurde das Haus des Herzogs konfisziert, zwei Bündel mit Notenmaterial gingen in den folgenden Jahren an die damalige Nationalbibliothek.

Für die Musikwelt ist der Fund eine Seltenheit. «Entdeckungen zu einem so berühmten Komponisten macht man fast nie», sagte Mathias Auclair, Direktor des Musikdepartements der BnF. Mozarts letzter Paris-Aufenthalt im Jahr 1778, in den die Handschrift fällt, ist nur spärlich dokumentiert; das Heft wirft neues Licht auf den jungen Lehrer, der im Dialog mit seiner ersten bekannten Kompositionsschülerin stand. Für Harfenisten und Flötisten, die über ein «sehr kleines Repertoire» verfügen, bedeutet der Fund eine willkommene Bereicherung. Die sieben Stücke summieren sich auf etwa zwanzig Minuten Musik – ein schmales, aber kostbares Zeugnis einer wenig beleuchteten Schaffensphase.

Am Sonntag, dem 21. Juni, werden die Noten erstmals öffentlich erklingen. Im Rahmen der Fête de la musique spielen die Flötistin Mathilde Caldérini und der Harfenist Nicolas Tulliez, beide Mitglieder des Orchestre Philharmonique de Radio France, die Stücke im Ovalen Saal der Bibliothèque nationale. Die Partituren erhielten sie erst eine Woche zuvor, unter Auflagen der Geheimhaltung. Am Montag darauf überträgt France Musique die Aufzeichnung. Dass eine Handschrift nach fast zweieinhalb Jahrhunderten des Schweigens plötzlich zum Klingen gebracht wird, verleiht dem Konzert eine eigentümliche Spannung – nicht als spektakuläre Inszenierung, sondern als behutsame Freilegung einer verschütteten Lehrer-Schüler-Beziehung.

In dem unscheinbaren Heft, das François-Pierre Goy an jenem Februartag aufschlug, überdauerten die runden Schlüssel und die abwechselnden Schriftzüge die Zeitläufte. Was einst im Paris der Aufklärung als pädagogische Übung gedacht war, tritt nun als klingendes Dokument hervor – kein vollendetes Meisterwerk, aber ein intimer Blick auf den Alltag eines Genies, das einer jungen Aristokratin die Kunst des Komponierens nahebrachte.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 6 Sprachen

44%
TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Stampa russa e CSIStampa del Golfo arabo
Stampa russa e CSI/ stato
distaccopragmatismo

Die französische Nationalbibliothek hat ein bisher unbekanntes Mozart-Manuskript aus seinem Paris-Aufenthalt 1778 identifiziert. Das 44-seitige Heft enthält Übungen für die Tochter eines Herzogs aus dem Umkreis Marie-Antoinettes, und die neu entdeckten Stücke werden am Tag der Musik auf France Musique ausgestrahlt.

Stampa del Golfo arabo
trionfopragmatismo

Die Neugier eines fleißigen Angestellten kurz vor der Pensionierung führte zur Entdeckung eines verborgenen Schatzes: eines Mozart-Manuskripts mit Lektionen und Kompositionen für eine Herzogin. Der Fund wurde von Experten, darunter der Mozart-Bibliothek in Salzburg, bestätigt.

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Die runden Schlüssel: Wie ein Pariser Kurator kurz vor der Pensionierung ein Mozart-Manuskript entdeckte

In der Bibliothèque nationale de France stieß François-Pierre Goy auf ein unscheinbares Heft mit sieben unbekannten Stücken für Flöte und Harfe – authentifiziert vom Mozarteum in Salzburg.

Es war der 2. Februar, ein gewöhnlicher Arbeitstag im Musikdepartement der Bibliothèque nationale de France, als François-Pierre Goy zu einem Stapel anonymer Manuskripte griff. Der Kurator, der sich seit jeher für die «ungeliebten» Stücke ohne Zuschreibung interessierte, wollte vor seinem nahenden Ruhestand noch einige dieser Notenhefte durchsehen. Ein schmales, titelloses Heft von 44 Seiten fiel ihm in die Hände – «es sah nach nichts aus», erinnerte er sich später. Doch beim Durchblättern stutzte er: Die Violinschlüssel waren ungewöhnlich rund und leicht nach vorn geneigt, die Bassschlüssel entgegen der in Frankreich üblichen Richtung gezogen, die Akkoladen mit zwei schrägen Strichen versehen. Goy hatte wenige Wochen zuvor pädagogische Handschriften Mozarts studiert. «Könnte es nicht von ihm sein?», fragte er sich. Vergleiche mit digitalisierten Autographen, das französische Papier und dieselben Stempel wie auf einer Kopie des Flöten-Harfen-Konzerts, das der Herzog von Guînes bei Mozart in Auftrag gegeben hatte, erhärteten den Verdacht. Ende April bestätigte die Leiterin der Bibliotheca Mozartiana des Mozarteums in Salzburg, Armin Brinzing, die Echtheit.

Das Heft enthält rund ein Dutzend täglicher Kompositionslektionen, die Mozart zwischen Mai und Juli 1778 in Paris der jungen Marie-Louise-Philippine de Bonnières de Guînes erteilte. Sie war eine ausgezeichnete Harfenistin, Tochter des Herzogs von Guînes, der selbst als Flötist bekannt war und am Hof Marie-Antoinettes verkehrte. In den sieben kurzen Stücken für Flöte und Harfe – das letzte blieb unvollendet – mischen sich die Handschriften von Lehrer und Schülerin in wechselnden Anteilen. Stets geht die musikalische Idee von Mozart aus; dann schrieb er etwa den Harfenpart und überließ der Herzogstochter die Flötenstimme, oder sie tauschten die Rollen. Das Manuskript gelangte aller Wahrscheinlichkeit nach während der Revolutionswirren in die Bibliothek: 1794 wurde das Haus des Herzogs konfisziert, zwei Bündel mit Notenmaterial gingen in den folgenden Jahren an die damalige Nationalbibliothek.

Für die Musikwelt ist der Fund eine Seltenheit. «Entdeckungen zu einem so berühmten Komponisten macht man fast nie», sagte Mathias Auclair, Direktor des Musikdepartements der BnF. Mozarts letzter Paris-Aufenthalt im Jahr 1778, in den die Handschrift fällt, ist nur spärlich dokumentiert; das Heft wirft neues Licht auf den jungen Lehrer, der im Dialog mit seiner ersten bekannten Kompositionsschülerin stand. Für Harfenisten und Flötisten, die über ein «sehr kleines Repertoire» verfügen, bedeutet der Fund eine willkommene Bereicherung. Die sieben Stücke summieren sich auf etwa zwanzig Minuten Musik – ein schmales, aber kostbares Zeugnis einer wenig beleuchteten Schaffensphase.

Am Sonntag, dem 21. Juni, werden die Noten erstmals öffentlich erklingen. Im Rahmen der Fête de la musique spielen die Flötistin Mathilde Caldérini und der Harfenist Nicolas Tulliez, beide Mitglieder des Orchestre Philharmonique de Radio France, die Stücke im Ovalen Saal der Bibliothèque nationale. Die Partituren erhielten sie erst eine Woche zuvor, unter Auflagen der Geheimhaltung. Am Montag darauf überträgt France Musique die Aufzeichnung. Dass eine Handschrift nach fast zweieinhalb Jahrhunderten des Schweigens plötzlich zum Klingen gebracht wird, verleiht dem Konzert eine eigentümliche Spannung – nicht als spektakuläre Inszenierung, sondern als behutsame Freilegung einer verschütteten Lehrer-Schüler-Beziehung.

In dem unscheinbaren Heft, das François-Pierre Goy an jenem Februartag aufschlug, überdauerten die runden Schlüssel und die abwechselnden Schriftzüge die Zeitläufte. Was einst im Paris der Aufklärung als pädagogische Übung gedacht war, tritt nun als klingendes Dokument hervor – kein vollendetes Meisterwerk, aber ein intimer Blick auf den Alltag eines Genies, das einer jungen Aristokratin die Kunst des Komponierens nahebrachte.

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Die französische Nationalbibliothek hat ein bisher unbekanntes Mozart-Manuskript aus seinem Paris-Aufenthalt 1778 identifiziert. Das 44-seitige Heft enthält Übungen für die Tochter eines Herzogs aus dem Umkreis Marie-Antoinettes, und die neu entdeckten Stücke werden am Tag der Musik auf France Musique ausgestrahlt.

Stampa del Golfo arabo
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Die Neugier eines fleißigen Angestellten kurz vor der Pensionierung führte zur Entdeckung eines verborgenen Schatzes: eines Mozart-Manuskripts mit Lektionen und Kompositionen für eine Herzogin. Der Fund wurde von Experten, darunter der Mozart-Bibliothek in Salzburg, bestätigt.

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