
Dubai plant neuen Hafen in Fujairah zur Umgehung der Straße von Hormus
Nach dem Einbruch des Containerumschlags in Jebel Ali um 90 Prozent treibt DP World ein Ausweichprojekt an der Ostküste der VAE voran – auch andere Golfstaaten suchen Alternativen.
Der staatlich kontrollierte Hafenbetreiber DP World führt Gespräche über den Bau eines neuen Mehrzweckhafens und eines Containerterminals im Küstengebiet von Fujairah an der Ostküste der Vereinigten Arabischen Emirate. Auslöser ist der massive Einbruch des Umschlagvolumens im bisherigen Drehkreuz Jebel Ali: Nachdem Iran die Straße von Hormus als Reaktion auf US-amerikanische und israelische Militärschläge gesperrt hatte, sank der Durchsatz dort nach Angaben der Financial Times um 90 bis 95 Prozent. Die tägliche Zahl der Schiffsdurchfahrten durch die Meerenge fiel von rund 135 auf kaum mehr als 40, selbst nach einer vorübergehenden Wiedereröffnung im Zuge eines brüchigen Waffenstillstands.
Das geplante Projekt am Golf von Oman würde es Containerschiffen ermöglichen, die VAE anzulaufen, ohne die Straße von Hormus passieren zu müssen. Die Waren könnten anschließend auf dem Landweg per Lastwagen nach Dubai, Abu Dhabi und in benachbarte Golfstaaten transportiert werden. DP World rechnet mit einer Bauzeit von etwa 18 Monaten und einem anfänglichen Investitionsvolumen im dreistelligen Millionen-Dollar-Bereich. Eine endgültige Entscheidung über Struktur und Finanzierung steht noch aus; das Unternehmen selbst bestätigt lediglich, dass Pläne zur Diversifizierung der Betriebsabläufe geprüft werden. Vertreter aus der Golfregion betonen, Jebel Ali mit seiner über Jahrzehnte gewachsenen Freihandelszone werde nicht ersetzt, sondern durch die neue Ostküstenpräsenz ergänzt.
Die Initiative ist Teil einer breiteren strategischen Neuausrichtung der Anrainerstaaten, die ihre Abhängigkeit von der verwundbaren Meerenge verringern wollen. Saudi-Arabien plant eine weitere Pipeline zum Roten Meer, um Energieexporte über Westküstenhäfen abzuwickeln. Im Oman vereinbarten die staatliche Asyad Group und die französische Reederei CMA CGM den Bau eines 400 Millionen Dollar teuren Logistikterminals in Sohar, das als landseitiger Korridor für Golfhandel außerhalb der Straße von Hormus dienen soll. Auch der Irak und Kuwait prüfen Ausweichrouten. Die VAE selbst traten Ende April 2026 nach 59 Jahren aus der OPEC aus – ein Schritt, der nach Darstellung des Middle East Council of Global Affairs die energiepolitische Handlungsfreiheit Abu Dhabis erhöht.
Aus Washingtoner Sicht wird die Kontrolle über die Straße von Hormus zunehmend als sicherheitspolitisches Druckmittel behandelt. Präsident Donald Trump erklärte, die USA würden als „Wächter“ der Wasserstraße auftreten und eine Abgabe von 20 Prozent des Ladungswerts erheben; zugleich kündigte er die Wiederaufnahme einer Seeblockade gegen iranische Häfen an. In der Region hat die Konfrontation die VAE nach FT-Angaben besonders hart getroffen: Fast 3.000 Drohnen und Raketen sollen seit Ende Februar auf das Land abgefeuert worden sein, darunter ein Angriff, der in Jebel Ali ein Feuer auslöste.
Die nächste greifbare Etappe ist der Abschluss der Verhandlungen zwischen DP World und den lokalen Behörden in Fujairah. Sollte das Projekt wie anvisiert innerhalb von 18 Monaten realisiert werden, stünde dem Golfhandel ein Korridor zur Verfügung, der die strategische Bedeutung der Straße von Hormus zwar nicht aufhebt, aber die Verwundbarkeit der Lieferketten spürbar verringert.
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| Kontinentaleuropäische Presse | 0.00 | neutral |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.60 | critical |
Dubai handelt pragmatisch, um seine Routen zu diversifizieren, ohne geopolitische Risiken zu dramatisieren.
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