
Der Präsident und die Jacke: Warum Javier Milei das WM-Finale daheim verfolgt
Aus Aberglauben bleibt Argentiniens Staatschef der Finalpartie fern und setzt auf eine schwere Jacke – ein Ritual, das tief in der Kultur des Landes verwurzelt ist.
Es war der Moment, als Javier Milei die Jacke auszog. Im Viertelfinale gegen die Schweiz, so erzählte er es dem Radiosender El Observador, sei ihm in der schweren, mit dem Logo der staatlichen Ölgesellschaft YPF bestickten Jacke zu warm geworden. Er legte sie ab – und prompt kassierte Argentinien ein Gegentor. Sofort zog er sie wieder an und hat sie seither nicht mehr abgelegt. Diese Anekdote, so kurios sie klingen mag, ist der Schlüssel zu einer Entscheidung, die in diesen Tagen in Buenos Aires für Gesprächsstoff sorgt: Der Präsident wird nicht zum Finale der Fußball-Weltmeisterschaft nach New Jersey reisen.
Am Sonntag trifft Argentinien im MetLife-Stadion auf Spanien. Während König Felipe VI. und US-Präsident Donald Trump ihre Anwesenheit zugesagt haben, bleibt Milei in der Quinta de Olivos, seinem Amtssitz. „Unter keinen Umständen“, so der Präsident, werde er sein Glücksritual brechen. Seit sieben Spielen verfolgt er die Partie im Kinosaal der Residenz, stets in derselben Jacke, stets an derselben Stelle. Der Aberglaube wiegt schwerer als die Staatsräson.
In Argentinien hat dieser Aberglaube einen Namen: Cábalas. Es sind rituelle Handlungen, die das Schicksal des Teams beeinflussen sollen – und sie durchdringen alle Schichten der Gesellschaft. Der Buchhalter Andrés González aus dem Arbeiterviertel Liniers etwa verbietet jedem, während des Spiels den Platz zu wechseln; wer zur Toilette geht, während ein Tor fällt, muss dort ausharren. Die Rentnerin Lidia Otero drehte ihren Hund um, als Argentinien gegen England in Rückstand geriet – und tatsächlich fiel kurz darauf der Ausgleich. In einem viralen Video ist zu sehen, wie eine Gruppe von Fans während des Ägypten-Spiels in der Bibel zu lesen begann, just als die Tore fielen; seither wiederholen sie die Lesung bei jeder Partie. Selbst das Einfrieren von Fotos oder Trikots gegnerischer Spieler gehört zum Repertoire.
Die Cábalas sind mehr als folkloristische Marotten. Der Soziologe Diego Murcí erklärt, die Argentinier fühlten sich nicht als bloße Zuschauer, sondern als Teil des Geschehens. Die Rituale gäben ihnen das Gefühl, das Spiel aktiv mitzugestalten. Diese Haltung reicht bis in die Spitze des Staates. Schon 1990 reiste Präsident Carlos Menem zur Mannschaft, die daraufhin ihr Auftaktspiel gegen Kamerun verlor – Menem galt fortan als „Mufa“, als Unglücksbringer. Seither hat kein amtierender Präsident mehr ein Spiel der Nationalelf besucht.
So wird Javier Milei am Sonntagabend im Kinosaal von Olivos sitzen, die schwere YPF-Jacke über den Schultern, während in New Jersey die Hymnen erklingen. Vielleicht wird er, wie Millionen seiner Landsleute, kurz den Atem anhalten, wenn der Ball rollt – und darauf vertrauen, dass die Cábala hält.
| Lateinamerikanische Presse | +0.10 | neutral |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.20 | neutral |
| Subsaharisch-afrikanische Presse | 0.00 | neutral |
Milei hält an seiner Tradition fest: Die Cábala ist heilig, und das Finale wird von Olivos aus mit der Glücksjacke verfolgt.
Die Erzählung normalisiert den Aberglauben, indem sie ihn in die argentinische Fußballleidenschaft einbettet und die eigenen Worte des Präsidenten nutzt, um ihn sympathisch und nahbar zu machen.
Jegliche Kritik oder Andeutung von Irrationalität wird ausgelassen, was den Präsidenten weniger ernst erscheinen lassen könnte.
Der argentinische Präsident zeigt irrationalen Aberglauben, indem er sich weigert, zum Finale zu reisen.
Der Bericht verwendet das Etikett 'superstitieux', um subtil zu kritisieren und zu implizieren, dass ein Führer rational sein sollte und nicht von solchen Überzeugungen regiert werden sollte.
Das humorvolle Detail über das Schwitzen und der kulturelle Kontext der Cábala als gängige Praxis werden weggelassen, was die Entscheidung exzentrischer erscheinen lässt.
Der argentinische Präsident erklärt seine Entscheidung, nicht am Finale teilzunehmen, aus Aberglauben, eine kuriose, aber unbedeutende Tatsache.
Die Geschichte präsentiert die Entscheidung als eine direkte Erklärung ohne Kommentar, wodurch sie banal und nicht nachrichtenwürdig erscheint.
Die kulturelle Normalisierung der Cábala und die humorvollen Kommentare des Präsidenten werden weggelassen, was der Geschichte ihre lokale Farbe nimmt.
Erweitere deinen Horizont
Indiens „Kakerlaken“-Proteste: Hungerstreik beendet, doch Rücktrittsforderung bleibt
11 Sprachen · 28 Quellen
Aus Economy & MarketsUniCredit erhöht Gewinnziele und rechnet fest mit Commerzbank-Übernahme
3 Sprachen · 6 Quellen
Aus TechnologyElon Musk zieht Bilanz: Politische Reue und ungebremster Techno-Optimismus
3 Sprachen · 5 Quellen