
Die stille Macht der Pässe: 188 Länder, 44 Länder und eine wachsende Kluft
Der neue Henley Passport Index zeigt den historischen Aufstieg der Emirate, das Abrutschen Nigerias und eine globale Mobilität, die so ungleich ist wie nie zuvor.
Das grelle Licht des Smartphone-Bildschirms spiegelte sich in den Augen eines jungen Nigerianers, der an einem stickigen Nachmittag in Lagos die aktualisierte Liste der visafreien Reiseziele überflog. Barbados, Fidschi, Vanuatu – Namen, die nach Ferne und Salzluft klangen, doch die Zahl daneben blieb unverändert: 44. Wenige Stunden zuvor hatte die Londoner Beratung Henley & Partners ihren Passport Index für Juli 2026 veröffentlicht, und Nigeria war auf Platz 90 gerutscht, gleichauf mit der Demokratischen Republik Kongo. Der Bildschirm zeigte eine Weltkarte, auf der sich die Reisefreiheit in blassen Farben verteilte, und der junge Mann legte das Telefon für einen Moment beiseite.
Der Index, der auf exklusiven IATA-Timatic-Daten beruht, erzählt in diesem Jahr vor allem eine Geschichte aus der Golfregion. Der Pass der Vereinigten Arabischen Emirate kletterte auf den zweiten Platz und gewährt nun Zugang zu 188 Zielen ohne vorheriges Visum – ein Sprung, der in der zwanzigjährigen Geschichte des Rankings beispiellos ist. 2006 waren es gerade einmal 35 Länder. Dr. Christian H. Kaelin, Chairman von Henley & Partners, sieht in der Passstärke einen Ausdruck geopolitischen Kapitals: „Die stärksten Pässe gehören Nationen, die andere Länder als Partner für Handel, Investitionen und Sicherheit gewinnen wollen.“ Singapur verteidigte mit 192 Zielen die Spitze, während Japan und Südkorea gemeinsam mit den Emiraten den zweiten Rang teilen. Für deutsche, österreichische und Schweizer Staatsbürger, deren Pässe mit 186 beziehungsweise 185 Zielen im oberen Feld liegen, wirkt diese Rangliste vertraut – doch der Index legt eine Verschiebung der Kräfte offen, die weit über Europa hinausreicht.
Aus afrikanischer Perspektive bleibt das Bild gespalten. Südafrika führt den Kontinent mit 101 visafreien Zielen an, gefolgt von Botswana und Namibia. Nigerias Abrutschen um einen Platz, obwohl die Zahl der zugänglichen Länder stabil blieb, verweist auf die relative Dynamik anderer Nationen. Während ein nigerianischer Passinhaber etwa per Visum bei Ankunft in den Libanon einreisen kann – Beirut listet dreizehn afrikanische Staaten für diese Regelung –, fehlt das Land zugleich in der IATA-Statistik der weltweit größten Passagiermärkte. Die verkehrsreichste innerafrikanische Flugverbindung bleibt die Strecke Kapstadt–Johannesburg mit 3,4 Millionen Passagieren; nigerianische Flughäfen tauchen in den globalen Top-Rängen nicht auf. In Asien wiederum verbesserte sich der philippinische Pass auf Platz 72 und liegt damit zehn Ränge über seinem Pandemie-Tief, während Bangladesch und Nordkorea nun gemeinsam auf Rang 97 stehen – beide mit Zugang zu 35 Ländern. Aus lateinamerikanischer Sicht führt Chile die Region mit 174 Zielen an, vor Argentinien und Brasilien.
Die Zahlen zeichnen eine Welt, in der die Schere der Reisefreiheit weiter auseinandergeht als je zuvor. Zwischen Singapurs 192 und Afghanistans 22 Destinationen liegen 170 Länder – eine Kluft, die sich in zwanzig Jahren um 52 Ziele vergrößert hat. Für den jungen Mann in Lagos sind es nicht nur Statistiken. Es sind die Namen von Inseln, die auf seinem Bildschirm leuchten, während draußen der Verkehr tost, und die Frage, wann aus einer Liste von 44 Ländern mehr werden könnte als eine stille Verheißung.
| Arabische Golfpresse | +1.00 | aligned |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.50 | critical |
| Subsaharisch-afrikanische Presse | −0.70 | critical |
| Lateinamerikanische Presse | +0.60 | aligned |
Die VAE feiern ihren Pass als Symbol erfolgreicher Diplomatie und globaler Mobilität.
Der Block präsentiert den Aufstieg des Passes als lineare, staatlich gesteuerte Errungenschaft, schreibt den Erfolg strategischen diplomatischen Beziehungen zu und stellt den Index als Bestätigung nationaler Macht dar.
Der Block lässt den breiteren Kontext der globalen Mobilitätsungleichheit aus, wie den Niedergang des US-Passes und die niedrigen Platzierungen afrikanischer und südasiatischer Länder, die in anderen Blöcken hervorgehoben werden.
Die USA sehen den Niedergang ihres Passes als Symptom einer schwindenden globalen Stellung und diplomatischen Schwäche.
Der Block verwendet eine Erzählung des Niedergangs, die vergangene Dominanz mit aktueller Mittelmäßigkeit kontrastiert, und stellt das Ranking als Metrik verlorenen Einflusses dar.
Der Block lässt den historischen Aufstieg der VAE und die positiven Geschichten anderer Länder aus und konzentriert sich ausschließlich auf den US-Absturz.
Nigeria und andere afrikanische Nationen beklagen ihre niedrigen Pass-Rankings als Beweis für systemische globale Ungleichheit und eingeschränkte Mobilität.
Der Block verwendet eine Erzählung von Opferrolle und strukturellem Nachteil, konzentriert sich auf die Kluft zwischen mächtigen und schwachen Pässen und deutet auf Ungerechtigkeit im globalen System hin.
Der Block lässt die Erfolgsgeschichte der VAE und den US-Niedergang aus und konzentriert sich nur auf die niedrige Platzierung Nigerias und die allgemeine afrikanische Schwäche.
Chile ist stolz auf die Platzierung seines Passes als stärkster in Lateinamerika und hebt seine internationale Integration und seinen diplomatischen Erfolg hervor.
Der Block verwendet eine Erzählung von regionaler Führung und Errungenschaft und stellt das Ranking als Bestätigung der Offenheit und des globalen Engagements Chiles dar.
Der Block lässt die breitere Ungleichheitsgeschichte aus, wie die niedrigen Platzierungen anderer lateinamerikanischer Länder und den globalen Niedergang des US-Passes, und konzentriert sich nur auf Chiles Erfolg.
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