
Chamenei in Maschhad beigesetzt – Eskalation zwischen USA und Iran überschattet Trauer
Die Beisetzung des im Februar getöteten iranischen Führers endete mit Massenkundgebungen, während neue US-Luftangriffe und iranische Vergeltungsschläge das fragile Waffenstillstandsabkommen gefährden.
Die sterblichen Überreste des früheren iranischen Obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei sind am späten Donnerstagabend in der Gebetshalle Dar al-Dhikr des Imam-Reza-Schreins in Maschhad beigesetzt worden. Die Beisetzung bildete den Abschluss einer fast einwöchigen Trauerprozession, die Millionen Menschen in Teheran, Ghom, Nadschaf, Kerbela und schließlich Maschhad auf die Straßen brachte. Die Zeremonie wurde jedoch von einer neuen Eskalation der Feindseligkeiten zwischen den USA und Iran überschattet: Wenige Stunden zuvor hatten US-Streitkräfte nach iranischen Angaben eine Eisenbahnbrücke auf der Strecke von Teheran nach Maschhad bombardiert, was die Anreise tausender Trauernder behinderte.
Aus Teheraner Sicht dienten die choreografierten Trauerfeiern der Demonstration von Einheit und Stärke nach einem Krieg, der Tausende Tote forderte, und nach Massenprotesten im Januar, die gewaltsam niedergeschlagen wurden. Iranische Staatsmedien bezifferten die Teilnehmerzahl auf bis zu 43 Millionen und sprachen von der „größten Prozession, die die Welt je gesehen hat“. In den Menschenmengen wurden Racheparolen gegen US-Präsident Donald Trump und den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu skandiert. Aus Washington hingegen hieß es, die nächtlichen Angriffe hätten der Fähigkeit Irans gegolten, die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus zu bedrohen. Trump warnte, die Schläge könnten „noch viel schlimmer“ werden. Die iranischen Revolutionsgarden reklamierten ihrerseits Vergeltungsangriffe auf US-Militäreinrichtungen in Kuwait, Bahrain und Katar für sich.
Die Abwesenheit des neuen Obersten Führers Mojtaba Chamenei, der bei demselben Angriff am 28. Februar, bei dem sein Vater und mehrere Familienmitglieder getötet wurden, Berichten zufolge schwer verwundet worden war, warf Fragen zur Stabilität des Führungswechsels auf. Der 56-Jährige hat sich seit seiner Ernennung nicht öffentlich gezeigt und kommunizierte nur über schriftliche Erklärungen. Beobachter in der Region werteten die Trauerfeiern daher auch als Versuch des Establishments, Handlungsfähigkeit zu signalisieren. Die Zeremonien in den irakischen Pilgerstädten Nadschaf und Kerbela, die auf Bitten irakischer Religionsgelehrter stattfanden, unterstrichen zudem die enge Bindung zwischen Teheran und schiitischen Netzwerken im Nachbarland. Der iranische Präsident Massud Peseschkian dankte Bagdad ausdrücklich für die „großzügige Gastfreundschaft“.
Chamenei hatte die Islamische Republik seit 1989 mit harter Hand geführt und einen konfrontativen Kurs gegenüber den USA und Israel verfolgt. Sein Tod am ersten Tag des US-israelischen Krieges gegen Iran löste eine 40-tägige militärische Auseinandersetzung aus. Ein vor drei Wochen unterzeichnetes vorläufiges Abkommen zur Beendigung des Krieges ist durch den jüngsten Schlagabtausch akut gefährdet. Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf anonyme Quellen, Israel habe die USA vor einem neuen iranischen Anschlagsplan gegen Trump gewarnt. Während die Trauerfeiern offiziell endeten, bleibt die Lage angespannt: Die US-Streitkräfte erklärten, Dutzende iranische Raketen und Drohnen seien abgefangen worden oder hätten keinen nennenswerten Schaden verursacht. Die nächsten Schritte in den indirekten Gesprächen sind ungewiss, und die öffentliche Unsichtbarkeit des neuen Führers nährt Spekulationen über die tatsächlichen Machtverhältnisse in Teheran.
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