
Marokkos späte Wende und Bounous Parade: Niederlande scheitern im Elfmeterschießen
Ein Tor in der Nachspielzeit und ein gehaltener Elfmeter von Yassine Bounou besiegeln das früheste WM-Aus der Niederlande seit Jahrzehnten – Marokko trifft nun auf Kanada.
Ismael Saibari verwandelte den entscheidenden Strafstoß, Yassine Bounou hatte zuvor den Versuch von Crysencio Summerville pariert: Marokko setzte sich in der Nacht zum Dienstag im Estadio Monterrey mit 3:2 im Elfmeterschießen gegen die Niederlande durch und zog ins Achtelfinale der Weltmeisterschaft 2026 ein. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden. Die Niederlande, die in der 72. Minute durch einen Treffer von Cody Gakpo in Führung gegangen waren, kassierten in der ersten Minute der Nachspielzeit den Ausgleich durch einen Kopfball von Issa Diop. In der Verlängerung vergab Soufiane Rahimi die größte Chance der Marokkaner, als Bart Verbruggen im niederländischen Tor eine Glanzparade zeigte.
Die Partie war von Beginn an von hoher Intensität und zahlreichen Zweikämpfen geprägt. Marokko, das im gesamten Turnierverlauf auf eine stabile Defensive und schnelles Umschaltspiel setzt, übernahm zunehmend die Kontrolle und verzeichnete laut Statistiken rund 65 Prozent Ballbesitz. Achraf Hakimi traf in der zweiten Halbzeit die Latte, und Verbruggen musste mehrfach in höchster Not retten. Auf der anderen Seite nutzten die Niederlande eine ihrer wenigen klaren Chancen: Nach einer Hereingabe von Summerville schob Gakpo den Ball über die Linie. Der Stürmer, der wenige Tage zuvor den Verlust seines ungeborenen Kindes öffentlich gemacht hatte, sank nach dem Tor zu Boden und wurde von seinen Mitspielern getröstet – eine Szene, die weltweit Anteilnahme auslöste.
Aus marokkanischer Sicht wertete Trainer Mohamed Ouahbi die defensive Grundausrichtung der Niederländer mit einer Fünferkette als Zeichen des Respekts. „Marokko hat sich den Respekt aller verdient“, sagte er nach der Partie. In mexikanischen Medien wurde zudem die besondere Atmosphäre hervorgehoben: Zehntausende einheimische Fans unterstützten die marokkanische Mannschaft und skandierten „No era penal“ – eine Anspielung auf das umstrittene Elfmetertor, mit dem die Niederlande 2014 Mexiko aus dem Turnier warfen. Indonesische Beobachter wiederum richteten den Blick auf Justin Kluivert, den Sohn des ehemaligen indonesischen Nationaltrainers Patrick Kluivert, dessen Fehlschuss vom Punkt die niederländische Niederlage mitbesiegelte.
Für die Niederlande ist es das vierte Ausscheiden in einem WM-Elfmeterschießen – gemeinsam mit Spanien Höchstwert in der Turniergeschichte. Marokko hingegen knüpft an den Halbfinaleinzug von 2022 an und bestätigt seinen Platz in der erweiterten Weltspitze. Der Gegner im Achtelfinale am 4. Juli in Houston heißt Kanada, das sich zuvor gegen Südafrika durchgesetzt hatte. Die Atlas-Löwen gehen mit breiter Brust in die Partie, während die Oranje-Elf eine vorzeitige Heimreise antreten muss.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die Golfpresse rahmt Marokkos Sieg als Moment regionalen Stolzes, wobei politische Führer den Atlaslöwen öffentlich gratulieren. Das dramatische Elfmeterschießen wird als Heldentat dargestellt, die die arabische Welt vereint, und betont die Unterstützung der emiratischen Führung. Die Erzählung hebt den Triumph des Außenseiters und die emotionalen Feiern in der gesamten Region hervor.
Subsahara-afrikanische Medien feiern Marokkos Qualifikation als historischen Erfolg für den gesamten Kontinent, da es das erste afrikanische Team ist, das das Achtelfinale erreicht. Der Sieg wird als Demonstration der wachsenden Stärke des afrikanischen Fußballs dargestellt, wobei die Niederländer als jüngster gefallener europäischer Riese porträtiert werden. Die Elfmeter-Heldentaten von Bounou und Saibari werden als Moment kollektiven afrikanischen Stolzes bejubelt.
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