
Argentinische Ökonomin Silvana Tenreyro wird neue Chefvolkswirtin des IWF
Die in Tucumán geborene und an der Harvard-Universität promovierte Ökonomin übernimmt am 10. August die Leitung der Forschungsabteilung des Internationalen Währungsfonds.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die argentinisch-britisch-italienische Ökonomin Silvana Tenreyro zur neuen Wirtschaftsberaterin und Direktorin der Forschungsabteilung ernannt. Sie tritt damit die Nachfolge von Pierre-Olivier Gourinchas an, der in die Wissenschaft zurückkehrt. Die 52-Jährige wird ihr Amt am 10. August in Washington antreten und ist nach Gita Gopinath die zweite Frau in dieser Position, die gemeinhin als Chefvolkswirtin des Fonds gilt.
Aus Sicht der IWF-Direktorin Kristalina Georgieva bringt Tenreyro eine außergewöhnliche Kombination aus akademischer Exzellenz und praktischer Politikgestaltung mit. In einer Phase tiefgreifender globaler Transformation und wachsender Unsicherheit werde ihre intellektuelle Führung dazu beitragen, die analytische Arbeit, die multilaterale Überwachung und die Politikberatung des Fonds an der vordersten Front zu halten. Beobachter in London verweisen darauf, dass Tenreyro als externes Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Bank of England zwischen 2017 und 2023 für eine vorsichtige Zinspolitik eintrat und selbst in Phasen hoher Inflation eine expansive Haltung bevorzugte.
Die Ernennung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Weltwirtschaft mit erneuten Inflationsdrucken infolge des Nahostkonflikts, beschleunigten Investitionen in künstliche Intelligenz und wachsenden geopolitischen Spannungen konfrontiert ist. In europäischen Hauptstädten wird die Personalie aufmerksam registriert, da die Forschungsabteilung des IWF mit ihrem halbjährlichen Weltwirtschaftsausblick maßgebliche Prognosen und Handlungsempfehlungen liefert, die auch die wirtschaftspolitische Debatte in Deutschland, Österreich und der Schweiz prägen. Tenreyro, die derzeit die James-E.-Meade-Professur an der London School of Economics innehat und zuvor für die Federal Reserve Bank of Boston sowie die Zentralbank von Mauritius tätig war, berät zudem das KI-Unternehmen Anthropic zu den wirtschaftlichen Folgen künstlicher Intelligenz.
In Washington wird die Entscheidung auch als Signal für eine stärkere Repräsentation von Frauen in internationalen Spitzenämtern gewertet. Die gebürtige Tucumanerin, deren Großvater zu Beginn der argentinischen Militärdiktatur 1976 verschleppt wurde, hatte in einem früheren Interview erklärt, ihr Antrieb sei das Verständnis und die Bekämpfung von Armut, Ungleichheit und Inflation – Probleme, die sie aus ihrer Heimat kenne. Der IWF betont, dass Tenreyro ihre Funktion als eine der wichtigsten Stimmen des Fonds zur Weltwirtschaftslage nutzen werde. Weitere personelle Veränderungen in der Führungsebene des Fonds sind vorerst nicht angekündigt.
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