
Politisch aufgeladenes Unentschieden: Iran trotzt Neuseeland 2:2 zum WM-Auftakt
Vor dem Hintergrund von Protesten, einem Flaggenverbot und einem brüchigen Friedensabkommen erkämpft sich das iranische Team in Los Angeles einen Punkt – und die Gruppe G bleibt völlig offen.
Das erste Spiel der iranischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2026 endete am Montagabend im SoFi Stadium von Los Angeles mit einem 2:2 gegen Neuseeland – ein Ergebnis, das angesichts der beispiellosen politischen Begleitumstände fast zur Nebensache zu werden drohte. Wenige Stunden zuvor war ein vorläufiges Friedensabkommen zwischen den USA und Iran verkündet worden, das den seit Februar schwelenden militärischen Konflikt beenden soll. Vor dem Stadion demonstrierten Hunderte Angehörige der iranisch-amerikanischen Diaspora gegen das Regime in Teheran, schwenkten die vorrevolutionäre Flagge mit Löwe und Sonne und bezeichneten die Auswahl als „Mullahs Mannschaft“. Im Inneren der Arena wurde die Nationalhymne von einem gellenden Mix aus Pfiffen und Jubel begleitet – ein akustisches Abbild der tiefen Spaltung innerhalb der größten iranischen Gemeinschaft außerhalb des Landes.
Dass die Partie überhaupt stattfand, glich einem diplomatischen und logistischen Balanceakt. Nachdem die FIFA den Antrag Irans abgelehnt hatte, die drei Gruppenspiele aus den USA zu verlegen, quartierte sich das Team nicht im ursprünglich vorgesehenen Trainingslager in Arizona ein, sondern in Tijuana, Mexiko, und flog erst am Vortag jeder Begegnung über die Grenze. Spieler wie Kapitän Mehdi Taremi hatten monatelang keine Vereinseinsätze bestritten, weil die kriegerischen Auseinandersetzungen den Spielbetrieb lahmlegten. Ein US-Gericht bestätigte zudem das Verbot politischer Symbole in den Stadien, womit das Zeigen der vorrevolutionären Flagge offiziell untersagt blieb – was zahlreiche Fans jedoch nicht daran hinderte, sie dennoch zu entrollen.
Auf dem Rasen entwickelte sich ein temporeiches Duell, das die fußballerische Dimension trotz aller Überlagerungen zurück ins Zentrum rückte. Neuseeland, die in der FIFA-Weltrangliste am niedrigsten platzierte Mannschaft des Turniers, ging durch Elijah Just bereits in der siebten Minute in Führung. Der Stürmer des schottischen Klubs Motherwell traf auch im zweiten Durchgang (55.) und brachte die „All Whites“ erneut in Front. Iran antwortete jedes Mal mit bemerkenswerter Resilienz: Erst glich Außenverteidiger Ramin Rezaeian in der 32. Minute aus, dann köpfte Mohammad Mohebbi nach einer Stunde zum 2:2-Endstand ein. Die rund 70.000 Zuschauer – mehrheitlich pro-iranisch eingestellt – feierten die Tore mit ohrenbetäubenden „Iran! Iran!“-Rufen und übertönten die vereinzelten Protestbekundungen.
Mit diesem Remis bleibt die Gruppe G nach dem ersten Spieltag vollkommen ausgeglichen. Zuvor hatten sich Belgien und Ägypten in Seattle 1:1 getrennt, sodass alle vier Teams mit einem Punkt und identischer Tordifferenz in die zweite Runde gehen. Aus asiatischer Perspektive fügt sich das Ergebnis in einen bemerkenswerten Trend: Sämtliche sechs AFC-Vertreter – darunter Japan, Südkorea und Saudi-Arabien – blieben in ihren Auftaktpartien ungeschlagen, was die wachsende Konkurrenzfähigkeit der Konföderation unterstreicht.
Für Iran steht nun am kommenden Sonntag erneut in Los Angeles das Duell mit Belgien an, ehe die Gruppenphase in Seattle gegen Ägypten abgeschlossen wird. Die politischen Spannungen werden das Team auch in diesen Partien begleiten, doch der sportliche Auftakt hat gezeigt, dass die Mannschaft von Amir Ghalenoei fähig ist, Widrigkeiten auszublenden und auf dem Platz zu bestehen. Sollte es Iran gelingen, die internen Gräben der Diaspora zumindest für 90 Minuten zu überbrücken, könnte aus dem politischsten Spiel dieser WM noch eine echte sportliche Überraschung erwachsen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Iran und Neuseeland trennten sich in ihrem WM-Auftaktspiel 2:2. Elijah Just traf doppelt für Neuseeland, Ramin Rezaeian und Mohammad Mohebi glichen für Iran aus. Alle vier Teams der Gruppe G haben nun je einen Punkt.
Nach monatelanger Ungewissheit über die Teilnahme Irans aufgrund des Krieges betrat die Mannschaft schließlich das Spielfeld und spielte 2:2 gegen Neuseeland. Die Partie verlief trotz vereinzelter Proteste friedlich, und die Spieler betonten, sie seien hier, um Fußball zu spielen und die Menschen zu vereinen.
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