
Zwei Minuten vor Mitternacht: Nottingham Forest entlässt Vitor Pereira per E-Mail
Der Portugiese führte den Klub zum Klassenerhalt und ins Europa-League-Halbfinale, doch die Trennung erfolgte per E-Mail zwei Minuten vor Ablauf einer Ausstiegsklausel.
Es war ein Abgang, der in seiner bürokratischen Kälte selbst im notorisch flüchtigen Trainergeschäft der Premier League heraussticht. Am Dienstagabend, exakt um 23:58 Uhr Ortszeit, erhielt Vitor Pereira eine elektronische Nachricht: Nottingham Forest teilte dem portugiesischen Übungsleiter mit, dass man den bis 2026 datierten Vertrag nicht fortsetzen werde. Nur zwei Minuten blieben bis zum Erlöschen einer im Kontrakt verankerten Ausstiegsklausel zum 30. Juni. Der 56-Jährige, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits in der Planung der Vorbereitung befand, zeigte sich in einer Stellungnahme „völlig überrascht“ – eine Vorwarnung habe es nicht gegeben.
Dabei hatte Pereira in seinen nur fünf Monaten an der City Ground durchaus Argumente gesammelt. Er übernahm das Team im Februar auf einem Abstiegsplatz und führte es nicht nur zum gesicherten Klassenerhalt, sondern auch bis ins Halbfinale der Europa League – der erste europäische Halbfinaleinzug des Klubs seit 1984. In britischen Medienberichten wird die Trennung denn auch weniger mit sportlichem Misserfolg als mit einem strategischen Richtungswechsel des Eigentümers Evangelos Marinakis begründet. Aus brasilianischer Perspektive, wo Pereira 2022 Corinthians ins Pokalfinale geführt hatte und 2023 kurz beim Flamengo tätig war, sorgte vor allem die Form der Demission für Aufsehen: Die Nachricht per E-Mail, ohne persönliches Gespräch, wurde als ungewöhnlich hart bewertet.
Die Volatilität auf der Trainerposition in Nottingham ist indes kein neues Phänomen. Pereira war bereits der fünfte Cheftrainer innerhalb von weniger als zwölf Monaten; vor ihm hatten unter anderem Nuno Espírito Santo und Sean Dyche den Posten inne. Dass der Portugiese dennoch mit einer gewissen Fassungslosigkeit reagierte, lag auch an den bereits weit gediehenen Planungen: In Portugal waren Testspiele gegen den FC Barcelona, Bayer Leverkusen und Sporting Lissabon terminiert, der Kaderumbau in Londoner Transfergesprächen skizziert. „Ich verlasse den Klub ohne Bitterkeit, nur mit Respekt und wunderbaren Erinnerungen“, ließ Pereira verlauten.
Als designierter Nachfolger gilt Oliver Glasner. Der Österreicher, der Crystal Palace in der Vorsaison zum Gewinn der Conference League und des FA Cups geführt hatte, soll laut übereinstimmenden Berichten aus England und Indonesien unmittelbar vor der Unterschrift stehen. Für Nottingham Forest, das in der kommenden Spielzeit erneut gegen den Abstieg kämpfen dürfte, beginnt damit die nächste unruhige Etappe – mit einem Prestigeduell gegen Barcelona am Horizont, aber ohne den Architekten der jüngsten Europapokal-Erfolge.
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Nottingham Forest handelte mit bürokratischer Grausamkeit und entließ einen Trainer mit einer kalten Nachricht in letzter Minute.
Es betont den Kontrast zwischen den jüngsten Erfolgen des Trainers und der Brutalität der Entlassung und schafft eine Erzählung der Undankbarkeit.
Das moderne Fußballsystem behandelt Trainer als Wegwerfware, und Vitor Pereira ist ein weiteres Opfer.
Es personalisiert die Geschichte auf den einzelnen Trainer und verstärkt das Gefühl der Ungerechtigkeit durch emotionale Sprache und Verweise auf Leid.
Nottingham Forest hat die Trennung professionell abgewickelt und dabei die üblichen vertraglichen Verfahren eingehalten.
Es reduziert das Ereignis auf eine Frage des Geschäftsmanagements und verwendet technische und neutrale Sprache, um die Entscheidung zu normalisieren.
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