
Ein stiller Moment in Chennai: Mammootty und die 72. National Film Awards
Bei der Verleihung der 72. National Film Awards in Neu-Delhi wurden politische Thriller, folkloristischer Horror und regionale Stoffe ausgezeichnet – und ein Veteran kehrte nach 28 Jahren auf den Thron zurück.
Als die Nachricht aus Neu-Delhi eintraf, befand sich Mammootty in Chennai. Der 74-jährige Schauspieler, dessen Karriere mehr als 400 Filme umspannt, erfuhr von seiner vierten nationalen Auszeichnung in einem Moment der Stille, fernab der Kameras. Es war der späte Nachmittag des 18. Juli 2026, und im National Media Centre der indischen Hauptstadt verlas eine elfköpfige Jury unter Vorsitz des Regisseurs Jayaraj die Namen der Preisträger. Mammoottys Darstellung des Kodumon Potti in dem schwarz-weißen Horror-Drama „Bramayugam“ brachte ihm den geteilten Preis als Bester Hauptdarsteller ein – 28 Jahre nach seiner letzten Ehrung in dieser Kategorie.
Der Abend gehörte jedoch nicht allein dem malayalamsprachigen Kino. Als bester Spielfilm wurde der Hindi-Thriller „Article 370“ ausgezeichnet, der die Aufhebung des Sonderstatus von Jammu und Kashmir im Jahr 2019 als Hintergrund für eine fiktive Geheimdienstoperation nutzt. Die Hauptdarstellerin Yami Gautam erhielt für ihre Rolle als Agentin Zooni Haksar den Preis als Beste Hauptdarstellerin. In einer Mitteilung, die sie kurz nach der Bekanntgabe in den sozialen Medien veröffentlichte, sprach sie von einem „Moment, der einen daran erinnert, warum man nie aufgegeben hat“. Der Film, produziert von ihrem Ehemann Aditya Dhar, gewann zudem die Auszeichnung für die beste Musikregie.
Die Jury, die Filme aus dem Zertifizierungszeitraum 2024 bewertete, zeichnete ein Panorama der sprachlichen und ästhetischen Vielfalt des indischen Kinos. Der tamilische Film „Amaran“ über den gefallenen Offizier Major Mukund Varadarajan wurde als beste Regie prämiert, das Telugu-Epos „Kalki 2898 AD“ als bester populärer Unterhaltungsfilm. In den regionalen Kategorien fanden sich Werke wie das kannadasprachige „Mithya“ über die Trauer eines elfjährigen Jungen, das malayalamsprachige Sozialdrama „Feminichi Fathima“ oder Dhanushs Regiearbeit „Raayan“. Der Schauspieler und Regisseur Randeep Hooda, der mit „Swatantrya Veer Savarkar“ sein Debüt gab, wurde als bester Nachwuchsregisseur geehrt und erklärte, der Film habe ihm „mehr abverlangt als alles, was ich je zuvor getan habe“.
Die Bekanntgabe, die nach einer knapp zweiwöchigen Verzögerung stattfand und live im Internet übertragen wurde, spiegelte eine Industrie im Wandel. Während kommerzielle Erfolge wie „Pushpa 2: The Rule“ in technischen Kategorien gewürdigt wurden – darunter das beste Originaldrehbuch und das beste Kostümdesign –, fanden auch dokumentarische Formen und Filme in Sprachen wie Tulu, Garhwali oder Konkani Beachtung. Aus deutschsprachiger Perspektive mag die schiere Anzahl der prämierten Sprachen und Genres wie ein ferner Spiegel erscheinen, doch die internationale Sichtbarkeit indischer Produktionen hat in den vergangenen Jahren zugenommen: „Bramayugam“ selbst war im Februar 2026 im Academy Museum of Motion Pictures in Los Angeles zu sehen, als Teil der Reihe „Where the Forest Meets the Sea“.
So endet der Abend mit einem Bild, das über die Preisverleihung hinausweist: die körnigen Schwarz-Weiß-Bilder eines Horrorfilms, der in der Folklore Keralas wurzelt und nun in einem kalifornischen Museum projiziert wird. Mammootty, der in diesem Jahr bereits mit dem Padma Bhushan, dem dritthöchsten zivilen Orden Indiens, ausgezeichnet wurde, hat mit 74 Jahren eine Rolle gefunden, die jenseits aller Altersklischees liegt. Die Stille in Chennai, als die Nachricht eintraf, war vielleicht der Resonanzboden für ein Lebenswerk, das sich beharrlich der Erneuerung verschrieben hat.
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