
Weltweiter KKMU-Aufschwung trotz digitaler und finanzieller Hürden
Bangladeschs Unternehmenszahlen steigen um 50 Prozent, Kolumbiens Kleinstbetriebe hadern mit Bargeld, Irans Bergbau trotzt der Krise.
In Bangladesch ist die Zahl der Wirtschaftseinheiten innerhalb eines Jahrzehnts um knapp 50 Prozent auf 11,7 Millionen gestiegen. 99 Prozent davon sind Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen (KKMU), die rund 85 Prozent der industriellen Arbeitsplätze stellen und zwischen 27 und 30 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. Die Regierung in Dhaka will diesen Anteil bis 2030 auf 35 Prozent steigern, und die Zentralbank hat einen Refinanzierungsfonds von 5000 Crore Taka (etwa 430 Millionen Euro) aufgelegt. Gleichzeitig setzen Geschäftsbanken wie City Bank und Trust Bank auf digitale Kleinkredite, Mentoring und vereinfachte Kreditbewertungen, die sich statt auf Sicherheiten auf Zahlungsströme stützen.
In Kolumbien zeigt sich unterdessen ein zwiespältiges Bild der finanziellen Inklusion. Bargeld bleibt mit über 83 Prozent das dominierende Zahlungsmittel bei Mikrounternehmen, während bei mittleren Firmen bereits 80 Prozent elektronische Überweisungen nutzen. Der 2025 gestartete Service Bre-B hat innerhalb weniger Monate eine Nutzungsquote von rund 30 Prozent erreicht, was auf ein erhebliches Potenzial für die Digitalisierung von Zahlungen hindeutet. Zugleich legen Daten der Encuesta MiPyme Anif offen, dass viele Kleinstbetriebe geschäftliche und private Finanzen vermischen und nur 42 Prozent Sozialabgaben entrichten. Aus Bogotá werden daher integrierte Strategien gefordert, die den Infrastrukturausbau mit finanzieller Allgemeinbildung verknüpfen.
Einen überraschenden Kontrapunkt setzt der Iran. Während die Gesamtwirtschaft nach offiziellen Angaben im Jahr 1404 (2025/2026) stagnierte, wuchs der Bergbausektor um 4,1 Prozent. Branchenvertreter aus Teheran zweifeln jedoch an den Zahlen, da hohe Maschinenkosten, steigende Ausgaben für Betriebsstoffe und vor allem die Treibstoffknappheit die Produktion vieler Minen tatsächlich einschränkten. Der vermeintliche Aufschwung dürfte auf vor Jahren getätigten Investitionen beruhen, deren Wirkung nun verspätet in der Statistik aufscheint. Die Diskrepanz zeigt, wie ungenaue Datenlage und verzerrte Indikatoren eine sachgerechte Wirtschaftspolitik erschweren.
Wie konkret regionale Fördersysteme Small-Scale-Unternehmen stabilisieren können, belegt ein Programm im indonesischen Rembang: Der staatliche Zementkonzern Semen Indonesia hat dort 580 KKMU mit Schulungen zu Qualität, Digitalisierung und Marketing begleitet; der kumulierte Transaktionswert erreichte 6,9 Milliarden Rupiah (rund 390.000 Euro), und mehr als 2100 lokale Arbeitsplätze entstanden. In der Summe der Entwicklungen liegt ein globaler Trend: Der KKMU-Sektor expandiert, doch das volle Wachstumspotenzial entfaltet sich nur dort, wo staatliche Refinanzierung, digitale Infrastruktur und unternehmerisches Know-how verzahnt werden. In Bangladesch wird die Wirksamkeit der neuen Zentralbankfonds, in Kolumbien die Bre-B-Durchdringung und im Iran die Transparenz der Bergbaudaten die nächsten Gradmesser sein.
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