
88,6 Prozent Inflation und ein Deckel von 25 Prozent: Irans Mietmarkt im Ausnahmezustand
Die Verbraucherpreise in Iran steigen mit 88,6 Prozent rasant, der Staat begrenzt Mieterhöhungen auf 25 Prozent – das schürt soziale Spannungen. Auch in Brasilien steigen Mieten überdurchschnittlich.
Die Inflation im Iran hat im Juni nach offiziellen Angaben eine Jahresrate von 88,6 Prozent erreicht. Der Verbraucherpreisindex stieg gegenüber dem Vormonat um 5,9 Prozent, wie das Statistische Zentrum in Teheran mitteilte. Besonders Nahrungsmittel verteuerten sich überdurchschnittlich. Gleichzeitig sind die Wohnkosten explodiert: Ein Vertreter des Immobilienmaklerverbands gab an, die Immobilienpreise seien seit Beginn der militärischen Konfrontation um rund 80 Prozent gestiegen. Banken hätten Liquidität über Mittelsmänner in den Markt geschleust, was die Preisblase zusätzlich anheize.
Um dem Druck auf Mieter entgegenzuwirken, hat der Schlichtungsrat der drei Staatsgewalten eine Obergrenze von 25 Prozent für Mieterhöhungen festgelegt. Diese Maßnahme spaltet die Gesellschaft: Mieter klagen, dass selbst ein solcher Aufschlag für viele Haushalte untragbar sei – eine Anhebung um ein Viertel bedeute bei einer üblichen Kaution von einer Milliarde Rial eine Zusatzbelastung von 250 Millionen Rial. Vermieter hingegen verweisen auf die weit höhere Inflation bei Instandhaltungskosten und auf die Verdreifachung der Immobilienwerte; sie sehen sich gezwungen, den Kapitalverlust hinzunehmen. Hinzu kommt, dass eine wirksame Kontrolle der Mietpreisbremse kaum existiert – Vermieter setzen ihre Forderungen oft einfach durch, und Makler folgen dem Provisionsinteresse.
Der makroökonomische Hintergrund ist von Sanktionen, regionalen Konflikten und einer Währungsabwertung geprägt, die den Rial binnen eines Jahres fast die Hälfte seines Wertes gekostet hat. Die Baukosten sind laut Statistik um annähernd 97 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Aus brasilianischer Perspektive stellt sich die Lage weniger dramatisch, doch auch dort wachsen die Mieten überdurchschnittlich: In den ersten fünf Monaten 2026 legten die Mietvertragspreise um 4,40 Prozent zu, während der allgemeine Verbraucherpreisindex IPCA nur um 3,20 Prozent zunahm. Marktbeobachter führen dies auf die niedrigen Leerstandsquoten im Büroimmobiliensektor und die anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnraum trotz gestiegener Zinsen zurück.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die iranische Mietpreisbremse tatsächlich greift oder ob sie zu einem Anstieg von Nebenabreden und Umgehungsgeschäften führt. In Brasilien bleibt die weitere Entwicklung der Leitzinsen ein Signalgeber für den Wohnungsmarkt. In beiden Ländern bleibt das Wohnen eine zentrale soziale Frage, die politischen Handlungsdruck erzeugt.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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In Brasilien stiegen die Mieten in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 um 4,4 %, was die IPCA-Inflation von 3 % übertrifft. Sinkende Leerstandsquoten und hohe Nachfrage in einigen Regionen erschweren zunehmend die Suche nach bezahlbarem Wohnraum und belasten die Haushaltskassen.
Im Iran sind die Immobilienpreise seit Kriegsbeginn nach Angaben von Branchenkennern um 80 % gestiegen, während offizielle Zahlen nur einen Anstieg von 35 % ausweisen. Vorwürfe der Manipulation von Statistiken und der Liquiditätsspritzen durch Banken schüren eine Glaubwürdigkeitskrise und verschärfen die wirtschaftliche Not der Bevölkerung.
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