
Warshs erstes Fed-Treffen: Zinspause trotz Inflationsdruck und Trumps Forderungen
Der neue Fed-Chef Kevin Warsh steht vor einer heiklen Kommunikationsaufgabe, während die Teuerung auf 4,2 Prozent steigt und das Weiße Haus auf Lockerung drängt.
In Washington beginnt an diesem Dienstag eine neue Ära für die mächtigste Notenbank der Welt. Kevin Warsh, von Präsident Donald Trump als Nachfolger des geschassten Jerome Powell berufen, leitet erstmals die Sitzung des Offenmarktausschusses. Die Ausgangslage ist denkbar schwierig: Die Inflation in den Vereinigten Staaten hat mit 4,2 Prozent den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht, befeuert durch den Krieg mit dem Iran und einen unerwartet robusten Arbeitsmarkt. Während die Märkte fest mit einer Beibehaltung des Leitzinskorridors von 3,50 bis 3,75 Prozent rechnen, deuten die Prognosen im sogenannten Dot Plot darauf hin, dass einige Währungshüter für das laufende Jahr bereits Zinserhöhungen einzeichnen könnten – ein scharfer Kontrast zu den Senkungserwartungen von vor drei Monaten.
Aus dem Weißen Haus kommt derweil eine völlig andere Botschaft. Präsident Trump, der Warsh gerade wegen dessen Neigung zu einer expansiveren Geldpolitik ausgewählt hatte, fordert unverhohlen niedrigere Zinsen. Der Republikaner sieht in den strafferen Finanzierungsbedingungen ein Hemmnis für das Wirtschaftswachstum und macht trotz gegenteiliger Beteuerungen zur Unabhängigkeit der Fed keinen Hehl aus seinen Erwartungen. Diese politische Gemengelage stellt Warsh vor eine delikate kommunikative Herausforderung: Er muss die Glaubwürdigkeit der Notenbank wahren, ohne den Präsidenten offen zu brüskieren.
International wird das Treffen mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Aus dem Nahen Osten berichten Beobachter von einem fragilen Friedensabkommen, das die geopolitische Risikoprämie an den Rohstoffmärkten zwar dämpft, aber noch keineswegs verlässlich ist. In europäischen Handelsmetropolen wie Frankfurt und Zürich richtet sich der Blick vor allem auf die Tonlage des neuen Fed-Chefs. Warsh gilt als pragmatischer Kommunikator, doch seine erste Pressekonferenz am Mittwoch wird zeigen, ob er die Inflationsrisiken schärfer betont als sein Vorgänger oder ob er die Tür für baldige Zinssenkungen offen hält.
Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft und die Schweizerische Nationalbank ist die Entscheidung von erheblicher Bedeutung. Ein dauerhaft hohes US-Zinsniveau stärkt den Dollar und verschafft europäischen Exporteuren preisliche Vorteile, birgt aber zugleich die Gefahr von Kapitalabflüssen aus den Schwellenländern und erhöhter Volatilität an den Devisenmärkten. Die Europäische Zentralbank, die selbst mit einer hartnäckigen Kerninflation kämpft, könnte sich gezwungen sehen, ihre eigenen Zinsschritte zu überdenken, sollte die Fed wider Erwarten einen strafferen Kurs signalisieren.
Die eigentliche Bewährungsprobe für Warsh liegt daher weniger in der Zinsentscheidung selbst als in der Kunst, die auseinanderdriftenden Kräfte innerhalb des Offenmarktausschusses und die politischen Pressionen von außen in eine kohärente geldpolitische Strategie zu übersetzen. Sollte er die hawkishen Tendenzen im Ausschuss zu deutlich durchscheinen lassen, riskiert er nicht nur einen Konflikt mit dem Weißen Haus, sondern auch eine abrupte Neubewertung an den Anleihemärkten, die globale Schockwellen auslösen könnte. Die Finanzwelt blickt deshalb mit angehaltenem Atem auf Warshs erste Pressekonferenz – sie wird mehr über die künftige Ausrichtung der Fed verraten als der nackte Zinsbeschluss.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die Federal Reserve hat lange versagt, die Inflation zu kontrollieren, und bevorzugte billiges Geld. Kevin Warshs erste Sitzung als Vorsitzender ist eine Prüfung: Er muss sich erhöhter Inflation und der Aussicht auf Zinserhöhungen stellen, während die Glaubwürdigkeit der Institution auf dem Spiel steht.
Die meisten Fed-Entscheidungsträger erwarten, die Zinsen das ganze Jahr über unverändert zu lassen, doch einige könnten eine Erhöhung einplanen. Kevin Warsh ist ein Fragezeichen: Seine erste Sitzung wird zeigen, ob er den bisherigen Kurs fortsetzt oder angesichts komplexer inflationärer und geopolitischer Zwänge tiefgreifendere Änderungen vornimmt.
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