
„Ich bin der Boss“: Trump inszeniert sich beim G7-Gipfel in Évian als tonangebende Figur
Mit einem halb scherzhaften, halb programmatischen Auftritt hat der amerikanische Präsident die Schlussrunde des Gipfels dominiert und die Hierarchie der westlichen Industriestaaten auf seine Weise definiert.
Es war ein Auftritt, der die Machtverhältnisse innerhalb der Gruppe der Sieben in einer einzigen Geste verdichtete: Als Donald Trump am Mittwoch mit Verspätung zur Arbeitssitzung des G7-Gipfels im französischen Évian-les-Bains erschien, blieb er am Kopfende des Konferenztisches kurz stehen und verkündete mit hörbarem Selbstbewusstsein: „I am the boss“ – ich bin der Chef. Die bereits platzierten Staats- und Regierungschefs, darunter Gastgeber Emmanuel Macron, quittierten die Bemerkung mit Gelächter. Macron, der die Sitzung leitete, fragte betont gelassen nach Trumps Befinden, bevor der 80-jährige Amerikaner lächelnd seinen Platz zur Rechten des französischen Präsidenten einnahm.
Der inszenierte Moment war mehr als eine launige Verspätungsentschuldigung. Aus Washingtoner Sicht unterstrich er den Führungsanspruch einer Administration, die multilaterale Foren zunehmend als Bühne für nationale Interessen nutzt. In europäischen Hauptstädten – von Paris über Berlin bis Wien – wurde die Szene dagegen als Fortsetzung eines bekannten Musters gelesen: Trump, der frühere Gastgeber der Fernsehshow „The Apprentice“ mit ihrem berüchtigten „You’re fired!“, versteht Diplomatie als Nullsummenspiel, bei dem es einen Boss geben muss. Dass er im Anschluss dem britischen Premierminister Keir Starmer kumpelhaft auf die Schulter klopfte und sich über die seiner Ansicht nach zu hohe Raumtemperatur beschwerte, rundete das Bild eines Präsidenten ab, der protokollarische Gepflogenheiten bewusst unterläuft.
Dabei war der Gipfel von Évian von Macron mit erheblichem diplomatischem Aufwand darauf ausgerichtet worden, transatlantische Spannungen abzubauen. Anders als beim vorangegangenen Treffen in Kanada, das Trump vorzeitig verlassen hatte, blieb der amerikanische Präsident diesmal bis zum Abschlussbankett und unterzeichnete das gemeinsame Kommuniqué. Die Agenda umfasste neue Sanktionen gegen Russland, die Unterstützung der Ukraine, die Diversifizierung von Lieferketten für kritische Rohstoffe sowie die Verringerung der Abhängigkeit von China. Auch ein Durchbruch im Nahostkonflikt – eine Waffenstillstandsvereinbarung mit Iran – wurde vermeldet, was Trumps selbstbewusste Inszenierung zusätzlich nährte.
Aus mitteleuropäischer Perspektive bleibt der Auftritt ambivalent. Einerseits zeigt er, dass die USA unter Trump gewillt sind, Führungsverantwortung zu übernehmen – eine Botschaft, die in Berlin und Warschau mit Blick auf die Sicherheitslage in Osteuropa aufmerksam registriert wird. Andererseits nährt der ostentative Dominanzgestus die Sorge, dass die regelbasierte Ordnung des Westens weiter erodiert. Schweizer Beobachter, die den Gipfel am Genfer See aus nächster Nähe verfolgten, verwiesen auf die symbolische Kraft solcher Szenen: Wenn der Gast dem Gastgeber die Regie streitig macht, verschieben sich die Koordinaten der Allianz.
Der Gipfel von Évian wird damit als jene Zusammenkunft in Erinnerung bleiben, bei der Donald Trump nicht nur politische Ergebnisse einforderte, sondern auch die informelle Rangordnung des Klubs der großen Industrienationen neu justierte. Ob diese Mischung aus Provokation und Pragmatismus die transatlantische Partnerschaft langfristig stabilisiert oder weiter aushöhlt, dürfte sich erst bei den nächsten Krisen zeigen – nicht zuletzt bei der Frage, wie geschlossen der Westen auf die wachsende Rivalität mit Peking reagiert.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Trumps theatralischer Auftritt und seine Behauptung, der Boss zu sein, werden als weiterer Beleg für einen alarmierenden geistigen Verfall gedeutet. Kommentatoren äußern Empörung, vermuten senile Demenz und stellen seine Führungsfähigkeit infrage. Der Vorfall wird nicht als Humor, sondern als Symptom einer tiefen Krise dargestellt.
Als Letzter eingetroffen, betonte Trump, der Boss zu sein, mit einer Mischung aus Ernst und Lächeln. Europäische Beobachter vermerken die Theatralik, den Klaps auf den Rücken des britischen Premiers und die Klage über die Hitze und zeichnen das Bild eines Anführers, der den Gipfel zur persönlichen Bühne macht. Die Geste wird mit Ironie und paternalistischem Achselzucken quittiert.
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