
Wohnungsbau weltweit im Rückwärtsgang – von Washington bis Teheran
In den USA fielen die Baubeginne auf den tiefsten Stand seit 2020, während in Russland die Preisschere zwischen Neu- und Bestandsbauten schrumpft und die Schweiz trotz klarer Diagnose kaum vom Fleck kommt.
Aus Washingtoner Sicht hat der amerikanische Wohnungsbau im Mai einen dramatischen Dämpfer erhalten. Die Zahl der neu begonnenen Einheiten sank gegenüber dem Vormonat um 15,4 Prozent auf eine annualisierte Rate von 1,18 Millionen – der niedrigste Wert seit sechs Jahren und weit unter allen Prognosen der von Bloomberg befragten Ökonomen, die lediglich mit einem leichten Rückgang gerechnet hatten. Auch die Baugenehmigungen gaben nach. Die Baukonzerne konzentrieren sich angesichts der verhaltenen Nachfrage zunehmend darauf, ihre bereits fertiggestellten, aber noch unverkauften Bestände abzubauen, statt neue Projekte anzustoßen. Besonders der Einfamilienhaussektor verlor an Dynamik, was die Federal Reserve vor dem Hintergrund hartnäckig hoher Finanzierungskosten und gesunkener Erschwinglichkeit zusätzlich unter Druck setzt.
In Russland zeigt sich unterdessen ein anderes Bild der Abkühlung. Dort verringert sich in den Millionenstädten die Preisschere zwischen Neubauten und Bestandsimmobilien spürbar. Nach Angaben des Analysezentrums von „Avito Nedvizhimost“ kostet der Quadratmeter auf dem Sekundärmarkt in Nischni Nowgorod mittlerweile 15 Prozent weniger als in neuen Projekten – im Mai 2025 hatte die Differenz noch 21 Prozent betragen. Auch in Perm, Ufa und Kasan schrumpfte der Abstand merklich. Beobachter in Moskau deuten dies als Zeichen dafür, dass die Nachfrage nach Neubauten nachlässt und Käufer vermehrt in den günstigeren Bestand ausweichen, während die Bauwirtschaft unter steigenden Kosten und Finanzierungsengpässen leidet.
In Teheran wiederum ist die Lage noch zugespitzter. Die Vizepräsidentin des Immobilienverbands, Smaneh Moharrami Namini, beschreibt einen Markt, auf dem zwar Wohnungen vorhanden sind, aber die Käufer fehlen. Bauprojekte werden gestoppt oder ganz aufgegeben, weil die Kosten für Grundstücke, Material und Kredite explodiert sind und die Kaufkraft der Bevölkerung nicht mithalten kann. Selbst staatliche Baukredite, die früher einen erheblichen Teil der Kosten deckten, tragen heute kaum noch zur Finanzierung bei. Hinzu kommen langwierige Genehmigungsverfahren, die den Anreiz für Investoren weiter schmälern.
In der Schweiz ist die Diagnose ähnlich, die Therapie jedoch blockiert. Nach der Ablehnung der Initiative „Keine Schweiz ohne 10 Millionen!“ ist die politische Debatte über Zuwanderungsbegrenzung vorerst beendet, doch der Wohnungsmangel bleibt akut. Zwischen 2020 und 2024 wurden jährlich im Schnitt weniger als 46.000 Wohneinheiten fertiggestellt, während gleichzeitig über 50.000 neue Haushalte entstanden. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wächst. Obwohl weithin anerkannt ist, dass nur eine Ausweitung des Wohnungsbaus die Krise lindern kann, scheitert die Beschleunigung an zersplitterten Zuständigkeiten und lokalen Widerständen. Die eidgenössische Politik hat die Lösungswege identifiziert, kommt aber kaum vom Planen ins Handeln.
Die länderübergreifende Zusammenschau offenbart ein globales Muster: Steigende Bau- und Finanzierungskosten, administrative Hürden und eine schwindende Kaufkraft bremsen die Bautätigkeit selbst dort, wo Wohnraum dringend benötigt wird. Während die US-Notenbank mit ihrer Zinspolitik ringt und die Schweiz nach institutionellen Reformen sucht, bleibt die Gefahr einer strukturellen Unterversorgung in vielen Metropolen bestehen. Ohne gezielte Investitionsanreize und effizientere Genehmigungsverfahren dürfte sich die Schere zwischen Wohnungsbedarf und tatsächlicher Bautätigkeit weiter öffnen – mit langfristigen Folgen für Miet- und Kaufpreise auch in den deutschsprachigen Ländern.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Der iranische Wohnungssektor steckt in einer tiefen Krise: In Teheran liegen Bauprojekte wegen explodierender Kosten, teurer Grundstücke und wirkungsloser Kredite still oder wurden aufgegeben. Den Bauherren fehlt der Anreiz für neue Vorhaben, und die Kluft zwischen Angebot und tatsächlichem Bedarf wächst weiter.
In russischen Millionenstädten verringert sich der Preisabstand zwischen Neu- und Bestandswohnungen, in einigen Städten deutlich. Gleichzeitig schrumpft die Durchschnittsfläche neuer Wohnungen, da sich Käufer zunehmend an der Monatsrate orientieren.
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