
Vor dem WM-Finale: Scaloni und Messi beschwören die Einheit einer Fußballnation
Argentiniens Trainer und Kapitän richten vor dem Endspiel gegen Spanien den Blick auf das gemeinsame Erbe und die emotionale Bindung zu den Fans, während die taktische Herausforderung durch den Europameister wächst.
Zwei Tage vor dem WM-Finale 2026 im MetLife Stadium von New Jersey hat sich der argentinische Trainer Lionel Scaloni in einer ungewöhnlichen Pressekonferenz vor zahlenden Fans im New Yorker Javits Center gemeinsam mit Lionel Messi und Emiliano Martínez gezeigt. Scaloni nannte seinen 39-jährigen Kapitän „reine Geschichte, eine Legende“ und betonte, es sei „unglaublich“, in diesem Alter ein WM-Finale zu erreichen. Messi selbst sprach von der natürlichen Leidenschaft, mit der er und seine Generation auf der Straße und in der Schule Fußball gelernt hätten – ein Erbe, das Druck in den Hintergrund treten lasse. Die argentinischen Medien griffen diese Töne auf und stellten die emotionale Rückbindung an die Bevölkerung in den Mittelpunkt: „Wir spielen für sie“, sagte Scaloni, und es sei unmöglich, dass einen die Freude der Menschen nicht im Herzen berühre.
Der Weg ins Endspiel war von dramatischen Momenten geprägt. Nach einem Viertelfinalsieg gegen die Schweiz drehte Argentinien im Halbfinale gegen England einen Rückstand und zog durch eine starke zweite Hälfte ins Finale ein. Scaloni räumte ein, sein Team sei den Gegnern mittlerweile bekannt, weshalb der erneute Finaleinzug „doppelt verdient“ sei. Aus spanischer Perspektive wird der Gegner als „sehr komplettes Team“ beschrieben, dessen Schlüsselspieler Messi man kontrollieren müsse. Englischsprachige Beobachter verweisen auf die beeindruckende Bilanz des Argentiniers gegen die Hälfte des spanischen Kaders: In 81 direkten Duellen mit 13 spanischen Nationalspielern erzielte Messi 62 Tore.
Scaloni zeigte sich vor dem Duell mit dem amtierenden Europameister, der seit 37 Spielen ungeschlagen ist, betont respektvoll. „Wenn Spanien das Hotel verlässt, bin ich schon besorgt“, sagte er und lobte die disziplinierte Spielweise des Teams von Luis de la Fuente. Beide Mannschaften ähnelten sich in ihrem ballbesitzorientierten Stil, so Scaloni, was ein „großartiges Spiel“ verspreche. Die taktische Analyse in argentinischen Fachkreisen kreist unterdessen um die Frage, ob Rodrigo De Paul in die Startelf zurückkehrt und wie man die spanische Dominanz im Mittelfeld brechen kann.
Die Frage nach Messis Zukunft ließ Scaloni offen. „Keine Ahnung, fragen Sie ihn“, sagte er, „er hört nicht auf, uns zu überraschen.“ Messi selbst äußerte sich nicht zu einem möglichen Rücktritt, sprach aber über das kuriose Wiedersehen mit dem 19-jährigen Lamine Yamal, den er einst als Baby auf einem Foto gehalten hatte. „Das ist verrückt, das ist das Leben“, kommentierte Messi und kündigte an, alles zu geben, damit Yamal „diesmal nicht“ Geschichte schreibe.
Scaloni betonte, dass der größte Gewinn dieser Mannschaft jenseits von Titeln liege: „Wir haben etwas sehr Wertvolles zurückgewonnen – dass sich ein Fan von River Plate und einer von Boca Juniors vor dem Fernseher umarmen.“ Diese Einheit, so der Trainer, sei der wahre Antrieb für das Endspiel. Am Sonntag entscheidet sich, ob Argentinien als erste Mannschaft seit Brasilien 1958 und 1962 den WM-Titel verteidigen kann.
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