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Gesellschaft & KulturDonnerstag, 25. Juni 2026

Von Airfryer-Pizza bis Ochsenschwanz: Die kulinarischen Sehnsüchte der Saison

Während die einen bei Eintöpfen und langsamen Schmorgerichten Zuflucht suchen, feiern andere weiße Sommerpartys – ein Blick auf die Rezepte, die derzeit um die Welt gehen.

Der Duft von langsam schmorendem Osobuco, der sich mit dem erdigen Aroma von Pilzen vermischt, steigt aus der gusseisernen Kasserolle und kündet von einem Abend ohne Eile. Es ist jener Moment, den die australische Food-Redakteurin Andrea McGinniss als «die Rückkehr des glorreichen Eintopfs» beschreibt: Der schwere Topf, der monatelang unter der Spüle verstaubte, rückt ins Zentrum des Herdes und wird zum Gefäß für stille, blubbernde Genügsamkeit. In Buenos Aires empfiehlt die Agencia Noticias Argentinas bei der jüngsten Kältewelle «Locro criollo» und Linseneintopf als «Bombe an Nährstoffen und Energie», während das argentinische Portal El Día dem Osobuco-Eintopf mit Pilzen und Wurzelgemüse eine fast meditative Qualität zuschreibt: «Das wahre Geheimnis liegt in der Geduld.»

Doch die kulinarische Landkarte dieses Juni ist gespalten. Während auf der Südhalbkugel die Temperaturen fallen, erscheint in der Schweiz der «Tages-Anzeiger» mit einer Anleitung zur «weissen Sommerparty» – langen, weiß gedeckten Tafeln unter freiem Himmel, zu denen Gäste in hellem Dresscode erscheinen und ihre Speisen in Körben mitbringen. Die Rezepte sind unkompliziert, gedacht für spontane Minifeste oder ein schnelles Nachtessen, ganz so, als wolle man die schwindende Helligkeit nach der Sommersonnenwende mit einer letzten, hellen Geste feiern. Es ist eine Gleichzeitigkeit, die zeigt, wie sehr das Kochen nicht nur von Jahreszeiten, sondern von kollektiven Stimmungen geprägt wird: hier die Suche nach wärmender Schwere, dort die Lust an leichter Geselligkeit.

Zwischen diesen Polen entfaltet sich eine bemerkenswerte Ökonomie der Zutaten. In argentinischen Metzgereien entdeckt eine wachsende Zahl von Konsumenten die «Tortuguita», ein mageres Stück aus der Rinderkeule, das mit rund 13.500 Pesos pro Kilo (etwa 10.800 Pesos mit digitalen Rabatten) deutlich günstiger ist als Roastbeef oder Nuss. Die Zeitung «Los Andes» notiert, der Schnitt eigne sich besonders für lange Schmorgerichte, weil seine festen Fasern Saucen und Brühen aufsaugen und nach Stunden sanfter Hitze eine «zarte, saftige Textur» annehmen. Ähnlich pragmatisch geht die spanische Influencerin Sara Conde vor, die unter dem Namen @burppe_vet auf TikTok 2,8 Millionen Follower erreicht: Ihr soeben erschienenes Buch «Recetas con airfryer para gente sin tiempo» ersetzt Pizzateig kurzerhand durch gestapelte Reispapierblätter, die mit Ei befeuchtet und in der Heißluftfritteuse in zehn Minuten knusprig werden – ein Trick, der virale Popularität erlangt hat, weil er die Sehnsucht nach hausgemachtem Komfort mit der Ungeduld des Alltags versöhnt.

Diese Mischung aus Ressourcenbewusstsein und Geschmackssuche prägt auch die Ratschläge, die derzeit durch lateinamerikanische und angelsächsische Medien zirkulieren. Die kolumbianische Zeitung «El Espectador» druckt ein Rezept für Spaghetti mit Hackfleisch, das mit Paprika, Kreuzkümmel und Annatto-Öl jenes Aroma beschwört, das an «das Mittagessen deiner Mutter» erinnern soll. In Australien wiederum entwickelt die Autorin Alice Zaslavsky ein Akronym – PICKY –, um aus Resten im Kühlschrank einen «picky plate» zusammenzustellen: P für Pickles und Fermentiertes, I für saisonales Obst und Gemüse, C für Crunch, K für einen Proteinanker und Y für Eigelb. Es ist eine Philosophie des Improvisierens, die den kulinarischen Diskurs der Stunde ebenso prägt wie die Empfehlung der argentinischen Zeitung «La Gaceta», der klassischen Nudelsuppe mit Hühnerfleisch, Hülsenfrüchten und Spinat mehr Proteine und Sättigung zu verleihen.

So spiegeln die Rezepte, die um den Globus wandern, weniger einen einheitlichen Trend als ein fein verästeltes Geflecht von Bedürfnissen: nach Wärme und Geborgenheit, nach Effizienz und Erschwinglichkeit, nach Geselligkeit und dem kurzen Glück eines Sommerabends. Während in der einen Hemisphäre der Dampf aus der Suppenschüssel steigt, klirren in der anderen die Gläser auf einer weißen Tafel, und irgendwo dazwischen brutzelt eine Pizza aus Reispapier in der Heißluftfritteuse – ein leises, knisterndes Versprechen, dass Genuss keine Frage des Aufwands sein muss.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 3 Sprachen

0%
TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Lateinamerikanische PresseAtlantische / angloamerikanische Presse
Lateinamerikanische Presse/ Markt
PragmatismusIronie

In Argentinien begegnet man dem Winter mit Kreativität in der Küche: von der Heißluftfritteuse bis zum traditionellen Eintopf ist das Geheimnis, sich mit dem zu behelfen, was man hat. Günstige Fleischstücke wie die 'Tortuguita' und Tricks, um eine einfache Nudelsuppe aufzuwerten, werden zu täglichen Akten des Widerstands gegen die Kälte. Der Duft des Eintopfs ist der Duft von Zuhause, eine warme Umarmung, die den Geldbeutel schont.

Atlantische / angloamerikanische Presse/ Wirtschaftlich
PragmatismusIronie

Der Winter ist die beste Jahreszeit, und die Rückkehr des Eintopfs ist sein größter Triumph. Von schnellen Familienessen mit einer Packung Hackfleisch bis zur Kunst des 'Picky Plate' aus Kühlschrankresten ist die Botschaft klar: Wohlfühlessen muss nicht kompliziert sein. Es geht um Wärme, Praktikabilität und eine Prise spielerischer Ironie.

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Donnerstag, 25. Juni 2026

Von Airfryer-Pizza bis Ochsenschwanz: Die kulinarischen Sehnsüchte der Saison

Während die einen bei Eintöpfen und langsamen Schmorgerichten Zuflucht suchen, feiern andere weiße Sommerpartys – ein Blick auf die Rezepte, die derzeit um die Welt gehen.

Der Duft von langsam schmorendem Osobuco, der sich mit dem erdigen Aroma von Pilzen vermischt, steigt aus der gusseisernen Kasserolle und kündet von einem Abend ohne Eile. Es ist jener Moment, den die australische Food-Redakteurin Andrea McGinniss als «die Rückkehr des glorreichen Eintopfs» beschreibt: Der schwere Topf, der monatelang unter der Spüle verstaubte, rückt ins Zentrum des Herdes und wird zum Gefäß für stille, blubbernde Genügsamkeit. In Buenos Aires empfiehlt die Agencia Noticias Argentinas bei der jüngsten Kältewelle «Locro criollo» und Linseneintopf als «Bombe an Nährstoffen und Energie», während das argentinische Portal El Día dem Osobuco-Eintopf mit Pilzen und Wurzelgemüse eine fast meditative Qualität zuschreibt: «Das wahre Geheimnis liegt in der Geduld.»

Doch die kulinarische Landkarte dieses Juni ist gespalten. Während auf der Südhalbkugel die Temperaturen fallen, erscheint in der Schweiz der «Tages-Anzeiger» mit einer Anleitung zur «weissen Sommerparty» – langen, weiß gedeckten Tafeln unter freiem Himmel, zu denen Gäste in hellem Dresscode erscheinen und ihre Speisen in Körben mitbringen. Die Rezepte sind unkompliziert, gedacht für spontane Minifeste oder ein schnelles Nachtessen, ganz so, als wolle man die schwindende Helligkeit nach der Sommersonnenwende mit einer letzten, hellen Geste feiern. Es ist eine Gleichzeitigkeit, die zeigt, wie sehr das Kochen nicht nur von Jahreszeiten, sondern von kollektiven Stimmungen geprägt wird: hier die Suche nach wärmender Schwere, dort die Lust an leichter Geselligkeit.

Zwischen diesen Polen entfaltet sich eine bemerkenswerte Ökonomie der Zutaten. In argentinischen Metzgereien entdeckt eine wachsende Zahl von Konsumenten die «Tortuguita», ein mageres Stück aus der Rinderkeule, das mit rund 13.500 Pesos pro Kilo (etwa 10.800 Pesos mit digitalen Rabatten) deutlich günstiger ist als Roastbeef oder Nuss. Die Zeitung «Los Andes» notiert, der Schnitt eigne sich besonders für lange Schmorgerichte, weil seine festen Fasern Saucen und Brühen aufsaugen und nach Stunden sanfter Hitze eine «zarte, saftige Textur» annehmen. Ähnlich pragmatisch geht die spanische Influencerin Sara Conde vor, die unter dem Namen @burppe_vet auf TikTok 2,8 Millionen Follower erreicht: Ihr soeben erschienenes Buch «Recetas con airfryer para gente sin tiempo» ersetzt Pizzateig kurzerhand durch gestapelte Reispapierblätter, die mit Ei befeuchtet und in der Heißluftfritteuse in zehn Minuten knusprig werden – ein Trick, der virale Popularität erlangt hat, weil er die Sehnsucht nach hausgemachtem Komfort mit der Ungeduld des Alltags versöhnt.

Diese Mischung aus Ressourcenbewusstsein und Geschmackssuche prägt auch die Ratschläge, die derzeit durch lateinamerikanische und angelsächsische Medien zirkulieren. Die kolumbianische Zeitung «El Espectador» druckt ein Rezept für Spaghetti mit Hackfleisch, das mit Paprika, Kreuzkümmel und Annatto-Öl jenes Aroma beschwört, das an «das Mittagessen deiner Mutter» erinnern soll. In Australien wiederum entwickelt die Autorin Alice Zaslavsky ein Akronym – PICKY –, um aus Resten im Kühlschrank einen «picky plate» zusammenzustellen: P für Pickles und Fermentiertes, I für saisonales Obst und Gemüse, C für Crunch, K für einen Proteinanker und Y für Eigelb. Es ist eine Philosophie des Improvisierens, die den kulinarischen Diskurs der Stunde ebenso prägt wie die Empfehlung der argentinischen Zeitung «La Gaceta», der klassischen Nudelsuppe mit Hühnerfleisch, Hülsenfrüchten und Spinat mehr Proteine und Sättigung zu verleihen.

So spiegeln die Rezepte, die um den Globus wandern, weniger einen einheitlichen Trend als ein fein verästeltes Geflecht von Bedürfnissen: nach Wärme und Geborgenheit, nach Effizienz und Erschwinglichkeit, nach Geselligkeit und dem kurzen Glück eines Sommerabends. Während in der einen Hemisphäre der Dampf aus der Suppenschüssel steigt, klirren in der anderen die Gläser auf einer weißen Tafel, und irgendwo dazwischen brutzelt eine Pizza aus Reispapier in der Heißluftfritteuse – ein leises, knisterndes Versprechen, dass Genuss keine Frage des Aufwands sein muss.

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TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Lateinamerikanische PresseAtlantische / angloamerikanische Presse
Lateinamerikanische Presse/ Markt
PragmatismusIronie

In Argentinien begegnet man dem Winter mit Kreativität in der Küche: von der Heißluftfritteuse bis zum traditionellen Eintopf ist das Geheimnis, sich mit dem zu behelfen, was man hat. Günstige Fleischstücke wie die 'Tortuguita' und Tricks, um eine einfache Nudelsuppe aufzuwerten, werden zu täglichen Akten des Widerstands gegen die Kälte. Der Duft des Eintopfs ist der Duft von Zuhause, eine warme Umarmung, die den Geldbeutel schont.

Atlantische / angloamerikanische Presse/ Wirtschaftlich
PragmatismusIronie

Der Winter ist die beste Jahreszeit, und die Rückkehr des Eintopfs ist sein größter Triumph. Von schnellen Familienessen mit einer Packung Hackfleisch bis zur Kunst des 'Picky Plate' aus Kühlschrankresten ist die Botschaft klar: Wohlfühlessen muss nicht kompliziert sein. Es geht um Wärme, Praktikabilität und eine Prise spielerischer Ironie.

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