
Kapverdischer Kapitän Ryan Mendes unter Vergewaltigungsverdacht
Eine brasilianische Dolmetscherin beschuldigt den Spielführer, sie Ende März in einem Hotel in Auckland vergewaltigt zu haben. Die neuseeländische Polizei ermittelt, die Fifa ist informiert.
Wie brasilianische Medien berichten, wird Ryan Mendes, Kapitän der kapverdischen Fußballnationalmannschaft, von den neuseeländischen Behörden verdächtigt, am 27. März eine Dolmetscherin in seinem Hotelzimmer in Auckland vergewaltigt zu haben. Die Frau, eine Brasilianerin mit Arbeitsvisum, war vom neuseeländischen Fußballverband als Begleitung für das kapverdische Team engagiert worden, das im Rahmen der Fifa Series ein Freundschaftsspiel gegen Chile bestritt. In ihrer Aussage vor der Polizei schilderte sie, Mendes sei gewaltsam in ihr Zimmer eingedrungen, habe sie gewürgt, geschlagen und sexuell missbraucht.
Die Ermittlungen der neuseeländischen Polizei stützen sich auf eine forensische Untersuchung sowie Fotos, die laut dem Bericht von Globo Esporte Hämatome an Hals, Brust und Genitalbereich zeigen. Die Polizei sicherte zudem Videoaufnahmen aus dem Hotel; eine Sprecherin bestätigte, dass eine Anzeige eingegangen sei, verwies aber auf die strengen Datenschutzbestimmungen und machte keine Angaben zur Identität des Beschuldigten. Die mutmaßliche Betroffene hatte sich nach eigenen Angaben zunächst an Funktionäre des kapverdischen Verbands gewandt, jedoch keine Reaktion erhalten.
Medien aus Südamerika und Europa melden, dass die Frau und ihr Ehemann am 10. Mai sowohl den kapverdischen Fußballverband als auch die Fifa schriftlich aufgefordert hätten, Mendes von der Weltmeisterschaft auszuschließen. Die Fifa erklärte, sie nehme jeden Vorwurf von Fehlverhalten „äußerst ernst“ und stehe mit den neuseeländischen Behörden in Kontakt, äußerte sich aber nicht zu einer möglichen internen Untersuchung. Der Verband der Kapverden gab an, sich nicht zu der Angelegenheit zu äußern. Ryan Mendes, der bislang in allen WM-Partien seines Teams auf dem Platz stand, hat sich zu den Vorwürfen nicht öffentlich geäußert und bereitet sich auf das Achtelfinalspiel gegen Argentinien vor.
In Neuseeland wird der Straftatbestand der sexuellen Nötigung mit bis zu zwanzig Jahren Freiheitsstrafe geahndet. Allerdings gibt es kein Auslieferungsabkommen mit den Kapverden, sodass eine mögliche Strafverfolgung auf internationale Rechtshilfe oder eine Intervention über Interpol angewiesen wäre. Bis zur Bewertung der forensischen Gutachten, die nach Angaben eines Anwalts der Familie mehrere Monate in Anspruch nehmen kann, bleibt der Fall vorläufig offen.
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