
Venezuela: Neunjähriger nach Erdbeben tot geborgen – Polizeichef überlebt neun Tage unter Trümmern
Nach dem Doppelbeben in Venezuela ist der neunjährige Fabio trotz tagelanger Rettungsversuche gestorben, während der Polizeipräsident von La Guaira weiterhin unter einem eingestürzten Gebäude auf Rettung wartet.
Der neunjährige Fabio Bastardo, der seit dem verheerenden Doppelbeben vom 24. Juni unter den Trümmern eines zwölfstöckigen Wohnhauses in Caraballeda eingeschlossen war, ist nach Angaben internationaler Rettungsteams tot. Trotz anfänglicher Hoffnungen, die sich auf akustische Signale und die Aussagen des Vaters stützten, hätten Sonar- und Georadar-Untersuchungen schließlich keine Lebenszeichen mehr ergeben, teilten die Einsatzkräfte mit. Der Vater, der während des Bebens auf See war und per Videotelefonat mit der Familie in Kontakt stand, hatte bis zuletzt auf ein Überleben seines Sohnes gehofft.
Unterdessen gelang es Rettungsmannschaften, den Polizeipräsidenten des Bundesstaates La Guaira, Vizeadmiral Gustavo Romero Matamoros, zu orten. Er befindet sich neun Tage nach dem Einsturz des Oasis-Beach-Gebäudes in Catia La Mar noch am Leben und kommuniziert mittels Morsezeichen mit den Helfern. Nach übereinstimmenden Berichten lokaler Medien sollen mit ihm bis zu zwanzig weitere Personen unter den Betonmassen eingeschlossen sein. Die Bergungsarbeiten gestalten sich aufgrund der instabilen Struktur äußerst schwierig.
Die offizielle Opferbilanz stieg unterdessen auf 2.645 Tote und mehr als 12.600 Verletzte. Über 15.000 Menschen wurden obdachlos, fast 200 Gebäude stürzten ein. An den Rettungsaktionen beteiligen sich neben venezolanischen Kräften auch Spezialisten aus Argentinien, El Salvador, Spanien und weiteren Ländern. Aus den betroffenen Küstenregionen werden jedoch erhebliche logistische Probleme gemeldet: Anwohner und freiwillige Helfer beklagen einen Mangel an Treibstoff und schwerem Räumgerät, was die Suche nach Überlebenden verzögere.
Die Interimspräsidentin Delcy Rodríguez wies Kritik an der staatlichen Katastrophenhilfe zurück und sprach von einer sofortigen und koordinierten Reaktion. Die anfänglichen Verzögerungen führt sie auf beschädigte Flughäfen und Verkehrswege zurück. Unterdessen berichten lokale Medien, dass der Leiter einer freiwilligen Rettungsgruppe, Wilmer Antonio Cruz, nach öffentlicher Kritik an den Behörden von Sicherheitskräften abgeführt worden und seither verschwunden sei. Die Bergungsarbeiten dauern an; die Behörden schließen weitere Überlebende nicht aus.
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